Warum du unbedingt einen Anwalt suchen solltest, auch wenn du glaubst, dass du damit den Streit zwischen Euch eskalierst

Nov 1, 2019 | 4 Kommentare

Viele Mütter, die in meine Starken Mütter Gruppe auf Facebook kommen oder mit denen ich ein Vorgespräch für ein mögliches Coaching führe, eint eine ganz besondere Sorge: „Wenn ich mir jetzt einen Anwalt nehme, dann flippt der (Soon-to-be-)Ex ja vollkommen aus! Dann eskaliere ich doch den Streit zwischen uns!“

Allein in diesem Gedanken liegt die ganze schlimme Wahrheit.

Wenn du die Befürchtung hast, dass der Ex über die Maßen ausflippt und wütend wird, dann ist er das in der Vergangenheit auch schon gewesen.

Wenn du Angst vor ihm hast, hat er in der Vergangenheit bestimmt nicht nur einmal etwas gemacht, weshalb deine Angst nicht unbegründet ist.

Vielleicht hat er dich auch schon bedroht und versucht zu erpressen: „Wenn du dem oder dem nicht zustimmst, dann bist du schuld, wenn wir vor Gericht gehen müssen! Und dann kommen die Kinder zu mir, denn die Väter haben heute viel mehr Rechte als früher!“

Wahrscheinlich hast du auch Angst, was die Nachbarn oder Freunde von dir denken könnten, wenn du nun einen Anwalt beauftragst, deine Interessen zu vertreten. Und ob du deinem Soon-to-be-Ex nicht viel Futter für gehässige Meinungsmache über dich an die Hand gibst.

Und weil er dich schon so lange psychisch bearbeitet hat, bist du dir wirklich nicht mehr so sicher, ob nicht doch du diejenige bist, die die Familie zerstört und den Kindern womöglich die Kindheit versaut.

Tja, wo fange ich da am besten an?

 

Am besten mit einer Geschichte

Stell dir vor, du wärst mit Nils verheiratet. Nils ist ein netter Mann, Ihr kennt Euch schon seit Ewigkeiten, quasi aus dem Sandkasten. Irgendwann hat es sich ergeben, dass Ihr als Teenager geknutscht habt, dann habt Ihr nach dem Studium geheiratet und gleich die zwei Kinder kurz hintereinander bekommen.

Da Nils ein moderner Mann ist, hat er dich von Anfang an unterstützt. Ihr hattet einen genauen Plan, er hat auch ein Jahr Elternzeit genommen, damit du nicht zu lange von deinem guten Job fernbleiben musst. Und als er wieder anfing zu arbeiten, hat er vorher mit dem Chef gesprochen, dass er nun Familie hat und die an erster Stelle steht. Er will für die kleinen Kinder präsent sein, nicht so wie sein eigener Vater. Und somit sagt er ganz klar: Überstunden sind nicht mehr drin, ich bitte das zu berücksichtigen. Aber das kriegen wir auch hin – und falls nicht, dann suche ich mir einen anderen Job.

Klare Ansage, klarer Nils. Toller Partner und präsenter, liebevoller Papa für die Kids.

Er ist zudem ein rücksichtsvoller und achtsamer Mann, der verantwortungs- und liebevoll mit den Seinen umgeht. Ihr führt eine Bilderbuch-Ehe.

Doch ach. Kleinkindzeit mit zwei Kiddies ist unglaublich anstrengend, und irgendwann stellt Ihr mal fest, dass Euch die Puste ausgeht Ihr nicht mehr miteinander schlafen wollt. Aber es ist auch irgendwie ok, denn schließlich plätschert der Alltag funktionierend dahin.

Und bäm – da lernt Nils auf der Arbeit eine andere Frau kennen und entdeckt wieder seine Leidenschaften.

Er macht nicht lang rum und spricht dich bald darauf an, sobald er klar erkennt, was er will: mit dieser anderen Frau zusammensein und nicht mehr mit seiner Quasi-Schwester (du).

Es gibt Tränen, es gibt Trauer, du fällst in ein tiefes Loch.

Aber du spürst auch, dass er Recht hat und dass er dich immer noch mag und es unglaublich bedauert, dass er diese Situation heraufbeschworen hat.

 

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Was glaubst du, wie diese Geschichte weitergehen würde, wenn du tatsächlich so einen Nils hättest?

Glaubst du, du würdest losrennen und den schärfsten Anwalt engagieren und Nils drohen, dass er seine Kinder nie mehr wiedersieht?

Glaubst du, du könntest dich nicht mit einem Nils zusammensetzen und gemeinsam eine Betreuungs- und Umgangslösung finden, die die bestmögliche für die Kinder ist, damit sie diesen Knacks in ihrem Lebenslauf gut überstehen können?

Glaubst du, dass so ein Nils jemals etwas dagegen hätte, dass die Kiddies parallel zur Trennung von einer Kindertherapeutin begleitet werden?

Oder kannst du dir vorstellen, dass dieser Nils dich über den Tisch ziehen würde und die Mutter seiner Kinder finanziell und emotional ruinieren wollte?

Du magst dich wundern, aber es gibt sie, diese Nils.

Und – hast du so einen daheim?

 

Wohl kaum. Wenn du mir schon eine Weile folgst, dann ist dein Stefan oder Thomas oder Markus oder XY eher ein toxisch-narzisstisch gestörter Psychopath.

Und Spatzl, das heißt für dich, dass du dich ab sofort und so früh wie möglich schützen musst und ein Unterstützer-Netzwerk brauchst, welches dich auf deiner Reise nach der Beziehung begleitet.

Und den Allerersten, den du in dein Unterstützer-Netzwerk holst, ist bitte schön ein sehr guter, souveräner, bissiger Rechtsbeistand, der oder die sich mit toxisch-narzisstischen Gegnern auskennt und auch mal einem Richter rhetorisch Paroli bieten kann.

In diesem Blogartikel habe ich schon beschrieben, wie du einen solchen findest.

Warte damit nicht zu lange.

Hör auf dein Bauchgefühl.

Du brauchst jetzt kein Abziehbild von deiner eigenen Harmoniesucht, sondern jemanden, der genau die Fähigkeiten mitbringt, die dir derzeit noch abgehen.

Gerade wenn du aus falsch verstandener „Ich will jetzt den Streit nicht unnötig eskalieren“-Zögerlichkeit zu lange wartest oder einen unerfahrenen, lustlosen, „am-besten-wir-finden-einen-schnellen-Vergleich“-Anwalt engagierst, zerdepperst du mehr Porzellan und stellst Weichen, die sich später nur ganz schwer wieder aufheben lassen.

 

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Nicht du eskalierst den Streit zwischen Euch, sondern dein toxischer Ex!

Mach dir das unbedingt klar.

Mal davon abgesehen, dass du auch einen Anwalt bräuchtest, wenn du einen Nils hättest, sofern Ihr verheiratet wart, da man für eine Scheidung nun mal mindestens einen gemeinsamen Anwalt benötigt.

Mit einem lieben Nils könnte man sich durchaus einen gemeinsamen Anwalt vorstellen (ich selbst habe das damals auch so gehandhabt, als ich mich von meinem ersten Mann habe scheiden lassen), aber lass dich bloß nicht auf einen gemeinsamen Anwalt ein, sobald du nur den Hauch einer Ahnung hast, dass dein Thomas oder Stefan hässlich werden könnte.

Lass dich auch nicht weichkochen, wenn er dir vorweint, dass er kein Geld mehr hat, weil das oder jenes schiefgelaufen ist.

Du kümmerst dich sachlich um deine Angelegenheiten – und er muss sich um seine kümmern.

Du für deinen Teil willst deinen Ex ja nicht über den Tisch ziehen oder finanziell ausbluten (ich kenn dich, Sweetheart!), du willst nur deine Ruhe und deinen Frieden. Das ist das, worauf du dich konzentrierst. Punkt.

Klar wird dein Ex etwas anderes behaupten und herumerzählen.

Das wird er aber so oder so tun, egal ob du dich jetzt in der ersten Zeit auf alle seine Vorschläge einlässt, „um die Trennung nicht zu eskalieren“, oder ob du dir ganz ruhig einen Anwalt nimmst.

Du kannst, wenn du zu allem, was er wollte, Ja und Amen gesagt hast, und der Ex dann doch schamlos eine Lügengeschichte nach der anderen über dich herumerzählt, um sich als Opfer zu gerieren und seine Flying Monkeys in Stellung zu bringen, nun mal nicht draußen auf die Straße stellen, die Hände in die Höhe heben und laut erzählen, was du alles gemacht hast, um die Bestie gnädig zu stimmen und die Kinder zu schützen.

In der Hoffnung, dass jeder ehemalige Nachbar das auch hört.

Funktioniert nicht.

 

Du weißt, dass du der empathischere, weichere Teil dieses – später mal so bezeichnete – hochkonflikthaften Elternpaars bist.

Und hochkonflikthaft wird die Zeit nach der Trennung sehr wahrscheinlich werden, je nachdem, welch toxische Energie dein Ex so innehat.

Der Streit eskaliert also so oder so, da kannst du heute noch so lieb sein.

Ogottogottogott.

Ach, weißt du was?

Es ist nicht wichtig, wie andere Leute Eure nacheheliche Elternschaft später einmal bezeichnen werden.

Wichtig ist, dass du einen Schritt nach dem anderen nach vorne gehst und die Angriffe des Ex so gut wie möglich parieren beziehungsweise abwehren kannst, um dich und die Kinder zu schützen.

Klar wirst du Kompromissen anbieten und machen – wenn sie den Kindern auch guttun.

Klar wirst du auch loslassen lernen müssen.

Selbstverständlich bist du umgänglich und willst den Streit nicht eskalieren!

Lass dir bitte auch nicht erzählen, dass zum Streiten immer zwei gehören.

Mit einem toxisch-narzisstischen Ex-Partner hast du jemanden neben dir, der wunderbar ganz alleine vor sich hinstreiten kann. Da kannst du noch so harmoniesüchtig sein – wenn du nicht vor die Hunde gehen willst, dann brauchst du eine starke Hand vor Gericht, die dich stützt.

Unterm Strich: Such dir bitte einen Anwalt, ja? Versprichst du mir das?

In meiner Starken Mütter Gruppe auf Facebook werden übrigens immer mal wieder Tipps und Empfehlungen für gute Anwälte von betroffenen Müttern diskutiert und ausgetauscht.

 

Wenn du möchtest, kannst du auch sehr gern hier unter diesem Blogartikel deine Empfehlung hinterlassen. Vielen lieben Dank!

 

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