Wie du einen richtig guten Anwalt findest

von Jan 25, 20191. Trennungsjahr, Gericht und Jugendamt6 Kommentare

Lass mich gleich mit einer unangenehmen Wahrheit beginnen: Die Wahrscheinlichkeit, dass du mit einem toxischen Ex-Partner und Kindsvater vor dem Familiengericht landest ist verdammt hoch.

Selbst, wenn du dich am Anfang Eurer Trennung ganz besonders bemühst, alle Fünfe gerade sein zu lassen, um seinen unheiligen Zorn nicht heraufzubeschwören.

Auch, wenn du bereits vor diesem Mann eine Scheidung mit seinem Vorgänger in gutem Einvernehmen hinter dich gebracht hast und denkst, du kennst das, du wirst schon keine unvernünftigen Forderungen stellen, es lässt sich doch bestimmt alles regeln.

Mit einem toxischen Ex-Partner, der in seiner narzisstischen Ehre gekränkt ist und vor allem sehr geldaffin veranlagt ist – sprich, er ist fest entschlossen, so wenig wie möglich an Unterhalt zu bezahlen, um dir kein Leben in Saus und Braus zu gönnen – kommt eine große negative Energie ins Spiel, die letztlich dazu führen kann, dass Ihr irgendwann mal auf Eurer Trennungsreise als „hochkonflikthaftes Elternpaar“ beschrieben werdet.

Da kannst du dich noch so sehr um gutes Einvernehmen bemühen. Mit einem Narzissten geht das nicht.

Verabschiede dich daher besser gleich von dem Gedanken, dass du doch ein harmoniebedürftiger Engel bist, das wird schon jeder da draußen sehen, der Augen und Ohren hat.

In der darauffolgenden Dynamik ist es nämlich auch für versierte Außenstehende irgendwann einmal nicht mehr möglich, den Durchblick zu behalten, wer die schützenswertere Partei ist in dem Spiel.

Ich habe schon einmal die bekanntesten Sprüche in einer Grafik zusammengesammelt, die Mütter vor Gericht und im Jugendamt zu hören bekommen.

Auch wenn sich das ernüchternd anhört, entspann dich trotzdem.

Jetzt gilt es vor allem, smart zu sein.

Selbst wenn er noch nicht mit dem Gericht gedroht hat, bereite dich vor. Nutze die Zeit, um einen richtig guten Anwalt zu finden. Selbstverständlich sofort, wenn er auch nur die leiseste Andeutung macht.

Wenn du große Angst vor dem Familiengericht hast, erst recht. Du kannst deine Angst nun mal am besten besiegen, wenn du dem Drachen ins Maul schaust. Und nicht, indem du hoffst, dass dein Ex milde sein wird, wenn du nur alles tust, was er sagt.

Du weißt doch sowieso, dass er danach nur größere Forderungen stellen wird, wenn er dich mit kleineren schon erpressen konnte. Er wird nicht aufhören.

Bereite dich also vor.

Nutze die Zeit der Ruhe vor dem Sturm, um zu recherchieren und den besten Anwalt für dich zu finden. Und dafür brauchst du wirklich Zeit!

Am allerbesten sparst du dein Geld nicht für eine neue Wohnzimmerwand, sondern für mögliche Anwaltskosten. Vielleicht bekommst du ja Prozesskostenhilfe, aber verlassen würde ich mich nicht darauf.

Es steht viel auf dem Spiel, meine Liebe.

Sind gute Anwälte teuer? Ja.

Ist das trotzdem ein Garant, dass ein sehr teurer Anwalt dich bestmöglich vor Gericht vertreten wird? Nein.

Das Kriterium wäre auch einfach zu banal. Sehr gut verdienende Anwälte können durchaus auch schnell die Lust verlieren, wenn ein Verfahren ungünstig verläuft, und den unvorbereiteten Stellvertreter schicken.

Also: Absoluter Fokus auf die richtige Auswahl – am besten gleich von Anfang an.

In meiner Facebook-Gruppe der Starken Mütter hatten wir es neulich erst mit dem Thema.

Du siehst hier unten die besten Tipps für dich, wie du einen richtig guten Anwalt findest.

Die Basics

  • Du brauchst auf jeden Fall schon mal einen Fachanwalt/eine Fachanwältin für Familienrecht. Nicht nur jemanden, der den Bereich zusätzlich zu anderen abdeckt.
  • Mann oder Frau? Es gibt einige Mütter, die auf männliche Rechtsbeistände schwören. Aber es gibt definitiv auch Anwältinnen, die Biss haben!
  • Per Empfehlung: Aber nur, wenn die Mutter, die dir diese Empfehlung gibt, auch einen toxischen Ex-Partner hatte und sich bei diesem Rechtsbeistand gut aufgehoben fühlte. Also nicht der Empfehlung folgen von einem Strafrechtanwalt, in dessen Sozietät noch einer für Familienrecht sitzt.
  • Per Google und Umkreissuche: Lediglich, weil der Anwalt ums Eck wohnt oder Familienrecht auf dem Türschild stehen hat, heißt das noch lange nichts. Klar machst du einen Termin aus zum Vorabgespräch, aber wenn du kein gutes Gefühl hast, suchst du weiter. Auch außerhalb des Landkreises, wenn es sein muss!
  • Per Google und Spezialgebiet Familienrecht: Je spezialisierter, umso besser. Besetzt der Anwalt gleich viele unterschiedliche Rechtsgebiete, würde ich weitersuchen.
  • Spezialgebiet Familienrecht und hochkonflikthafte Trennungen: Bingo!
  • Anwaltssuchportale mit Bewertungen dürften ebenfalls ganz hilfreich für eine erste Sondierung sein.

 

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Was spricht dagegen, wenn du dir eine Liste von sagen wir mal 20 Anwälten zusammenstellst, die du in den nächsten Wochen einer nach dem anderen anrufst und um ein persönliches oder mindestens telefonisches, kurzes Kennenlerngespräch bittest? Du könntest von Anfang an sagen, dass du keine genaue Rechtseinschätzung deiner aktuellen Situation wünschst, sondern auf der Suche nach einem passenden Co-Sparrings- und Teampartner vor Gericht bist.

Lass dich von den ersten, möglicherweise sehr ernüchternden Gesprächen nicht entmutigen und betrachte sie als Übungsmöglichkeit, immer souveräner deine Bedürfnisse und Wünsche artikulieren zu können.

Außerdem wirst du eine Menge aus diesen Gesprächen lernen und dein Bauchgefühl immer besser wahrnehmen.

Die Fragen, die du im Kennenlerngespräch stellen solltest

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit hochkonflikthaften Elternpaaren vor Gericht?
  • Welche Erfolge konnten Sie für Ihre Klientinnen erreichen?
  • Worauf führen Sie das zurück?
  • Was ist Ihnen in Ihrer Arbeit wichtig? (Um den Grad seines/ihres aktuellen Idealismus-Levels abklopfen zu können)
  • Wofür schätzen Ihre Klientinnen Sie am meisten?
  • Arbeiten Sie auch mit Vätern zusammen, die alles in ihrer Macht Stehende unternehmen, um die ehemaligen Partnerinnen vor Gericht zu diskreditieren?
  • Wie schützen Sie Ihre Klientinnen vor unangemessenen Angriffen bei Gericht?
  • Mir ist es wichtig, vor jeder Verhandlung ein gemeinsames Treffen zur Taktikbesprechung sowie danach ein kurzes Gespräch für einen runden Abschluss und Vereinbarung der nächsten Schritte zu haben. Ist das für Sie machbar?
  • Kann ich Sie zur Not auch am Wochenende erreichen?
  • Wie regeln Sie Ihre Vertretung im Urlaub oder bei Krankheit?
  • Sollten wir zusammenarbeiten und ich Sie engagieren, wäre es für Sie in Ordnung, mir schriftlich zuzusichern, dass sie während meines laufenden Verfahrens keinen Stellvertreter oder Ersatz zur Seite stellen werden? (Ganz wichtig in großen Kanzleien – nicht, dass du mit einem das Kennenlerngespräch führst und musst dann aber später mit einem ganz anderen Rechtsanwalt zusammenarbeiten. Kommt nicht selten vor.)

Du musst jetzt nicht wie mit einer Checkliste in das Gespräch gehen und eine Frage nach der anderen oben abhaken! Such dir die 3-5 aus, die zu dir passen – das reicht dann schon für einen ersten Eindruck.

Fang allerdings nicht an, über deine Erlebnisse mit dem Ex zu berichten, es sei denn, der Anwalt fragt dich danach.

Das Ziel deiner Gespräche soll sein, dass du am Ende entscheiden kannst, ob du mit ihm zusammenarbeiten möchtest – und nicht, ob er deinen Fall annimmt!

Dein Bauchgefühl wahrnehmen

Bitte nicht vergessen: Du suchst hier keine Freundin oder Freund! Es wäre zwar ein schöner Nebeneffekt, aber es hilft dir am Ende nix, solltest du das Sorgerecht oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht verlieren, weil dein Rechtsbeistand keine Eier in der Hose hat und genauso lieb ist wie du!

Du brauchst also jemanden mit wesentlich mehr Biss und Unerschrockenheit. Der unter Umständen kein Problem damit hat, den Richter mit allem gebotenen Respekt auch mal zu korrigieren.

Manche Mütter haben auch berichtet, dass es dann gut für sie lief, wenn ihr Rechtsanwalt selbst ein narzisstisches Thema hatte.

Ja, da musste ich auch schlucken und habe verwundert geguckt!

Beim zweiten Nachdenken ist es allerdings durchaus logisch: Der kennt ja selbst alle narzisstischen Muster und kann darauf wunderbar parieren. Narzisstisches Spiegel-Pingpong quasi.

Mach dir vor allem auch klar, was du willst. Artikuliere das deutlich. Sag, was du dir von deinem Rechtsbeistand wünschst. Nimm das auf, was du als Antwort von deinem Gegenüber bekommst und spüre nach, ob es stimmig ist oder nicht.

Dann zieh weiter.

So ein Gerichtsverfahren ist weiß Gott kein Spaziergang im Rosengarten. Du brauchst einen Anwalt, der nicht noch zusätzlich reintritt und dich schlecht fühlen lässt.

Hast Du demnächst einen wichtigen Termin vor Gericht?

Ich helfe dir bei der mentalen Vorbereitung.

Fazit

Ich denke, du weißt jetzt, wie wichtig es ist, einen guten Rechtsbeistand zu haben, wenn du mit dem toxischen Ex in den gerichtlichen Clinch gehen musst. Denke bloß nie, dass Du jetzt mal mit einem anfängst und dann später immer noch wechseln kannst.

Wer häufig den Anwalt wechselt oder wechseln muss, hat immer das Nachsehen, denn es kommt gar nicht gut vor Gericht an. Mit Prozesskostenhilfe bist du außerdem zusätzlich gebunden.

In den seltensten Fällen hast du dann noch Zeit für eine intensive, gute und nachhaltige Suche wie oben beschrieben.

Mir ist dabei eins ganz besonders wichtig: Mach dich bitte nicht klein und hilflos, wenn du auf die Suche gehst, und bleib nicht gleich beim Erstbesten hängen, der dich zuredet oder gönnerhaft von oben herab behandelt.

Klar kann man mit Prozesskostenhilfe nicht auf dicke Hose machen, aber du bist unterm Strich Auftraggeberin und der Anwalt oder die Anwältin Auftragnehmer. Schließlich sind  diese Menschen irgendwann einmal aus bestimmten – hoffentlich idealistischen – Gründen Anwälte geworden.

Du vertraust jetzt mal darauf, dass du genau so einen Menschen finden wirst, der 1A in dein Unterstützer-Team passt.

Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Erfolg beim Finden!

 

Wie siehst du das? Hast du gute Erfahrungen mit deinem Anwalt gemacht? Was fandst du dagegen eher schwierig, was andere Mütter wissen sollten? Schreibe unten einen Kommentar, dann hilfst du damit den anderen. Merci!

 

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