Wenn dein Kind in der Vorpubertät Stress mit dem toxischen Ex hat

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Kennst du die Situation? Dein 11jähriger Sohn – mitten in der Vorpubertät – war noch vor kurzem der glühendste und loyalste Verehrer vom Kindsvater, und jetzt kommt er immer öfter nach Hause und ist mega gefrustet und enttäuscht.

Was ist da los?

Du fragst natürlich nach und erfährst, was der Kindsvater gesagt oder gemacht hat.

Entweder, es ist ihm nicht sportlich genug – also wird an seinen Umgangstagen gesportelt und geradelt bis zum Gehtnichtmehr.

Oder dein Sohn interessiert sich nicht mehr für Autos – und doch verbringt der Vater jede freie Minute in der Garage und bastelt am eigenen Gefährt und gibt seiner Enttäuschung darüber, dass der Sohn diese Passion nicht teilt, freien Lauf. Na, wenigstens interessiert sich der Nachbarsjunge mehr dafür, da kann er wirklich aufblühen und dem anderen Kind alles zeigen.

Der eigene Sohn steht dagegen daneben und lernt, dass der andere Junge „besser“ oder dem Vater „lieber“ ist.

Der Junge liest dagegen total gern, am liebsten Comics. Oder er spielt gern mit seinen Freunden online und virtuell am Smartphone – ein Spaß, den der Vater überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Der Sohn liebt es jedenfalls, sich für ein paar Stunden zurückzuziehen und in eine andere Welt einzutauchen.

 

Wie geht ein toxisch-narzisstischer Kindsvater mit der Vorpubertät seines Kindes um?

Das Kind entwickelt in diesem Alter eigene Interessen und wird mehr und mehr zu einer eigenständigen Persönlichkeit.

Ein Vater, sofern er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat, hat damit ein großes Problem. Während das Grundschulkind ihn noch angehimmelt und auf ein Podest gestellt hat, muss er sich nun damit auseinandersetzen, dass das Kind anderen Beschäftigungen und Vorlieben den Vorzug gibt.

Dabei ist doch immer nur das, was er selbst macht, das einzig Wahre, Gute und für allezeit Richtige?

 

Hast du gerade ein Déjà-vu?

Erinnerst du dich auch gerade an die Love-Bombing-Phase aus euren ersten Beziehungsmonaten?

War es da nicht ähnlich: Du hast ihn angehimmelt – und umgekehrt – aber kaum hast du eigene Vorstellungen von Euren Freizeitbeschäftigungen entwickelt oder hast auf einem anderen Gebiet als er brilliert, war es Essig mit der guten Laune.

Und er fing an, dich abzuwerten, zu kritisieren, lächerlich zu machen bis hin zum aggressiven Verbieten und Kontrollieren.

 

Und nun macht er das gleiche mit dem Kind in der Vorpubertät

Er kritisiert das Kind, wie er es früher immer bei dir gemacht hat. Oder er lässt es spüren, dass es seinen Ansprüchen nicht (mehr) genügt. Oder er will ihm einfach „sein“ Ding aufdrücken.

Das Kind ist aber keine 8 Jahre mehr. Es macht in den zwei, drei Jahren vor der Pubertät einen ziemlich elementaren Entwicklungsschritt durch. Es versteht mehr und mehr (wenn auch nicht alles) und spürt auf der anderen Seite, dass da etwas nicht stimmt.

Es weiß, dass es „ein Recht“ darauf hat, es selbst zu sein. Zumindest bekommt es das zu hören – in der Schule, im Fernsehen und hoffentlich auch von dir, Sweetheart!

Bei einem toxisch-narzisstischen Vater ist das allerdings anders. Da spürt das Kind, dass es nicht so sein darf, wie es ist oder gerne sein möchte.

Das wird so direkt natürlich nicht gesagt. Aber mit Gesten und entsprechenden Augen-Blicken deutlich zum Ausdruck gebracht.

Dazu kommt on top die fehlende Empathiefähigkeit, das heißt der narzisstische Vater kann sich überhaupt nicht in die Gefühlslage und den aktuellen Entwicklungsstand des Kindes hineinversetzen und nachempfinden, was da gerade abgeht.

 

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Wie gehst du mit der Situation am besten um?

Wenn du dich nun dabei ertappst, dass dich ein Gefühl der Genugtuung und Erleichterung überkommt, dann lass mich dir sagen, dass das durchaus normal und verständlich ist.

Du denkst: Jetzt lernt das Kind, welcher Typ sein Vater wirklich ist!

Gerade wenn du in den Jahren davor stark an dich halten musstest, als dein Kind den Vater noch für den absoluten Superhelden hielt, bin ich die letzte, die dich dafür kritisieren würde!

Bitte mach dir trotzdem klar, dass es hier einzig um die Beziehung zwischen deinem Kind und seinem Vater geht.

Und dass dein Kind sehr wahrscheinlich darunter leidet und gerade eine Menge falscher Glaubenssätze über sich verinnerlicht!

 

Daher mein Credo: Fokus aufs Kind!

Nein, es ist noch nicht so weit zu erfahren, was der Vater alles mit dir gemacht hat und wie er dich immer bekrittelt hat!

Es ist auch nicht so weit, die Beziehung zum Vater komplett abzubrechen, um jetzt nur noch bei dir in einer Friede, Freude, Eierkuchen-Umgebung aufzuwachsen und fröhlich vor sich hin zu pubertieren.

Du kannst deinem Kind diesen Entwicklungsschritt leider nicht abnehmen.

Da muss es durch.

Du hast ja deine Empathie – also gib du deinem Kind, was es jetzt am meisten braucht und haben will, aber beim Vater nicht bekommt: also Rückzugsmöglichkeiten, Ruhe und Akzeptanz seiner Interessen, und ohne dabei den Vater vor seinen Ohren und Augen zu kritisieren.

Was du dagegen tun kannst: Wann immer du mitbekommst, dass es gefrustet einen neuen Glaubenssatz von sich gibt, dann greife das gleich auf und zerlege ihn in seine Bestandteile.

Frage nach: „Wie kommst du darauf?“ oder auch „Kennst du andere Kinder, die das auch denken, aber bei denen das nicht stimmt?“

Halte dem Kind in dieser Zeit unbedingt vor Augen, was es gut meistert und worin es besonders befähigt ist. Vielleicht beginnst du sogar mit einem Erfolgstagebuch, wenn es aktuell das Gefühl hat, es kann gar nix und ist nur noch doof.

 

Solltest du jetzt die Umgänge einschränken, wenn dein toxischer Ex den Vater-Bully gibt?

In einer hochkonflikthaften Elternbeziehung ist es deine Aufgabe, sicherzustellen, dass die Kind-Vater-Beziehung gelebt werden kann. Auch, wenn diese gerade eine Delle nach unten erfährt.

Du ermöglichst die Umgänge und hältst den vereinbarten Rhythmus von deiner Seite aus ein.

Je öfter Ihr vor Gericht gewesen seid, umso wichtiger ist dieser Punkt.

Denn sofern dein Ex Eurem Kind gegenüber nicht handgreiflich geworden ist, würdest du damit nur größeres Unheil heraufbeschwören – nämlich eine neue, negative Energiespirale in Gang setzen.

Auf der anderen Seite: Sofern Ihr ein prozessfreies Leben führt und dein Kind am kommenden Wochenende partout nicht zum Ex will, weil es wirklich noch stinksauer ist, dann würde ich den Umgang tatsächlich pausieren.

Einen heranwachsenden Teenager würde ich persönlich nie zum Umgang zwingen.

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Wie kannst du die Vater-Kind-Beziehung von deiner Seite aus in der Vorpubertät unterstützen?

Das ist eine Fangfrage.

Da wir mit einem toxischen Ex-Partner kein echtes Co-Parenting leben können – und wir in der Vergangenheit schon oft erfahren mussten, dass das nicht klappt, und das Parallel-Parenting der einzige gangbare Kompromiss darstellt – so brauchen wir uns im Umkehrschluss auch nicht die Mühe zu machen, die Beziehung der beiden zu kitten.

Das ist bitteschön die Aufgabe des Kindsvaters, wenn er es schon selbst gerade demontiert.

Selbstverständlich verbietet es sich von selbst, dass du jetzt in die gleiche Kerbe haust und die Gelegenheit nutzt, um dem Kind seinen Vater nun richtig madig zu machen.

Du hältst dich in der Beziehungsarbeit der beiden einfach nur raus.

 

Jetzt solltest du unbedingt klar und reflektiert bleiben

Du nimmst dein Kind auf mit seinem Denken und Verhalten, was es bei dir zum Ausdruck bringt, und agierst entsprechend.

Aber beim und mit dem Kind, und nicht gegen den Vater!

Ja, ich weiß, dass das nicht einfach ist.

Wie verführerisch ist es doch, nun endlich einen internen Mitwisser in der Familie zu haben, der den emotionalen narzisstischen Missbrauch am eigenen Leib erfahren hat und mit dem man sich jetzt austauschen kann…!

Doch Vorsicht! Dein Kind ist nicht dein Freund. Es ist immer noch kein Erwachsener, auch wenn es bestimmt viel reifer geworden ist als noch vor einem Jahr und man schon wesentlich bessere Gespräche führen kann.

Lass dich davon bitte nicht aufs Glatteis führen – dein Kind ist definitiv für solcherlei Gespräche noch nicht so weit – gib ihm mindestens noch 10 Jahre. Echt.

Jetzt musst du unbedingt sehr reflektiert sein, denn du hilfst deinem Kind meiner Meinung nach überhaupt nicht, wenn du zu diesem Zeitpunkt zu viel Informationen über es schüttest. 

Du findest andere Mütter in den unzähligen Müttergruppen auf Facebook und anderswo, mit denen du dich darüber austauschen kannst. Vielleicht bist du sogar Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter, dann kannst Du Dich in der Untergruppe „Kindererziehung“ zum Thema Vorpubertät mit den anderen Club-Mitgliedern unterhalten und Tipps einholen. Oder die Déjà-vu-Aspekte, die du gerade hast, in der Alltagsgruppe erörtern und loswerden.

 

Die richtig „interessante“ Zeit mit deinem pubertierenden Kind kommt noch

Wappne dich für eine aufregende Loslösezeit deines Kindes. Heute ist das Kind noch vom Vater gefrustet, bald könnte es auch wieder umkippen und sich heftigst gegen dich wenden.

Da sind Siegesgefühle einfach nicht von langer Dauer.

 

Zusammengefasst

Du hast deine eigene Beziehung zum Kind, an der du arbeiten kannst und die sich über die kommenden Jahre noch verändern wird.

Fokussiere dich auf das gegenseitige Vertrauen, auf die liebe- und verständnisvolle Begleitung deines Teenagers und lass die Beziehung des Kindsvaters zum Kind den Ex selbst managen.

Du hast es eh nicht in der Hand, was dein Ex dem Teenager noch alles sagen und bedeuten wird.

Egal, wie gut – oder emotional – du heute auf ihn einreden magst.

 

Wie ist es aktuell bei dir, Sweetheart? Wo steht dein Kind aktuell in seiner Beziehung zu deinem Ex? Hinterlasse doch bitte einen Kommentar weiter unten, dann hilfst du auch den anderen Müttern.

Vielen lieben Dank!

 

 

 

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