2. Mai 2017

Teil II: Ich will nicht, dass mein Kind am Wochenende zum Ex geht!

Umgangswochenende - und die Mutter?

Letzte Woche haben wir darüber gesprochen, was du am Umgangswochenende tun kannst, wenn du noch mitten in deiner Trauerarbeit steckst und dich allein fühlst, während der andere Teil der ehemaligen Familie zusammen ist und etwas Schönes unternimmt.

Heute möchte ich mit dir darüber reden, wie du mit deinen Sorgen und Ängsten zurechtkommen kannst, wenn dein Ex verantwortungslos ist.

Das ist dann schon eine ganz andere Nummer.

Du weißt, Umgang muss sein – du willst es, dein Kind will es, und dein Ex auf jeden Fall.

Es könnte so schön sein, wenn er sich auch nur einen Funken in das Kind hineinversetzen könnte! Wenn er nur nachdächte „was wäre, wenn…?“

Nachfolgend habe ich mal ein paar Beispiele gesammelt, die mir auch von anderen Müttern zu Ohren gekommen sind. Kennst du so was schon?

  • Warum überhaupt einen Kindersitz im Auto haben, wenn man schnell vom Kumpel abgeholt wird? Ah geh, das kann dann schon mal auf dem Schoß gehalten werden während der Fahrt durch die Stadt!
  • Warum einen speziellen Kindersitz fürs Fahrrad? Das Kind kann auf dem Gepäckträger sitzen und sich festhalten, das haben wir früher auch so gemacht. Und ist uns damals was passiert? Boah – die Deutschen wieder und ihre Regelwut!
  • Oder er transportiert das Kind gleich im normalen Fahrrad-Lastenanhänger. Ohne Gurt, Helm und sonstigem Schnickschnack. Für die 5 km! Stell dich nicht so an, Gluckenmama!
  • Oder er redet so lange auf das Kind ein, bis es gottergeben in das Karussel steigt, vor das es eigentlich Angst hat – und danach endlich weiß, dass diese Angst voll berechtigt gewesen ist.
  • Oder wenn er aggressiv Auto fährt und bei 200 noch eine Whatsapp liest, während das Kind im Fond sitzt.
  • Oder du weißt, dass das Kind eine Unternehmung nicht mitmachen möchte, aber es nicht gehört wird. Du hast dein Kind dazu erzogen, ehrlich zu sagen, was es möchte oder nicht – aber du weißt auch, dass es heftigst angegangen wird (so wie du selbst damals), falls es nicht so will wie der Ex und die Erwachsenen um ihn herum.

Fällt dir noch was ein?

Welche Möglichkeiten hast du, dein Kind zu schützen?

Willst du meine ehrliche Meinung? Keine.

Es ist der ganz spezielle Rucksack, den dein Kind zu tragen lernen wird: Mit der Unverantwortlichkeit des eigenen Vaters umzugehen. Kleiner Trost am Rande: nicht jeder Sturz, bei dem der Vater nicht aufgepasst hat, führt gleich zum Schlimmsten.

(Wobei mir persönlich die Schrammen am Knie oder Ellbogen am Kind nie so weh taten wie die Vorstellung der psychischen Schäden, die entstehen können, wenn das Kind in seiner Persönlichkeit nicht wahrgenommen und respektiert wird und diese dann ins Unterbewusste verbannt, wo sie Jahrzehnte später mühselig an die Oberfläche geholt werden müssen.)

Und ja, natürlich denken wir als Mütter, dass es doch so einfache Maßnahmen gibt, die die schlimmsten Auswirkungen eines Unfalls verhindern – aber verantwortungslose Menschen denken nun mal anders.

Zumindest mal nicht empathisch, fürsorglich und vorausschauend.

Welche Alternativen hätten wir denn?

Vor Gericht ziehen? Weil der Vater nicht darauf besteht, dass das Kind einen Helm trägt? Ah geh.

Umgang aussetzen, bis der Vater lernt, auf das Kind gut aufzupassen? Das ist leider nichts, was ein unwilliger Mensch lernen kann. Und Umgang muss doch sein, erinnerst du dich? Nachher zieht er dich wieder vor Gericht, und du darfst dich dann rechtfertigen.

So, nachdem wir uns jetzt alle hilflos anschauen, mache ich dir einen Vorschlag:

Schau auf dein Kind.

Es ist unglaublich, wie robust unsere Kinder sind! Sie lernen schneller, die Balance zu finden, als wir Erwachsenen. Sie sind Weltenwandler und passen sich schneller an als ein Chamäleon.

Wenn du das Gefühl hast, der verantwortungslose Vater sorgt sich nicht um das Wohlergehen der Kinder, dann kannst du dich als Gegenpol betrachten. Ohne es zu übertreiben und zu gluckig zu werden machst du dein Ding und achtest als empathische Mutter auf deine Sprösslinge, hörst zu und beruhigst.

Du kannst dein Kind für die Zukunft stärken, indem es den Mund aufmachen und Nein! sagen darf.

Während die Welt des unbekümmerten, verantwortungslosen Vaters das Abenteuer darstellt mit einem gewissen Risiko, was es aber gerade für die Kinder auch oder gerade deswegen so prickelnd macht.

Schau also auf dein Kind.

Ist es zufrieden, fröhlich und wohlgemut? Freut es sich ehrlich aufs Umgangswochenende?

So soll es doch letztendlich sein, oder?

Falls es das allerdings nicht tut, immer mehr Angst entwickelt und sich weigert, zum Papa zu gehen, dann hast du wieder eine ganz andere Handlungsvollmacht und kannst aktiv versuchen, mit dem Vater zu reden, den Umgang zeitweilig aussetzen, und wenn alles nichts hilft die Behörden einschalten.

Wenn sich aber das Kind fröhlich das Umgangswochenende herbeiwünscht, darfst du dich entspannen.

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Tu eine Sache bloß nicht: Kontrollieren und ausfragen. Wenn dein Kind von allein erzählt, fein. Erzählt es nix, frag nicht nach. Ganz schön schwierig, ich weiß!

Was du nicht weißt, macht dich nicht heiß.

Ich weiß, dass sich das leicht schreibt. Die Sorge mit einem verantwortungslosen Ex-Partner bleibt tief drinnen wohl immer da.

Du kannst dein Kind aber nun mal nicht in Watte packen. Auch unter deiner Obhut kann etwas passieren, womit du nie im Leben rechnen würdest.

Oder wie siehst du das? Ich freue mich auf deinen Kommentar weiter unten.

P.S.: Bitte beachte, dass ich hier eine bestimmte Situation exemplarisch beschreibe. Dein Fall kann ganz einzigartig sein, wofür es keine pauschale Allgemeinantwort geben kann. Wenn du dir unsicher bist, ob du jetzt so oder so handeln sollst und welche Strategie für dich am besten ist, sprich mich bitte direkt an.

Nächste Woche geht es ans Eingemachte. Denn dann sprechen wir über die besondere Situation, wenn der Ex frisch verliebt ist und das Umgangswochenende zusammen mit der Neuen stattfindet.

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