Spioniert dir der Ex etwa hinterher?

Jan 11, 2019 | 10 Kommentare

Das Thema heute ist nicht so ohne, und ich hoffe sehr, ich schaffe es, dich zu sensibilisieren, ohne dass du gleich vollkommen im Quadrat hüpfst und einen Verfolgungswahn bekommst, wenn ich über Kontrollwahn und Spionage schreibe!

Toxische Menschen müssen kontrollieren, das weißt du schon. Wenn es nicht sogar einer der Hauptgründe gewesen ist, weshalb du dich von deinem Ex-Partner getrennt hast!

Sehr oft ist es so, dass er sich selbst jegliche Art der Einmischung und Kontrolle verbittet. Er selbst fragt aber regelmäßig nach, was du an deinem Umgangswochenende denn bitte schön vorhast, was dich daran hindern könnte, ihm die Kinder zu überlassen – denn schließlich habe er eine besonders schöne Unternehmung geplant!

Oder es werden die Kinder ausgehorcht, ob denn die Mami mittlerweile einen neuen Freund hätte? Und was sie alles Neues gekauft hätte in der letzten Zeit – schließlich bekommt sie ja jetzt mehr Unterhalt von ihm?

Kontrolle kann also vielerlei Gesichter haben.

Zum Beispiel möchte er sehr gern weiterhin darüber bestimmen, für was der Kindesunterhalt verwendet wird – für zusätzliche Vereinsbeiträge oder speziellen Musikunterricht, den er dem Kind ins Ohr gesetzt hat, ohne dass du gefragt wurdest, ob das überhaupt im Budget drin ist.

Oder er will genau wissen, ob Ihr in den Urlaub fahrt, denn wenn nicht, kann ja das Kind weiterhin zum Umgangswochenende zu ihm oder zur Oma gehen.

An Elternabenden in der Schule will er wissen, wer gerade auf das Kind aufpasst. Du hättest ja auch schließlich seine Mutter fragen können, bevor du eine fremde Person in die Wohnung lässt!

Ja, darüber kann man noch lächeln und mit der Hand abwinken.

Es kann aber durchaus auch noch eine Stufe toxischer zugehen.

Ich habe einmal eine Geschichte über einen Ex-Mann gehört, der nach wie vor einen eigenen Schlüssel zum Haus der von ihm getrennt lebenden Familie besaß – weil es noch ihm gehörte – und regelmäßig im Haus „nach dem Rechten schaute“ und dabei das Tagebuch der Kindsmutter in deren Abwesenheit durchstöberte und abfotografierte.

Um es später vor Gericht als „Beweismittel“ zu verwenden.

Aber nicht jeder toxische Ex hat einen komfortablen Schlüssel zum Haus und kann es sich und seinem Umfeld schönreden, diesen auch zu benutzen.

Die anderen begnügen sich eher damit, den Schlüssel des Kindes verwenden, um in der Abwesenheit der Mutter – von der sie wissen, dass sie am Wochenende verreist ist – in deren Wohnung zu gelangen. Um schnell was Passendes für das Kind zu holen, geht ja ganz fix.

Das Kind denkt sich nix Böses – es geht ja auch um seine Sachen – aber wir Mütter fallen aus allen Wolken, wenn das Kind es in der Woche darauf so nebenbei erwähnt.

Allein die Vorstellung, der Ex hat in unserer Abwesenheit die Schränke angefasst oder sich umgeschaut ist durchaus vergleichbar mit dem Gefühl, welches Menschen nach einem Einbruch in ihre Wohnung haben.

Noch eine Stufe perfider wird es dagegen, wenn der Ex den Computer der Noch-Frau verwanzt, wenn klar ist, dass sie auszieht (oder auch schon vorher).

Manche Mutter wundert sich noch Monate nach dem Auszug, wie gut der Ex über Sachen informiert ist, die noch nicht einmal das Kind weiß. Irgendwann kommt dann mal der Rechner zur Reparatur und der Techniker stellt schnell fest, dass da eine Spionage-Software installiert ist, die nichts mit herkömmlichen Viren zu tun hat.

Da steckt dann jede Menge kriminelle Energie dahinter, soviel steht fest.

Dagegen kannst du auch etwas machen. Lass dich da von deinem Anwalt beraten und stelle eine Strafanzeige gegen deinen Ex, sobald du Beweise dafür hast.

Erst recht, solltest du Kameras/Webcams in deiner Wohnung finden, die du selbst nicht installiert hast.

So, habe ich dich schon genug aufgeregt? Ich habe da noch etwas für dich.

Denn für das offiziell Illegale braucht’s ja etwas mehr Grips und Mühe. Bequeme, toxische Ex-Partner haben da aber noch ganz andere Möglichkeiten.

Das Smartphone deines Kindes zum Beispiel, welches er großzügigerweise zum 8. Geburtstag des Filius hat springen lassen.

Du hast dich bislang in deinem Ärger darüber lediglich auf einen bestimmten Aspekt konzentriert: Du wolltest nicht, dass Euer Kind schon so früh ein teures Smartphone bekommt.

Von wegen verantwortungsvoller Medienerziehung und so weiter.

Aber wusstest Du, dass es Spionage-Apps-Anbieter gibt, die als Zielkunden Helikopter-Eltern haben, die ihre Kinder rund um die Uhr überwachen wollen?

Solche Apps sind ein Eldorado für unsere kontrollwütigen, narzisstisch gestörten Ex-Partner. Denn wenn sie alles ihrer Kinder kontrollieren können, kontrollieren sie auch dich.

Über die Funktionen solcher Apps werde ich mich hier jetzt aber nicht weiter auslassen, das führt dann doch zu weit. Gottseidank gibt es aber auch Handlungsanweisungen auf den Seiten der Anbieter, wie man die Software findet und wieder löscht – denn die Apps sind auf dem Zielhandy nicht einfach so zu erkennen.

Die Software ist im Übrigen vollkommen legal zu beschaffen. Was nicht legal ist: sie ohne Zustimmung des Gerätebesitzers zu installieren.

 

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Zumindest müsste es, wenn Dein Ex sich als besonders engagierter Helikopter-Papa geriert und sich ach so viele Sorgen um das Wohlergehen des Kindes macht, eine Frage des gemeinsamen Sorgerechts sein, ob eine solche App auf dem Smartphone des Kindes installiert wird.

Mir persönlich dreht sich allein bei der Vorstellung der Magen um, dermaßen in die Persönlichkeitsrechte meines Sohnes reinzugrätschen. Ich würde nie mein Einverständnis dazu geben.

Dein Ex hat dich hoffentlich nicht bereits darauf angesprochen, und du hast ihm dein Einverständnis gegeben, weil du dich damit nicht so gut auskennst und du doch auch dein Kind schützen willst, hmm? Und erst jetzt wird dir klar, dass nicht dein Kind damit geschützt wird, sondern du kontrolliert?

Dann sieh zu, dass du dein Einverständnis schnell zurückziehst und die App wieder entfernt wird.

 

Was kannst du in allen anderen Fällen tun, ohne durchzudrehen?

Komm, ich lass dich jetzt nicht einfach im Regen stehen und deine Fantasie Überstunden schieben! Du hast doch schon so viel überstanden, das ist doch nur ein neues Mätzchen, das kriegst du auch noch hin.

Cool und gelassen bleiben ist wie immer die Queen in unserem Verhaltensrepertoire.

Dein kleiner Filius kommt also nach Hause mit einem niegelnagelneuen Smartphone, und Du steckst gerade in einem heftigen Sorgerechtsstreit mit dem toxischen Ex? Dann darfst du dein Kind mit einer neuen Hausregel bekanntmachen: Kein Smartphone hier.

Das Smartphone selbst wird ausgeschaltet und kommt in eine Box. Wechselt das Kind zum Vater, darf es das Smartphone selbstverständlich wieder mitnehmen.

„Besser ist es sicherlich, das Handy bleibt gleich dort, oder, Spatzl?“

Stell dich darauf ein, dass es einen mega Terz geben wird. Da musst du dann durch, Kindern Grenzen zu setzen ist kein Zuckerschlecken, du weißt das ja schon längst.

Du kannst dir auch überlegen, dem Kind ein eigenes Smartphone zu geben – vielleicht nicht ganz so schick und auch erst, wenn es älter ist und es an sich ok ist, wenn es hin und wieder daran rumdaddelt. Das bleibt dann ebenfalls bei dir, wenn das Kind wieder wechselt – es hat ja dann sein anderes beim Kindsvater.

Klingt umständlich?

Isses auch. Das ist aber auch das einzige, was wir tun können, um so einigermaßen mit der Situation umzugehen und die Risiken für uns einzudämmen.

Es spielt auch eine große Rolle, in welchem Stadium Ihr steckt. Befindest du dich aktuell im großen Clinch vor Gericht, und in der nächsten Verhandlung geht es um „alles“, dann würde ich damit wohl rechnen und die Umständlichkeit in Kauf nehmen. Erst recht, wenn du ihm das intellektuell zutrauen würdest.

Plätschert es dagegen so vor Euch hin, jeglicher Gerichtsstress ist schon vorbei und du musst „lediglich“ den Ex im normalen Alltag aushalten, würde ich mich von den technischen Möglichkeiten nicht verrückt machen lassen und eher noch das tiefe Durchatmen üben.

Der Ex geht zusätzlich ein großes Risiko ein, sich die Zuneigung und das Vertrauen seines Kindes zu verspielen, sollte es als Teenager herausfinden, dass es mit dem Geschenk ausgehorcht wurde.

 

Eine Bitte zum Schluss:

Bitte – tu dir den riesengroßen Gefallen und mach dich jetzt nicht verrückt! Ich weiß, mit unseren toxischen Ex-Partnern schlägt unsere Fantasie Purzelbäume, und wir trauen ihnen einfach alles zu.

Aber du benutzt auch ein Smartphone für dich und verteilst jeden Tag Spuren von dir im Netz. Also wäge ab: Was bekommt dein Ex schon von dir mit, sollte er tatsächlich mit einer solchen Wanzensoftware auf dem Handy Eures Kindes Erfolg haben? Wie könnte er die Infos verwenden?

Wie gesagt: Hast du Beweise, ab zum Anwalt und Anzeige erstatten. Hast du nix, tanz einfach hin und wieder durch die Wohnung.

Das ärgert die Jungs noch am meisten.

 

 

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