Reden wir doch mal über das Kindeswohl

Feb 15, 2019 | 2 Kommentare

Was bedeutet es eigentlich für ein Kind, wenn es einen narzisstischen Elternteil hat? Oh Pardon, wir wissen es ja als fachfremde Deppen nicht wirklich, ob der Ex-Partner eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat oder irgendetwas anderes, was es ihm unmöglich macht, Empathie zu empfinden. Also gut, ich korrigiere:

Was bedeutet es eigentlich für ein Kind, wenn es einen toxischen Elternteil hat?

Ich kann dir versichern – ein Kind mit einem toxischen Elternteil bekommt einen ziemlich schweren Rucksack mit auf die Reise ins Erwachsenwerden.

Ich werde mich nachfolgend auf die toxischen Väter konzentrieren, da ich nun mal nur für Mütter mit toxischen Ex-Partnern schreibe. Aber das gleiche gilt selbstverständlich auch für narzisstische Mütter.

 

Der Rucksack wird schon gleich nach der Geburt gepackt.

Toxische Väter werden durch die Bedürftigkeit eines Babys heftigst getriggert und können es kaum aushalten, wenn das Baby an der Mutterbrust gestillt oder bedürfnisorientiert „erzogen“ wird: Also gleich hochgenommen wird, wenn es schreit, oder wenn man alles unternimmt, um dem Baby den Alltag so leicht wie möglich zu machen und man dafür seinen Tag komplett an den Bedürfnissen des Babys ausrichtet.

Für empathische, hochsensible Mütter ist das ein Must-Do. Die Natur hat das übrigens auch wunderbar eingerichtet, indem sie uns Mütter während der Geburt und in den ersten Jahren danach mit dem wundervollen Hormon Oxytocin überflutet, welches die Bindung und das Vertrauen fördert.

Babys sind schließlich sehr abhängig davon, wie Erwachsene mit ihm umgehen und seine Bedürfnisse verstehen können, damit es überleben kann.

Was macht nun der toxische Vater, der über ein unterirdisches Empathieniveau verfügt und dessen Gedanken sich ausschließlich um die Erfüllung seiner eigenen Bedürfnisse drehen?

Er kriegt schlechte Laune, zieht sich zurück, kritisiert die Frau dafür, dass sie zu lange stillt und „nichts“ tut in ihrer Elternzeit. Er lädt gleich nach der Geburt alle Freunde und Verwandte ein, um mit dem Baby zu posen („Toller Hecht!“), obwohl die Frau ihm schon gesagt hat, dass sie sich in der ersten Woche Ruhe wünscht, damit alle erst einmal in der neuen Familie ankommen können.

Streitigkeiten mit der Kindsmutter – sein Lebenselixier – werden auch gern mal als Grund dafür hergenommen, den Kinderwagen während des Spaziergangs weit von sich zu stoßen.

Oder er kommt nach der Arbeit nach Hause – natürlich spät, zu Hause erwartet ihn ja nur Babygeschrei, das ist sowas von anstrengend, warum soll er sich da auch beeilen? – und zieht sich nach dem Abendessen gleich wieder zurück vor den PC oder ist am Handy.

Die von der Mutter heftigst herbeigesehnte Ablösung aus dem Babywahnsinn gibt es nicht. Spielen mit dem Baby? Warum? Müsste es nicht schon längst im Bett sein?

Auch das Ins-Bett-Bringen überlässt er lieber der Frau. Er plädiert ja eher dafür, das Kind auch mal schreien zu lassen, seine Mutter ist auch dieser Meinung, sie hat damals keine Probleme mit dem Schlaf ihrer Kinder gehabt – und hat es ihm und seiner Schwester geschadet?

(…füge hier deinen eigenen Gedanken ein….)

Er gibt natürlich der Frau die Schuld, falls es ein Schreibaby ist. Oder er findet, sie macht zu viel Geschiss wegen dem bisschen erhöhte Temperatur.

Kleinigkeiten, meinst du? Ja, aber schon sehr subtil, findest du nicht?

Nun ja, vielen empathischen Müttern dämmert es schon im ersten Babyjahr, dass etwas mit dem Typen nicht stimmt und trennen sich.

Einer der Gründe ist sicherlich, das Kind zu schützen vor täglichem Streit und emotionaler Gewalt.

Weit gefehlt – jetzt fängt der „Spaß“ erst richtig an.

 

Im Kleinkindalter

Der Rucksack wird für das Kind noch ein bisschen schwerer im nächsten Zeitabschnitt. Kleinkinder werden am im Idealfall immer noch bedürfnisorientiert wahrgenommen. Oft muss man erspüren können, wo das Kind gerade steht. Es kann sich noch nicht richtig artikulieren, geschweige denn klar seine Gefühle benennen.

Es ist definitiv kein kleiner Erwachsener!

Wenn aber schon ein Kleinkind gerichtlich zu Umgängen gezwungen wird, obwohl sich der Vater vor der Trennung rar machte und keine große Bindung zum Kind aufbauen konnte, oder weil es mitbekommen hat, wie der Vater die Mutter schlug und die massive negative Energie spürt, die dieser Mann im Raum verteilt – dann gibt es den ersten Knacks im Selbstwertgefühl des Kindes, da es in seinen Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit und Schutz nicht ernst- und wahrgenommen wird.

Aber selbst wenn das Kind gerne zum Papa geht und nicht gezwungen werden muss, so ist es dennoch der Unverantwortlichkeit des toxischen Kindsvaters ausgeliefert. Wir Mütter hocken derweil zu Hause auf dem Sofa und hoffen darauf, dass dieses Wochenende nichts passieren wird.

Klar gehören Beulen und die eine oder andere blutende Schramme zum Großwerden dazu.

Eine helikopterähnliche Attitüde können wir Mütter mit toxischen Ex-Partnern uns sowieso nicht leisten, das lernen wir schnell im Gerichtssaal. Jegliche Aussagen, dass wir uns Sorgen um das Kleinkind machen, weil wir unseren Ex und dessen Unverantwortlichkeit ja schließlich kennen, müssen wir tunlichst vermeiden, sonst haben wir schneller das Label „überbehütende Gluckenmutter, die nicht loslassen kann“ an der Backe als wir gucken können.

Nein, Helikoptereltern – ein solches Verhalten können sich nur Paare erlauben, die noch zusammen sind.

Wir dagegen sind schon froh, wenn der Ex nicht so oft die Kreissäge in der Hobbywerkstatt anwirft und dem Kind den Knopf zeigt. Oder die Pistolen und Gewehre rechtssicher verstaut (selbstverständlich besitzt er die legal, er hat ja einen Waffenschein) und den Schlüssel zum Waffenschrank nicht offen herumliegen lässt.

Oder das Kind einfach verkehrssicher von A nach B transportiert, im passenden Kindersitz auf dem Fahrrad oder im Auto und vor allem auch angeschnallt

 

 

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Im Schulalter

Gott sei Dank, die Kinder werden größer und sind zumindest körperlich gesehen nicht mehr sooo schutzbedürftig. Sie sind geschickter und laufen auch nicht mehr spontan auf die Straße.

Jetzt verlagert sich das Problem mit dem toxisch-narzisstischen Kindsvater immer mehr auf die emotionale Schiene.

Viele Mütter in meiner Facebook-Gruppe der Starken Mütter berichten über ein ganz besonderes Phänomen: Da bekommen die Kinder keine Schulbrote geschmiert, wenn sie von der Wohnung des Papas aus in die Schule gehen müssen. Weil er z.B. vergessen hat, rechtzeitig Brot zu kaufen. Im besten Fall bekommt das Kind Geld in die Hand gedrückt „Da, kauf dir was beim Bäcker vorne.“

Im schlechtesten Fall hat es halt gar nix dabei. „Es wird schon nicht verhungern, wenn es vormittags kein Schulbrot mitbekommt!“

Kann passieren, könnte man meinen. Wenn es aber ständig vorkommt, dann stimmt da etwas anderes nicht.

Eher ist die Tatsache, dass er ein schulpflichtiges Kind hat, in seiner Lebenswirklichkeit nicht angekommen.

Da darf man sich als Außenstehende zwar gerne wundern – schließlich ist das Kind schon 8 oder 9 Jahre existent – aber dieser Eindruck lässt sich nun mal nicht von der Hand weisen.

Dadurch, dass sich die Wahrnehmung einer narzisstischen Persönlichkeit nur um sich selbst dreht und nicht um Andere, schließen sich eine verantwortungsvolle Planung und Vorausschau („Was braucht mein Kind in der nächsten Woche?“) von vornherein aus.

 

Es gibt aber noch einen weiteren Aspekt

Toxische Männer haben eine ganz besondere Anspruchshaltung. Sie haben immer Recht, haben immer das Beste, und selbstverständlich auch die perfekten Kinder zum Vorzeigen.

Das Kind hat dann schlechte Karten, wenn es beginnt, den Vater in Frage zu stellen, nicht perfekt und talentiert zu sein wie das Nachbarskind oder gar nicht mehr niedlich aussieht, so dass man damit Staat machen kann.

Nicht selten fangen dann die psychischen Probleme bei den Kindern im späten Grundschulalter – mit 9 oder 10 Jahren – an.

Die Mutter hat ein Gewichtsproblem? Dann sagt er zur Tochter: „Sieh nur ja zu, dass du nicht so fett wie deine Mutter wirst – so wird dich kein Mann wollen!“ (- und er selbst erst recht nicht  kommt als Botschaft beim Kind an).

Und wenn die Tochter mit 10 tatsächlich runder wird, dann setzt er sie auch schon mal eigenhändig auf Diät. Dann gibt es kein Schulbrot, sondern nur Salatgurke oder Tomate mit in die Schule.

Oder in der neuen Familie wird der Kuchen verteilt: „Du bekommst nur ein kleines Stück, damit du nicht noch dicker wirst“, während die schlanken Halbgeschwister die Teller vollgeladen bekommen.

Der Grundstein für den Teufelskreis einer Essstörung ist damit erfolgreich gelegt.

Die Tochter erzählt eventuell ihrer Mutter davon. Vielleicht aber auch nicht. In beiden Fällen steht diese hilflos daneben und weiß nicht, wie sie ihrer Tochter helfen kann.

 

Zum Bindungsverhalten von bindungsintoleranten, toxischen Kindsvätern

Kennst du den Spruch „am ausgestreckten Arm verhungern lassen“ in Bezug auf emotionale Nähe?

Wir alle, die wir mit narzisstischen Männern zusammen waren, kennen das nur zu gut: Wir wollten innige Nähe, die uns verwehrt wurde. Der Mann hat sich größtenteils emotional zurückgezogen oder Gefühle nur dann gezeigt, wenn er etwas damit bezwecken konnte.

Wenn ich mich so bei den Müttern in meiner Gruppe umhöre, dann bin ich davon überzeugt, dass diese Männer das mit ihren Kindern fortschreiben, was wir mit ihnen schon erlebt haben.

Kinder zu füttern bzw. mit guter Nahrung zu versorgen sind Gesten der Liebe und Fürsorglichkeit.

Kinder dagegen zu kasteien, sie zu beschränken, ihnen größtenteils schlechte oder gar keine Nahrung zu geben, sind Mittel, sie in ihre Schranken zu verweisen.

Sie zu kontrollieren.

Sie zu reglementieren.

Macht zu demonstrieren.

Die Liebe, die die Kinder sich so sehr von diesem Elternteil ersehnen, wird verwehrt.

Sie sind nicht gut genug, um die volle, uneingeschränkte, uneigennützige Liebe ihres narzisstischen Vaters zu erhalten.

Weil sie nicht so sind, wie er es möchte. Denn er ist doch selbst perfekt, also müssen auch die Nachkommen perfekt sein.

Auf Nimmerwiedersehen, Selbstwertgefühl.

Welcome emotionale Abhängigkeit und immerwährende Sehnsucht und Suche nach Liebe von Menschen, die keine Liebe geben können.

STOP!

 

Was können wir Mütter denn da tun?

Nicht viel – und doch mehr als du jetzt glaubst.

Klar musst du handeln, wenn dein Kind überhaupt nichts zu essen bekommt (ja, auch darüber berichten Frauen in meiner Gruppe). Kinder sind im Wachstum und brauchen gescheite Nahrung. Und Kindern Nahrung komplett zu verwehren ist Kindeswohlgefährdung.

Geh zum Kinderschutzbund und leite alle erforderlichen Maßnahmen ein, wenn dein Ex sich überhaupt nicht kümmert, die Grundbedürfnisse Eures Kindes zu stillen.

Aber wenn dein Ex nur ständig zu McD fährt und niemals Broccoli kocht wirst du nix machen können – sein Umgang, seine Regeln.

 

Vergiss trotzdem bitte nie: Du bist immer noch die andere Hälfte in der Elternschaft! Du bist immer noch mindestens 50%! 

 

Das Wichtigste, was du in deiner Position tun kannst, ist dein Kind wahrzunehmen und selbst deine Liebe zu ihm nicht an Bedingungen zu knüpfen.

Sei also achtsam dabei, wie du es selbst kritisierst. Achte darauf, das störende Verhalten zu beschreiben, und nicht das Kind als Person zu kritisieren.

Ihm öfters zu sagen „Du bist gut so, wie du bist, mein Herz!“ oder „Genau so, wie du bist, bist du wundervoll!“ oder „Ich will kein anderes Kind haben.“

Wenn du merkst, dass das Kind seelisch immer weiter abrutscht, dann besorg ihm einen guten Kindertherapeuten. Und lass die Unterschrift vom Ex gegebenenfalls vom Gericht ersetzen, wenn er nicht zustimmen sollte (wollen sie nie).

Und ganz pragmatisch geht es natürlich auch: Du kannst dein etwas älteres Kind z.B. ermutigen, dass es den Vater am Samstag an das Schulbrot für Montag erinnert.

Ihr könnt Euch auch zusammen überlegen, welche Ideen es beim Vater vorbringen könnte: z.B. Brot oder Brötchen einzufrieren, damit immer etwas im Haus ist, falls dein Ex einfach nur keinen Plan hat.

Oder wenn es in der Früh in die Bäckerei geschickt wird, kannst du das Positive an dieser Lösung betonen: Dass es sich zumindest die Semmel selbst aussuchen kann, die es auch wirklich essen will, und nicht ein doofes Roggenbrot.

Diese Sichtweise macht es für dein Kind dann auch leichter.

Ja, sie werden früher selbstständig, unsere Kids! Je nach Streitsucht und NPS-Ausprägung unseres Ex kann das aber auch keine Option sein.

 

Was du definitiv vermeiden solltest

Volle Kanne in die negative Energiespirale reinzugehen und eine emotionale Email an den Ex zu schreiben, was ihm überhaupt einfiele, dem Kind kein Essen mitzugeben!

Er wird es eh leugnen und behaupten, das Kind hätte sich das ausgedacht. Beim nächsten Umgang wird er das Kind angehen, warum es dir überhaupt etwas erzählt hat.

Dann wird es für alle Seiten nur noch schlimmer.

Wenn du das Thema vor Gericht anbringst, kann es dir außerdem noch passieren, dass du zu einer Erziehungsberatung bzw. Mediation verdonnert wirst, und du weißt, dass das nix bringt.

Und: Lass dein Kind nicht merken, dass du geschockt bist, dass es beim Vater nicht genug zu essen kriegt.

Ein Kind bewertet seine eigene Situation in erster Linie über die Reaktion der Erwachsenen.

Wenn du über das reine Wahrnehmen und Einfühlen hinaus diese Situation mit allen und jedem diskutierst und das Mitleid und Drama potenzierst, dann verschlimmert sich die Eigenwahrnehmung für dein Kind enorm. Die Situation muss ja wirklich sehr schlimm sein, wenn sich die Erwachsenen so aufregen!

Es gibt noch etwas, was du tun kannst

Stabilisiere dich zuerst.

Arbeite an deiner mentalen Haltung.

Befreie dich selbst von der narzisstischen, emotionalen Co-Abhängigkeit anderer Menschen, sofern du das noch nicht getan hast.

Wer ist denn da noch, der dich lieben soll, aber es nicht tut, und du tust alles für diese Person? Deine Mutter? Dein eigener Vater? Der aktuelle Lover?

Du bist das stärkste Vorbild für dein Kind, Sweetheart. Arbeite daran, ein wunderbarer Stern und Lichtpunkt zu werden, an dem es sich immer orientieren kann.

Sieh zu, dass es von dir lernt, dass Liebe keine Bedingungen kennt.

Behandle dich gut, indem du nur mit Menschen zusammen bist, die dich gut behandeln.

Dann wird auch aus deinem Kind ein starker, selbstbewusster Erwachsener.

Ja, auch mit diesem Ich-bin-mit-einem-toxischen-Vater-groß-geworden-Rucksack.

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