30. Januar 2018

Warum du niemals in eine Mediation mit deinem narzisstischen Ex gehen solltest

Keine Mediation mit dem narzisstischen Ex

Ich war schon immer ein großer Fan von Mediation. Ich finde es eine fantastische Idee, einen neutralen Dritten zu einem Konflikt dazuzuholen und, falls derjenige so richtig gut ausgebildet ist und sein Handwerk versteht, zu einem guten Kompromiss geführt zu werden. Alle Konfliktparteien fühlen sich wohl, weil alle wertschätzend behandelt und ernst genommen werden.

Eine Mediation (lat. für „Vermittlung“) ist, laut Wikipedia, ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines Konfliktes, bei dem unabhängige „allparteiliche“ Dritte die Konfliktparteien in ihrem Lösungsprozess begleiten. Die Konfliktparteien, auch Medianten oder Medianden genannt, versuchen dabei, zu einer gemeinsamen Vereinbarung zu gelangen, die ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht.

Also bitte nicht mit einer Meditation verwechseln…

Ich habe sogar selbst schon mal eine Mediation moderiert – aber das war höchst inoffiziell innerhalb der damaligen Firma, für die ich als Angestellte arbeitete. Mich hatte ein Manager eines anderen Teams vor –zig Jahren mal gefragt, ob ich nicht in einem Konflikt zwischen zwei Kollegen vermitteln könne. Eine offizielle Mediation wäre von der Firma nie bezahlt worden. Also las ich mich in das Thema intensiv ein, führte die Mediation – ziemlich amateurhaft, aber mit viel gutem Willen – und konnte Gottseidank den Konflikt entschärfen.

Ich empfehle trotzdem, eher einen Profi als mich zu konsultieren.

Wenn du selbst gerade in deiner – mehr oder weniger einvernehmlichen – Trennung zusammen mit dem Ex den dringenden Wunsch nach einer Mediation verspürst, dann mach das! Ich stelle auch gern einen Kontakt zu meiner Lieblings-Mediatorin Christina Wenz her.

 

… mit einer wichtigen Einschränkung

Ein normaler Konflikt basiert in der Regel auf einer misslungenen Kommunikation der Bedürfnisse zwischen den Parteien. Dafür ist eine Mediation perfekt geeignet.

Nun isses aber so, dass wir mit Ex-Partnern, sofern diese mutmaßliche Narzissten sind, ganz besondere Konfliktpartner gegenüber sitzen haben:

  • Männer, die sich immer als Opfer sehen,
  • die ihre eigene, negative Grundhaltung auf den anderen projizieren,
  • die ihre Ex-Partnerin nicht auf dieselbe Stufe wie sich selbst stellen,
  • die über eine ausufernde Anspruchshaltung verfügen, mit der sie meinen ein Anrecht darauf zu haben, ihre Forderungen und Wünsche erfüllt zu bekommen,
  • die es gewohnt sind, Andere zu manipulieren,
  • die sich gern darstellen und präsentieren (das im besten Licht), aber das, was dann entschieden oder besprochen wird, im Nachhinein weder akzeptieren noch sich an die getroffenen Abmachungen halten,
  • die in der Regel offizielle Institutionen ablehnen, verhöhnen, nicht ernst nehmen,
  • die ihre eigenen Einstellungen niemals hinterfragen und reflektieren,
  • die jede soziale Interaktion gewinnen müssen und sich ständig im Wettbewerb befinden sowie
  • Männer, die uns in den Jahren zuvor emotional und mental aufs Schlimmste missbraucht haben.

Eine Mediation beruht auf einer ganz besonderen Grundhaltung: Alle Beteiligten wollen einen Streit beilegen, erkennen aber an, dass jeder in dem Spiel seine Bedürfnisse hat und ein Kompromiss im Sinne von Allen sein sollte. Man will also gemeinsam eine Regelung erarbeiten und eine Sache endlich abschließen.

Ein narzisstisch gestörter Mann denkt so nicht. Er will seine Interessen durchbringen und höchstens den neutralen Dritten davon überzeugen, dass du die Gestörte bist und er das Richtige für alle tut.

Er braucht den Streit mit dir außerdem als beständige Quelle für seine Energiezufuhr. Wo bleibt der Spaß, wenn der Disput aufhört?

 

Achtung: Gefahr!

Jetzt kann man natürlich sagen: Ein Versuch ist es wert. Es geht ja schließlich um die Kinder! Da muss man sich schon mal bemühen, und zumindest von deiner Seite willst du nichts unversucht lassen, um eine friedliche Trennung zu haben und eine gute Co-Elternschaft aufzubauen.

Und dann ist da ja noch die Sachbearbeiterin vom Jugendamt, die dir das dringendst empfiehlt und du das Gefühl bekommst, du stehst sonst als Haupt-Blockiererin da und verlierst womöglich deine Kinder, wenn du es nicht tust.

Oder der Pfarrer in deiner Gemeinde, der felsenfest davon überzeugt ist, dass jeder Mensch im Grunde ein warmes, freundliches Herz hat.

Muckefuck!

Eine Mediation mit einem mutmaßlichen narzisstisch Gestörten birgt das große Risiko, dass es ein weiteres Trauma für dich werden wird, und du solltest das wirklich nicht unterschätzen.

Denn: Die einzelnen Mediationssitzungen (in der Regel sind es mehrere) bieten solchen Männern eine Bühne, ihren emotionalen und mentalen Missbrauch vor den Augen und Ohren des Mediators fortzuführen.

Es kann sein, dass er Sachen sagen wird, die dich schon früher stark verunsichert haben, die sich für den Mediator aber „normal“ anhören.

Er wird sehr wahrscheinlich lügen, dass sich die Balken biegen, und diese Lügen stehen dann erstmal im Raum – so schnell kannst du gar nicht reagieren (vor allem, wenn es seine Redezeit ist, in der du ihn nicht unterbrechen darfst).

Er wird Sachen sagen oder behaupten, die dich triggern können.

Er wird vielleicht auch höhnisch oder aggressiv im Ton werden.

Du wirst erleben, wie der Mediator – ganz im Sinne der Regeln – versuchen wird, ihn professionell anzuhören,  ihn wertzuschätzen und seine Aussagen nicht zu bezweifeln. Allein das wird sich wie Zahnweh anfühlen.

Es kann sein, dass er seinen ganzen Hass auf die Situation auf dich projiziert, und diese Wucht wird dich umhauen.

 

Du wirst das Gefühl haben, einem Schauspiel zuzusehen (was es letztlich ja auch ist) und nur noch denken „ja, sieht das denn keiner, was hier gerade vonstatten geht??“ Solltest du also die vage Hoffnung gehabt haben, dass du nun endlich einen Zeugen hast, der schnell begreifen wird, was da vor sich geht, geht diese sehr schnell flöten.

Aber das wirklich Allerschlimmste, was passieren wird: Er wird alles von dir erfahren, was du gerade fühlst und denkst, denn du öffnest dich und willst ehrlich sein – schließlich willst du ja den Konflikt beenden. Es ist sein Waffenarsenal für später, wenn Ihr wieder „allein“ seid.

Mal ganz davon abgesehen, dass du nach dem Treffen, wenn Ihr gemeinsam aus der Tür rausgeht, in großer Gefahr bist, direkt von ihm verbal angegriffen zu werden mit dem, was du in der Mediation gesagt hast.

 

Fazit

Wenn du glaubst, dass dein Ex eine narzisstische Persönlichkeitsstörung entwickelt hat, dann lass die Finger von einer Mediation.

Du musst dich selbst schützen.

Das wird sonst keiner für dich übernehmen, da der emotionale und mentale Missbrauch, den du erlebt hast, für Außenstehende nicht oder kaum zu verstehen ist.

Das Letzte, was du in deiner Situation brauchst, ist eine weitere traumatische Erfahrung mit einem nichtsahnenden Mediator, der nach bestem Wissen und Gewissen handelt aber unwissentlich zum Mithelfer von psychologischem Missbrauch wird!

Die oberste Regel, wenn du aus einer narzisstischen Beziehung kommst, ist auf Abstand zu gehen und jeglichen Kontakt zu vermeiden, um deinem Ex keinerlei Gelegenheiten mehr zu geben, dich drangsalieren zu können.

Wenn die Dame im Jugendamt dir also einen entsprechenden Mediations-Vorschlag macht, dann sage ihr: „Ich bin gerne zu einer Beratung mit einem Psychologen bereit, aber nur getrennt, ohne gemeinsame Termine. Eine gemeinsame Mediation möchte ich zu meinem Selbstschutz nicht durchführen.“

Besprich dich auf jeden Fall auch mit deinem Anwalt und überlege dir mit ihm zusammen eine entsprechende Strategie, wie du dich vor Gericht kooperativ zeigen kannst – was du ja auch bist! – aber nicht gezwungen wirst, in eine Mediation gehen zu müssen.

Übrigens: Dieser Rat gilt für jegliche Art von Beratung, in der du zusammen mit dem narzisstischen Ex in einem Raum mit einer dritten Person sitzen musst, um ein Problem zu besprechen.

Wie denkst du darüber? Hast du schon einmal eine Mediation mit deinem narzisstischen Ex gemacht? Wie ist deine Erfahrung? Ich freue mich über deinen Kommentar weiter unten.

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