5. Oktober 2018

Kein Geld fürs Kind: was du machst, wenn der toxische Ex den Kindesunterhalt nicht überweist

Was du machst, wenn der narzisstische Ex den Kindesunterhalt nicht zahlt

Ein toxischer Ex liebt und braucht das Gefühl, weiterhin die Kontrolle über dich und deine Emotionen zu haben. Wenn du ausgezogen bist und dich somit der räumlichen Kontrolle bereits entzogen hast, so ist das zweitbeste Mittel der Wahl immerhin noch das Geld.

Da wird gleich von Anfang an um den Trennungsunterhalt gefeilscht, und wenn das dann kein Thema mehr ist, der Kindesunterhalt gekürzt, nicht pünktlich überwiesen oder überhaupt nicht.

Du als Mutter hast dann die Rennerei. Klar ist es gut, dass es den Unterhaltsvorschuss mittlerweile gibt, der dafür sorgt, dass du zumindest einen Teil des Anspruches für die Kinder bekommst, jetzt auch endlich bis zur Volljährigkeit.

Die Ämter sollen dann offiziell die Unterhaltsschulden von den Vätern eintreiben. Gut, wenn du dann nicht mehr an die Front gehen musst. Das bezahlt dann zwar die Allgemeinheit, aber wen juckt das schon? Den Narz sicher nicht. Und du musst schließlich schauen, dass die Kinder ordentlich angezogen sind und was zum Essen auf den Tisch bekommen.

Wir alle kennen ebenso den Selbstständigen, der sich vor den Behörden arm rechnet, aber doch einen tollen Schlitten fährt und regelmäßig in den Urlaub fliegt oder gerade einen Hausumbau bewältigt.

Ich hatte mal vor vielen Jahren einen ehemaligen Kollegen, der sogar den gutbezahlten Verkäuferjob bei der IT-Firma kündigte und sich irgendwo im Umland als Eremit einnistete, nur um der Ex keinen Unterhalt für die Kinder zahlen zu müssen.

Der smarte Narzisst versucht das Prellen des Unterhalts heutzutage ja eher übers Wechselmodell. Und seine Chancen stehen gut, dass ihm das auf diese Weise gelingt. Da ist die Vorausplanung – wie er immer sicherstellen will, dass er auch zu Hause ist, wenn die Kinder da sind – eher zweitrangig. Es gibt ja schließlich noch die Oma oder die Next, die kümmern sich dann schon. Ist ja auch sein Thema, wie er die Betreuung in seiner Zeit in den Griff bekommt…

Ich habe mal von einem Vater gehört, der hatte alle Anstrengungen unternommen, um das Wechselmodell zu bekommen, und schon in der ersten Woche nach dem für ihn positiven Gerichtsurteil hatte er zum nächsten anstehenden Wechsel keine Zeit, so dass die Mutter die Kinder wieder bei sich behalten musste. Mal unabhängig davon, dass das Wechselmodell in dem Fall gegen den Willen der Mutter vor Gericht erzwungen wurde, fassen wir uns nur an den Kopf und denken: Wozu das alles? Für die paar Kröten?

Die geneigte Leserin darf sich wundern: Solche Typen gehören nicht selten zu den Top-Verdienern und könnten locker den Unterhalt schultern, aber der einzige Gedanke, den diese Männer dann bis zur Verbissenheit durchziehen, ist: „Die kriegt keinen Cent von mir! Nicht einen! Koste es, was es wolle!“

Das ist sowas von erbärmlich!

 

Wie du als Mutter damit umgehen solltest, wenn dein Ex keinen Kindesunterhalt zahlt

Ist das nicht himmelschreiend ungerecht?

Gerade wir, die wir ja früher mitbekommen haben, welcher Lifestyle mit dem Ex möglich ist, sind jetzt mehr als verärgert.

„Dem werde ich es zeigen!“ denkst du dann. Und gehst als allererstes auf die (Email-) Barrikaden.

Es folgt ein (un)gepflegter Emailaustausch nach allen narzisstischen Regeln der Kunst.

Schneller als du gucken kannst wirst du mit Vorwürfen konfrontiert, die überhaupt nichts mehr mit der Sache zu tun haben. Und die dich sogar sehr schnell wieder triggern können.

Er dürfte sehr wahrscheinlich sogar damit gerechnet haben, dass du auf ihn losstürmst. Ein Narzisst hat dich jetzt genau da, wo er dich haben möchte: Aufgelöst und in heller Aufregung.

Alle deine Flanken sind jetzt offen.

Er spürt um die Bedeutung, die das Geld für dich hat – nicht aus Empathie, sondern einfach, weil er weiß, dass du dir eigentlich von deinem Teilzeitgehalt keine 3-Zimmer-Wohnung in Hamburg mehr leisten kannst. Und freut sich hämisch darüber, dass er die Oberhand hat über finanziellem Wohl und Wehe.

Du musst unbedingt von dieser Angel runter, an der du zappelst und mit der er den Faden mal länger oder kürzer hält, gerade so, wie es ihm gefällt.

Das erste, was du tun solltest, ist dich komplett rauszuziehen aus diesem Konflikt. Du musst ihm nicht sagen oder schreiben, dass er den Unterhalt nicht überwiesen hat – das weiß er selbst am besten.

Gottseidank gibt es dafür Mittelsleute beim Jugendamt. Die sogenannte Beistandschaft sorgt dafür, dass der Zahlungsunwillige alle Unterlagen vorlegen muss, die seine Einkünfte belegen, und bekommt dann seinen Zahlungstitel für den Kindesunterhalt.

Wenn der Ex also nicht zahlt, dann bittest du die Beistandschaft, da nachzuhaken. Und bist fein raus, weil deine Flanken geschlossen bleiben und sich jemand Anderes die Gründe dafür anhören oder durchlesen darf, die gerade verhindern, dass das Geld überwiesen werden konnte.

Das betrifft zumindest jetzt mal den Kindesunterhalt.

 

Ein paar Worte zum Trennungs- bzw. nachehelichen Unterhalt

Klar wird er sich winden und einen Unterhalt für dich nicht bezahlen wollen. Das managt dann nicht die Beistandschaft, sondern dein Anwalt.

Ob du also selbst unterhaltsberechtigt bist, muss dein Anwalt für dich beurteilen können. Schau, dass du nie selbst mit deinem Ex darüber diskutierst. Wenn Außenstehende das ausrechnen, sollte es neutral sein, und du kannst nur mit den Schultern zucken, wenn er dich deswegen angeht.

Würde ich dem Geld hinterherlaufen, wenn es nur Ärger gibt?

Nein.

Ich sehe schon, wie du jetzt nach Luft schnappst.

Die ganze Energie, die in einen Kampf ums Geld fließt, fehlt dir, während du eigentlich an deiner eigenen Zukunft arbeiten solltest.

Du kannst dich dann nicht auf die Karriere konzentrieren. Nicht auf Fortbildungsmaßnahmen. Nicht auf deine Selbstständigkeit.

Weil du Aktenberge und Anwaltskorrespondenz lesen, studieren und beantworten musst.

Was bist du dir also selbst wert? Was ist dir deine Energie wert?

„Das würde dem so passen! Der hat mich so oft betrogen und belogen, jetzt soll er gefälligst zahlen!“ könnte die Eine oder Andere denken.

Rache ist bei einem toxischen Ex allerdings absolut kontraproduktiv.

Du kannst mit einem Narzissten im Streit nicht gewinnen.

Der Versuch allein wird dich noch mehr von der Rolle bringen als du es jetzt schon bist. Nutze diese Energie lieber für dich als für ihn.

Hol dir deine Mittelsmänner, die das Geldthema für dich aufdröseln und dem Ex die Nachricht überbringen.

Halt dich selbst da raus.

 

Meine große Bitte an dich, wenn der Ex keinen Kindesunterhalt bezahlt

Ich verstehe, dass es dir eventuell auf der Zunge liegt, wenn die Kinder sich zum Umgangswochenende fertigmachen: „Und bestellt dem Papa mal ´nen schönen Gruß und fragt nach, wo der Unterhalt für Euch bleibt!“

Oder Ihr seid unterwegs und die Kinder wollen etwas haben, und du sagst: „Nein, der Papa hat kein Geld geschickt, das kann ich Euch jetzt nicht kaufen.“

Bitte, bitte, sag das niemals!

Du solltest dir nicht nur jeglichen Kommentar deinen Kindern gegenüber verkneifen, sondern sie unter allen Umständen davor bewahren, dass sie mitbekommen, dass ihr Vater keinen Unterhalt für sie bezahlt.

Also achte auf die Unterlagen auf deinem Tisch, wenn sie herumliegen, und sprich mit deinem Anwalt nur, wenn die Kinder nicht dabei sind. Ja, auch wenn sie noch klein sind – sie verstehen mehr, als du denkst!

Toxische Väter – und alle Väter, die den Unterhalt prellen – können sich offensichtlich nicht vorstellen, wie katastrophal sich ihre Zahlungsunwilligkeit auf das Selbstwertgefühl ihrer Kinder auswirkt:

Papa findet, dass ich es nicht gut haben soll.“

„Papa bezahlt nicht für meine Kleidung.“

„Ich bin es nicht wert – Papa hat jetzt eine andere Familie, für die er lieber Geld zahlt.“

Das sagt kein Kind – aber es denkt so.

Und DEINE Aufgabe als Mutter ist es nun mal, das Kind vor genau dieser Einstellung zu bewahren. Das macht nämlich sonst keiner.

Während ich dir zeige, wie du am besten die emotionale Last nach der Trennung von einem toxischen Ex schulterst und deine Stärke wiederfindest, solltest du zeitgleich darauf achten, dass du nicht einen Teil der emotionalen Last auf deine Kinder ablädst. 

Sie dürfen von dem Unterhaltsthema null, nada, niente etwas mitbekommen.

Was der Ex ihnen verklickert, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Aber zumindest du bist mit dir im Reinen und bist die überlegene Stärkere in diesem Spiel. Von einfach sein hat keiner was gesagt.

 

Wie siehst du das? Ich freue mich über deinen Kommentar weiter unten!

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