Was tun, wenn dein manipuliertes Kind vor dem Familiengericht aussagen soll?

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Sweetheart, eins der ersten Dinge, die eine Mutter mit einem toxischen Ex nach der Trennung lernen muss, ist die Kunst des Loslassens.

Loszulassen von all dem, was sie selbst nicht in ihrer Hand hat. Was sie nicht mehr kontrollieren kann.

Jetzt sind wir Mütter eh schon so darauf geeicht, alles zu organisieren und zu überprüfen und sicherzustellen, dass alles klappt. Wenn du Projektmanagerin oder Eventplanerin bist, weißt du genau, was ich meine, oder?

Wir wollen so gut wie möglich abschätzen können, was passiert, damit wir rechtzeitig einschreiten können, um das Schlimmste zu verhindern. 

Das mag jetzt allerdings in der Arbeit einigermaßen gut funktionieren. Ist das Team gut, haben alle ein Interesse daran, dass das Projekt oder das Event zum Megaerfolg wird.

Im Job hast du als Manager bei wichtigen, kostspieligen Projekten in der Regel auch die Rückendeckung deiner Vorgesetzten. Das ist ein wichtiger Hebel, um deine Wünsche und Vorstellungen von guten Arbeitsergebnissen und ihrer pünktlichen Erfüllung im Team, bei Lieferanten und Dienstleistern durchzusetzen.

Du erlebst dich dann als durchaus erfolgreich – weil alle mitgemacht und an einem Strang gezogen haben.

 

Das ist nach einer Trennung, wenn es um das langfristige Wohl eures Kindes geht, nicht der Fall

Vielleicht hat es in der Beziehung noch einigermaßen geklappt, dass du mit deinem Organisationstalent zur Höchstform auflaufen konntest, da dein toxischer Ex kein Interesse daran hatte, ob jetzt der Kindergeburtstag so oder so abläuft oder wie das nächste Großfamilientreffen organisiert werden sollte mit allem Drum und Dran.

Er hat dich machen lassen, desinteressiert, höchstens auslachend, wenn etwas nicht so funktioniert hat wie du es dir vorgestellt hast. 

Auch mag es ihm wurscht gewesen sein, welchen Kindergarten oder welche Grundschule du dir für euer Kind ausgeguckt hast, weil es dort die besten Pädagogen gibt und ganz besonders schöne Dinge mit den Kindern gemacht werden, die deiner Vorstellung einer idealen Kindheit und Wissensvermittlung und Ermutigung noch am nächsten kommen.

Du hast getan und gemacht, bist gerödelt, hast Feuer gelöscht, warst stets zur Stelle – unerschütterlich im – bereits im beruflichen Umfeld sehr wohl bestätigten – Glauben, dass du das schon hinkriegen wirst.

Und er: lässig abwinkend wie immer. Ist doch egal – was machst du dir für einen Kopf?

 

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Diese coole Haltung ändert sich schlagartig, wenn du einen toxischen Partner mit dem gemeinsamen Kind verlässt

Die anstehende Unterhaltszahlung mag da sicherlich ein wichtiges Kriterium sein, weshalb der Kindsvater da ruckartig die Augen aufmacht und auf einmal die hälftige Zeit an Kinderbetreuung abdecken möchte.

Aber bei einem toxisch-narzisstischen Ex-Partner ist noch mehr dahinter: Du bist zur Feindin geworden, der er nichts mehr durchgehen lassen will.

Ihr beide zieht definitiv nicht mehr am gemeinsamen Strang (wobei er damals auch schon nicht mitgezogen hat, er hatte das sprichwörtliche Seil der Kindererziehung und -begleitung nur augenscheinlich berührt).

Aber jetzt geht er in die Offensive. Und stellt alles, wirklich alles, was du tust und für das Kind geplant hast, in Frage.

Und auf einmal siehst du dich in einem dynamischen Umfeld wieder, was so ganz und gar nicht geordnet und strukturiert nach Plan verläuft.

Jemand von außen denkt da nur: Logisch – ist ja auch kein Projekt aus dem Job!

Aber falls du noch ganz am Anfang deiner Reise stehst, ist das ein wichtiger Mindset-Shift, den du erst einmal mental hinbekommen musst.

Da ist kein Chef (respektive Richter), der dir den Rücken freihält und einem anderen Projektteam-Mitglied (deinem Ex) nach deinem Hinweis einen Rüffel oder Abmahnung erteilt, weil er sich nicht an die erteilte Aufgabe hält, sprich das Kind pfleglich und achtsam zu begleiten.

Dein toxischer Ex macht oder sagt einfach, was er will – und keiner schreitet ein!

Alle im Gerichtssaal scheinen stumm zuzusehen, während dein Ex sich als armes Opfer darstellt, dem die Kindsmutter das Kind vorenthalten will, und alles runterlügt dass sich die Balken zweimal umbiegen, und da ist keiner, der mal mit der flachen Hand auf den Tisch und deutlich sagt: „Jetzt ist Schluss mit diesem Theater!“

Du stehst daneben und fasst dir an den Kopf.

Das kann doch unmöglich wahr sein?

An dieser Stelle musst du lernen, loszulassen. Loszulassen von deinem Drang, das regeln zu müssen.

Loszulassen von dem Drang, das Ergebnis kontrollieren zu müssen.

Loszulassen von deiner Überzeugung, das ganze Verfahren mit einem zu 100% richtigen Verhalten steuern zu können.

Letzteres ist eh eine böse mentale Falle. Du machst dich damit nämlich extrem verrückt.

Denn welches Verhalten ist immer, in jedem Fall, zu 100% richtig?

Welche Aussage, die du tätigst, wird immer zu 100% richtig gut landen beim Richter – oder den anderen Verfahrensbeteiligten?

Es gibt ja nicht den einen Typ Richter oder den einen Typ Jugendamtsmitarbeiter oder den einen Typ gegnerischer Anwalt!

Es gibt in einem Familiengerichtsverfahren viele, viele dynamische Faktoren, die du null kontrollieren kannst.

Erst recht nicht das, was dein Ex sagt oder macht oder was die anderen Beteiligten daraus schlussfolgern oder insgeheim denken.

 

Genau das Gleiche gilt auch für die Gegenseite!

Jetzt hast du verständlicherweise den dringenden Wunsch, dein Kind beschützen zu wollen. Vor dem ganzen Stress, vor dem Streit, vor dem Ex und seinen Aktionen.

Das wird leider nur bedingt gelingen, sofern es gerade hoch hergeht und dein giftiger Ex ein Gerichtsverfahren nach dem anderen anzettelt, obwohl euer Kind dringend Ruhe und Stabilität im Residenzmodell bräuchte.

Es ist mittlerweile Usus geworden, dass die Richter auch kleinere Kinder direkt anhören.

Wenn der Richter das wünscht, wirst du es nicht verhindern können.

Das ist dann gleich das nächste Level, wo du loslassen lernen musst.

Es ist so klar wie Kloßbrühe, dass dein Ex in seiner Umgangszeit dem kleinen Kind seine Wünsche eintrichtern wird.

Ich habe von Müttern erfahren, dass selbst die Kleinsten schon komplexe Umgangsmodelle nachplappern können, so wie jener Vierjährige, der meinte, er wolle „fünf Siebtel beim Papa sein.“

Sollte dir das Angst machen? Warum? Glaubst du nicht, dass solche antrainierten Sprüche dem toxischen Ex selbst derbe auf die Füße fallen könnten?

Ich weiß, es ist schwer, aber es muss dir leider egal sein, was dein kleines Kind dem Richter erzählt.

Du kannst es eh nicht steuern, was aus dem Mund deines Sprösslings kommt.

 

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Auch wenn es schon eine Ecke größer ist und voll im Loyalitätskonflikt steckt

Wenn es dem Richter etwas erzählt, was es meint, dass es sein eigener Wunsch sind, aber du weißt zu 100%, dass dieser vermeintliche Wunsch das Leben deines Kinds komplett auf den Kopf stellt und eine schlechtere Kindheit nach sich ziehen würde, dann musst du das anschließend klar in Worte fassen und verargumentieren, sobald du angehört wirst.

Verzichte unbedingt darauf, das Kind vorher selbst zu „bearbeiten“.

Vertraue unbedingt auf deine gute Beziehung und Bindung zwischen euch – nur die Elternteile, die keine haben, müssen offensichtlich auf Manipulation zurückgreifen.

Das Kind ist noch so unschuldig!

Wenn wir als Erwachsene schon nicht wissen, wie wir in solchen Ausnahmesituationen – was ein Gerichtsverfahren nun einmal im Leben einer Familie ist – richtig handeln sollten, wie soll das dein Kind wissen?

Lass da bitte los. Es darf Fehler machen.

Du auch, übrigens.

Und du wirst auch sicher welche machen. Sei bitte lieb und nachsichtig mit dir, ja?

Vertrau bitte auch darauf, dass in der Regel die Profis im Gerichtssaal einen guten Job machen wollen und auch Kinderaussagen einschätzen können.

Mal davon abgesehen, dass es für ein Kind sicherlich Stress bedeuten kann, wenn es wiederholt offiziell angehört wird – aber ist es nicht generell eine positive Sache, wenn ein Richter das Kind kennenlernen und sich ein eigenes Bild machen möchte?

Ist das nicht in den Augen eines Kindes sogar gerechter?

 

Also: Was kannst du jetzt tun – weil du jetzt nicht hilflos daneben stehen willst?

Unterm Strich: Konzentriere dich auf eine gute Beziehung und deine gute Bindung zum Kind! Gib ihm die Ruhe und den Rückzugsort, den es in dieser Hochkonfliktphase seiner Eltern jetzt am dringendsten braucht.

Sprich nicht schlecht über den Ex in seinem Beisein – auch nicht an der Kaffeetafel mit deinen Freundinnen, wenn die Kinder im Nebenraum spielen.

Nimm dem älteren Kind die Last und den Druck von den Schultern, eine ungute Aussage machen zu können, die als fehlenden Liebesbeweis einem Elternteil gegenüber gewertet werden könnte.

Bring deinem Kind bei, seine Gefühle wahrzunehmen und artikulieren zu können. Indem du deine eigenen Gefühle zuerst wahrnehmen lernst und diese artikulieren kannst.

Dein Kind lernt so viel von dir, indem du gar nicht mal so viel Worte machen musst! Allein durch deine Haltung!

Und vertrau im Anschluss an seine Anhörung darauf, dass deine Meinung und gute Argumentation mehr Gewicht haben wird. Weil du die Mutter bist.

Wie siehst du das, Sweetheart? Wurde dein Kind angehört, was hat es da erzählt? Was kam dabei heraus? Je mehr Erfahrungen wir zusammentragen, umso besser! Merci!

 

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