Wenn auch deine beste Freundin dich nach der Trennung nicht mehr anruft

von Apr 12, 20191. Trennungsjahr, Alltag leben6 Kommentare

Auf den ersten Blick ist es nur ein Nebenschauplatz in dem großen Gefühlsdesaster, in dem man während und nach der Trennung mit einem toxischen Ex steckt, aber im Grunde ist es ein stilles Erdbeben, das die Seele erschüttert: Wenn man auf einmal gewahr wird, dass man seine beste Freundin verliert und sie sich langsam zurückzieht.

Bist du selbst eher introvertiert und hochsensibel, dann hast du dich wahrscheinlich schon von klein auf damit schwergetan, einen großen Freundeskreis aufzubauen. Vielleicht hast du auch keine Familie in der – emotionalen – Nähe, die dich dafür auffangen könnte.

Wenn also die Hauptstütze in der gefühlt größten Krise wegbricht, dann hat man das Gefühl, als ob es einem zusätzlich den Boden unter den Füßen wegzieht.

Wie kann sie nur?

 

Es macht sich eine große menschliche Enttäuschung bereit

Enttäuschung darüber, dass du dich die ganzen Jahre zuvor sicher gefühlt hast mit ihr. Du hast ihr vertraut. Du hast ihr deine intimsten Gedanken anvertraut.

Ihr hattet so viel Spaß miteinander! Geliebte Rituale, wie am späten Samstagabend zu McD zu fahren, immer dasselbe zu bestellen und anschließend in einer Seitenstraße – natürlich nicht auf dem gammeligen Parkplatz! – das Junkfood im Auto zu verputzen. Die gemeinsam geliebte Mucke an, und geredet. Und gelacht. Und wieder geredet. Sternstunden!

Die natürlich alle vor der Ehe mit dem toxischen Ex stattfanden.

Du hast vielleicht im Grunde deines Herzens schon seit langem gewusst, dass seit dieser Zeit die Freundschaft eine andere wurde. Vielleicht hat sie dich damals gleich zu Anfang gewarnt, weil ihre Alarmglocken früher angingen als deine. Und du wolltest nicht hören.

Vielleicht fand sie selbst den Typ auch toll. Und wischt sich jetzt imaginär den Schweiß von der Stirn, dass du jetzt in der Situation bist und nicht sie.

Who knows.

Vielleicht ist sie aber auch auf der Sonnenseite des Lebens aufgewachsen, vollkommen unbehelligt von einer wechselhaften, teilweise dramatischen Kindheit wie du sie erlebt hast, und das hat dich immer fasziniert. Sie verkörperte ein Stück heile Welt für dich, an dem du dich festgehalten hast.

Und jetzt verdünnisiert sie sich, weil es ihr zu anstrengend wurde, und sie sich selbst damit auseinandersetzen muss, dass es da draußen nicht immer Friede-Freude-Eierkuchenmäßig zugeht.

Vielleicht hast du sie auch erst auf dem Spielplatz kennengelernt. Eure Kinder haben Euch zusammengebunden, und Ihr hattet einen gemeinsamen Nenner, über den es immer was zu quatschen gab.

Sei’s drum. Jetzt ist sie weg.

 

Aber warum?

Gerade jetzt, in dieser Megakrise? Wie gemein von ihr! Das hätte du nicht von ihr gedacht!

Ich habe bislang zwei Mal solche herben Erfahrungen machen müssen. Die Freundschaft mit meiner damals besten Freundin zerbrach, als ich mit 27 einen Ausländer kennenlernte und dann auch heiratete, um ihn zu legalisieren.

Der Bruch war sehr unschön. Sie war extrem garstig zu mir und hätte mich mit einer viel zu hohen Miete und dem auf mehrere Jahre fixierten Mietvertrag für die Wohnung, in der wir damals zusammenwohnten, allein sitzen gelassen.

Die zweite Erfahrung war später mit einer lieben Kollegin, mit der ich über alles reden konnte. Wir hatten viel Spaß in der Arbeit, wir konnten uns herrlich über die neuesten Ideen  unseres damaligen Managements amüsieren. Sie ist eine blitzgescheite Frau mit Witz und Herz – und halt auch mit einem sicheren Abgrenzungsempfinden.

Sie bekam mit, wie ich einige Jahre nach meiner Scheidung den Vater meines Sohnes kennenlernte. Sie bekam mit, wie mich die Love Bombing Phase von den Socken haute und wie ich – fast schon besoffen (oder glückstaumelnd) – meinen Tagträumen nachhing und zu keinem klaren Gedanken mehr fähig war. Sie hat immer gespürt und gewusst, was gerade bei mir los war.

Ich rief sie an in einem Moment, als ich am Boden war. Ich wohnte damals noch mit dem Ex zusammen – ich war in Elternzeit, das Kind war gerade mal ein dreiviertel Jahr alt. Er war gerade abgrundtief gehässig zu mir gewesen und ich war ein schluchzendes Häuflein Elend. Da griff ich zum Telefon und rief sie an.

Sie antwortete mit einem tiefen Seufzer und meinte „Puh, das ist mir alles zu anstrengend.“

Ich schniefte noch einmal, trocknete meine Tränen und verabschiedete mich. Das war’s.

In dem Moment wusste ich nicht, was für mich schlimmer war. Das, was der Ex eine Stunde zuvor mit mir gemacht hatte oder die Reaktion meiner Kollegin.

Nein, meine Kollegin war nicht gemein zu mir. Sie grenzte sich nur ab. Sie hatte selbst einen Faden durchgemacht wegen mir, und ich wusste das. Die Freundschaft war zu dem Zeitpunkt wirklich schon am Ende gewesen, durch Umstände, die wir beide nicht verschuldet hatten. Ich hätte sie gar nicht anrufen dürfen – erst recht nicht in dieser Situation. Also bekam ich genau das zurück, was drin war: die finale Bestätigung, die mir noch fehlte.

Wie ich allerdings auch erst heute richtig begriffen habe.

 

Brüche gehören zum Leben dazu

Wann immer du einen großen Sprung von einem Lebensabschnitt zum nächsten machst, verabschiedest du dich auch von einem Teil deines Umfelds.

Das Partygirl, mit dem du mit 18 am Wochenende um die Häuser gezogen bist, konnte sehr wahrscheinlich nichts damit anfangen, als du begonnen hast, dich auf Studium und Karriere zu konzentrieren und von einem Meeting zum nächsten um die Welt gejettet bist.

Deine lustige, kinderlose Kollegin, die mit dir aufregende Vorstandssitzungen im Headquarter in USA vorbereitet hatte, rollte nur noch entnervt die Augen, nachdem du ein Kind geboren und dich in der ersten Zeit danach nur noch das Thema interessierte, warum dein Baby jetzt wieder Blähungen hat.

Die nette Nachbarin und Mutti des Kigakollegen deines Filius, die nicht arbeiten muss, weil ihr Mann eine gutbezahlte Stelle im Management innehat, kommt damit überhaupt nicht klar, wenn du ihr erzählst, dass deine Ehe gerade den Bach runtergeht. Sie fragt sich: Könnte ihr das auch passieren? Es macht ihr Angst, und sie ruft nicht mehr an.

Die anderen Lebensphasen zuvor waren ja noch “normale” Sprünge, da waren wir emotional wesentlich stabiler, was nach der Trennung von einem toxischen Mann natürlich vollkommen anders ausschaut.

 

 

 

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Wenn sich gemeinsame Bekannte auf die Seite des Ex schlagen

Es kommt noch ein anderes Phänomen dazu: Immer wieder berichten Mütter in meiner Facebook-Gruppe, dass sich gute Freunde und Bekannte nach der Trennung auf die Seite des toxischen Ex-Partners schlagen und jeglichen Kontakt vermeiden.

Du möchtest ihnen zurufen: „Hey, was hat er dir über mich erzählt? Egal was, das stimmt nicht!“

Du bist dann maximal enttäuscht, dass sie eher ihm glauben als dir. Ja, sehen die das denn nicht?

Mein Tipp: Lass da unbedingt los.

Lass sie selbst ihre Erfahrungen mit seinen Manipulationen machen. Früher oder später werden sie es herausfinden, aber das ist dann nicht dein Bier.

Du kannst nun mal nicht die Handlungen von Anderen kontrollieren. Nicht deinen Ex, was er sagt – oder was er nicht sagt. Nicht das, was eure Bekannten glauben – oder nicht glauben.

Du kennst ja die Wahrheit.

 

Eine neue Perspektive

Wir müssen uns von der Erwartungshaltung lösen, dass andere, die wir zuvor in unseren innersten Gefühlskreis zugelassen haben, uns schon helfen werden.

Weil es moralisch nur so richtig ist.

Weil es zu einer guten Freundschaft einfach dazu gehört.

Was sagst du dazu, wenn ich dir sage, dass meine Kollegin im Grunde richtig reagiert hat?

Sie hat sich gesund abgegrenzt. Sie hat gemerkt, dass sie das nicht kann. Dass sie nicht so weit war, um diese schlimme Situation, in der ich steckte, mitzutragen.

Sie war achtsam mit sich selbst.

Und genau das erwarte ich auch von dir, Sweetheart.

Wenn du gerade mitten in der Trennung steckst oder sie gerade erst hinter dich gebracht hast und noch sehr labil bist (was du an dem einen oder anderen Gefühlsausbruch gut erkennen kannst), dann solltest du selbst auch darauf achten, dass du dein Umfeld sorgfältig auswählst und nicht noch zusätzlich Leid aufschulterst.

Deine Top-Priorität muss es sein, zuerst selbst wieder in die Stärke zurückzufinden, bevor du anderen helfen kannst.

Du kannst dich wieder mehr engagieren, wenn es dir besser geht. Und diese Zeit wird ja auch zurückkommen, versprochen!

Du bist selbst der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du dich umgibst.

Freundschaftsbrüche sind nie schön und immer mit einer Enttäuschung verbunden. Aber sie gehören zum Leben leider dazu. Du kannst sie nicht verhindern, auch wenn du dich noch so sehr anstrengst.

Mit jeder anderen Lebensphase kommen dagegen neue Chancen hinzu. Du wirst neue Menschen in dein Leben lassen, die zu dem jeweiligen Abschnitt viel besser passen.

Die deine aktuelle Reife widerspiegeln, mit der du im Leben stehst.

Wie willst du dich entwickeln? Was ist dir wichtig im Leben, was sollen die Menschen, mit denen du deine Gedanken teilst, mitbringen und in den gemeinsamen Topf werfen, aus dem Ihr Euch gemeinsam mental ernährt?

Du kannst deine Einsamkeit aktiv angehen, indem du dir einen neuen Freundeskreis aufbaust und dir überlegst, wie und wo du andere Menschen kennenlernen kannst, die zu deiner aktuellen Lebensphase und Reife passen.

Du kannst selbst an dir arbeiten und deine Perspektive ändern.

Die anderen haben sowas von gelost, dass sie dich aus ihrem Umfeld gekickt haben! Aber sowas von!

Ich umarme dich ganz fest, meine Liebe.

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