Was hat ein schlechter Selbstwert mit der Anziehungskraft auf toxische Menschen zu tun? Eine ganze Menge!

Wenn du gerade aus einer toxischen Beziehung ausgestiegen bist, fängst du früher oder später an, dich zu fragen:

Wie konnte mir das nur passieren, dass ich an so einen Psycho-Honk geraten bin?

Je mehr du dich dann zum Thema Narzissmus und Persönlichkeitsstörungen einliest, umso mehr wird dir bewusst, dass es da sogar noch eine Reihe von anderen Menschen in deinem Leben gab – oder sogar immer noch gibt – die ähnlich wie dein Ex sind:

  • Menschen, die dich ständig bewerten oder kritisieren und die dich verunsichern können;
  • Menschen, die gerne Spitzen loslassen, aber selbst nicht einstecken können und mega empfindlich sind;
  • Menschen, die nicht empathiefähig sind und die nur ihren eigenen Vorteil im Kopf haben
  • Menschen, die ständig von dir etwas fordern, aber nicht geben wollen;
  • Menschen, die von anderen eine Sonderbehandlung einfordern, weil sie sich selbst als Opfer der Umstände betrachten, und ständig deine Schuldgefühle wachhalten;
  • Menschen, die es nicht aushalten können, wenn du Erfolg hast und es dir gut geht und die es schaffen, deinen emotionalen Höhenflug wegen einer Beförderung oder einer Erbschaft oder einer neuen Liebe in Nullkommanichts zu stoppen und in die andere Richtung nach unten umzudrehen.

Unterm Strich also Menschen, in deren Beisein du ständig das Gefühl hast, auf Zehenspitzen auftreten zu müssen und auf jedes Wort zu achten, was du von dir gibst.

Du hast von dir selbst ein Bild, als ob du dabei neben dir stehst und dich von außen beobachtest – so als ob du eine Rolle spielen würdest.

Jedenfalls alles andere als authentisch oder gar locker.

Gelingt dir diese Selbstkontrolle allerdings mal nicht – denn das ist auf Dauer sauschwer – fühlst du dich hundeelend und bekommst ein schlechtes Gewissen. Du denkst noch Tage später darüber nach und zerbrichst dir den Kopf, was du anders hättest machen müssen.

Du merkst außerdem, dass du dich nicht gerne in dieser Gesellschaft aufhältst und erleichtert bist, wenn ein Zusammenkommen mal ausfällt.

Ja, auch wenn du es dir vielleicht nicht sofort eingestehst – da es vielleicht deine Mutter ist, die allein in ihrer Einzimmer-Butze hockt, gesundheitlich nicht gut drauf ist und darauf besteht, täglich mit dir zu telefonieren.

Oder?

Wer fällt dir denn da spontan jetzt ein, hmm?

Jeder von uns kennt einen miesen Chef oder eine blöde Kollegin, auf die diese Beschreibung oben zutrifft.

Aber wenn du deine aktuellen und vergangenen Bekanntschaften und deine eigene Familie mal daraufhin durchleuchtest, kann es sein, dass es dir wie Schuppen von den Augen fällt (sagt man das so??):

Das ist ja gar nicht mein erster Psycho-Honk gewesen! Das war „nur“ der fulminante Höhe- (oder besser Tief-)punkt meiner sozialen Kontakte!

Ich glaube der Theorie, dass wir so lange mit den Menschentypen konfrontiert werden, die unsere ungelösten Defizite spiegeln, bis wir diese annehmen und bearbeiten.

Ein toxischer Kindsvater ist so etwas wie die -zigste Lektion, die wir vorher nicht lernen wollten, weil die vor ihm nicht so offensichtlich zutage kam. Oder wir ihr nicht so viel Gewicht beimaßen.

Ein früherer toxischer Ex, mit dem wir keine Kinder haben, verschwindet eher aus den Augen und aus dem Sinn als einer, mit dem wir uns im Alltag weiterhin auseinandersetzen müssen, weil der Druck von außen so immens hoch ist und das Gericht uns dazu verdonnern kann.

Auch mit einer narzisstischen Mutter ist es einfacher auf zumindest räumliche Distanz zu gehen. Man kann somit weiterhin der bohrenden Frage aus dem Weg gehen, warum man immer noch einer ständig abwertenden und kritisierenden Person so viel Macht in seinem Leben gibt. Weil man ja die Tochter ist, und es sich so gehört. Aber wenigstens liegen jetzt 400 km zwischen uns…

Je mehr narzisstisch-toxische Menschen in deinem Leben eine Rolle gespielt haben oder immer noch spielen, umso mehr wage ich die Behauptung, dass dein eigener Selbstwert unterdurchschnittlich entwickelt ist.

Dieser mangelhafte Selbstwert kann vielleicht dazu geführt haben, dass du einen sozialen oder pädagogischen Beruf gewählt hast und über ein ausgeprägtes Helfersyndrom verfügst.

Du hast vielleicht sogar beruflich immer wieder mit solchen Menschen zu tun – umso mehr beschämt es dich, dass du den Kindsvater-Narz nicht früher erkannt hast. Du mit deiner Expertise! Mit dieser Ausbildung!

Gräm dich nicht darüber, Sweetheart.

Deine Situation ist viel logischer und natürlicher, als du gerade denkst.

Die Lektion will halt gelernt werden, und das ist jetzt deine Aufgabe für die nächsten Jahre, nämlich:

Deinen Selbstwert selbst so aufzubauen, dass du einen natürlichen Schutzschild gegenüber toxischen Menschen um dich herum hast, der solchen Typen ohne Worte von weitem signalisiert:

Du kommst hier nicht rein!

 

Aber wie soll das gehen?

Klar ist es optimaler, wenn man schon in der Kindheit in seinem Selbstwert bestärkt wurde und sich nicht erst als Erwachsene mühselig damit auseinandersetzen und wieder umprogrammieren muss.

Aber so isses nun mal – die Vergangenheit können wir nicht ändern, nur unsere Handlungen und unser Denken im Hier und Jetzt.

Außerdem ist es müßig, den eigenen Eltern jetzt Vorwürfe zu machen und in Selbstmitleid zu zerfließen. Bringt dich null weiter.

Das Gute daran: Was du heute selbst ganz bewusst lernst, das kannst du dann auch deinem Kind weitergeben und somit den Teufelskreis durchbrechen.

Zum anderen ist es wirklich wert, da jetzt tiefer einzusteigen – du hast schließlich noch ein paar Jahrzehnte vor dir, die schon schöner werden dürfen als die letzten Jahre. Oder?

 

Mit diesen 6 Schritten baust du dir deinen Selbstwert auf

Worauf all dein Denken und dein Fühlen über dich selbst letztlich hinauslaufen soll:

Ich bin gut so, wie ich bin.

Das ist dein Ziel.

Wenn du diesen Kernsatz einmal verinnerlicht hast – und nicht nur vor dir hersagst, aber es im Grunde noch nicht wirklich fühlst, dass es wahr und echt ist – dann hast du die Aufgabe gelöst und kannst zuversichtlich in deine Beziehungszukunft schauen.

Und so gehst du Schritt für Schritt vor, um dein Selbstwertgefühl zu verbessern:

 

1) Du führst ein tägliches Erfolgstagebuch

Jeden Tag schreibst du dir mindestens 3 Dinge auf, die du erfolgreich gemeistert hast. Als Frau. Als Freundin. Als Mutter. Als Nachbarin. Als Mieterin. Als Tochter. Als Kundin. Als Angestellte. Als Wasweißdennichnoch.

2) Einmal in der Woche schreibst du dir 10 Fähigkeiten/Eigenheiten auf, die du an dir magst.

Schau dir dabei die Notizen der Vorwoche nicht an! Nach einem oder zwei Monaten gehst du in die Analyse und vergleichst. Gibt es immer die gleichen Überschneidungen? Gibt es Ergänzungen? Schreibe eine komplette Liste zusammen. Die hängst du dir dann in die Innenseite deines Kleiderschranks, damit du sie immer vor Augen hast.

3) Stell dich vor den Spiegel und beschreibe all das Tolle, was du siehst.

Konzentriere dich darauf, das Gute und Positive zuerst zu finden und laut zu benennen.

Betrachte dich selbst so, wie du dein Kind betrachtest oder betrachtet hast, als es noch ganz klein war – nämlich voller Liebe und Stolz.

Wenn das nicht geht – wie würde dein Kind dich voller Unschuld und Liebe beschreiben? Was findet dein Kind toll an dir?

Dir fällt nix ein? Dann frag es doch mal!

4) Achte im Alltag verstärkt auf deine Gedanken, wenn du über dich selbst nachdenkst. Wie sprichst du innerlich mit dir? Mache dir einen gedanklichen Marker, wenn du feststellst, dass du mit dir mehr schimpfst als stolz bist.

Schreibe dir die Sätze in dein Journal und reflektiere darüber, warum du so mit dir sprichst. Warum hat diese Stimme nicht recht?

Lerne mit der Zeit, diese Schimpfe mit dir selbst mehr und mehr loszulassen. Wenn dann mal wieder so ein Gedanke kommt, hilft dir das Bild, dass er wie eine Wolke über dich hinwegzieht. Du bemerkst die Wolke und denkst dir „Ach sieh einer mal guck, da ist der Gedanke ja wieder. Interessant.“ und lässt sie ohne weiteren Kommentar vorbeiziehen.

5) Im Gespräch mit anderen Menschen frage dich immer mal wieder: Ist das Gespräch ok? Fühle ich mich wohl?

Wenn dir dein Bauch das Signal gibt, dass du dich nicht wohlfühlst, gib dir die Erlaubnis, dich zurückzuziehen. Wenn du es körperlich nicht tun kannst (wichtiges Meeting mit einem Kunden oder vor Gericht), dann mach es mental, indem du dir denkst „Er/sie muss eine andere Person meinen“ und eine Beobachterrolle einnimmst.

Keine Frage: Wenn du dich dagegen entfernen kannst, dann machst du das auch. Also du verlässt die Party, den Kaffeeklatsch in der Büroküche, das Zweiergespräch mit dem Ex, die virtuelle Whatsapp-Gruppe, die Wohnung deiner giftigen Mutter.

Du bist es wert, dass du nur Menschen in deinem Umfeld hast und deine Zeit mit denen verbringst, die dir guttun und nur das Beste für dich wollen.

6) Wenn du dir neue Sachen kaufst, achte mal auf darauf, wie oft du denkst: „Ui, das ist viel zu teuer für mich! Ich brauche ja nicht so viel bzw. so teures Zeug.“ Gerade, wenn du früher öfters mal zu hören bekommen hast „Das reicht für dich – wozu brauchst du das denn? Das ist doch viel zu teuer!“

Einschub: Übrigens ist diese Bescheidenheit alles andere als löblich, sondern hat dich genau dorthin gebracht, wo du jetzt stehst: Mit hanebüchenen Kompromissen im 1. Trennungsjahr, die dir teilweise immer noch sauer aufstoßen. Sie macht dich auch nicht zu einem besseren Menschen – aber dazu schreibe ich mal einen anderen Blogartikel ;-).

Selbst mit dem schmalsten Budget solltest du dir hin und wieder etwas gönnen, das dein aktuelles Selbstwertgefühl reflektiert. Dann kaufst du halt einmal im Monat im tollen Schoki-Spezialladen eine ganz besondere Kreation. Oder du kaufst dir von einem Luxusbudget, in das du jeden Monat 10 Euro zurücklegst, einmal im Jahr ein besonders schönes Seidentuch oder die Ohrringe, die dir so gut gefallen.

Eine andere Überlegung wäre, dass du schaust, welches Billigzeug dich schon seit einiger Zeit in deiner Wohnung nervt und was du ausmisten und gegen etwas Schöneres, qualitativ Hochwertiges austauschen könntest.

Merke: Du bist es wert, gute und teure Sachen zu haben und zu genießen!

Das sind meine besten Tipps für dich, mit denen du an deinem neuen Selbstwert bewusst arbeiten kannst.

Und dir damit selbst die Liebe zu geben, die dir im Moment – außer deinen Kindern – kein anderer schenken kann.

Kennst du noch weitere Tipps? Ich freue mich auf deinen Kommentar weiter unten!