31. März 2016

Was tun mit dem blöden Gefühl, wenn dein Kind die Papa-Wochenenden schöner findet?

Ich kenne diese nagenden Gefühle noch sehr gut aus meiner ersten Zeit als Alleinerziehende: Ich hatte die „Arbeit“, der Ex mit dem Kind den „Spaß“ – ich stand dabei draußen. Mein Kind freute sich immer so doll auf seinen Papa, und es schmerzte mich, weil ich mir nicht sicher war, ob es sich auch am Sonntagabend auf mich so freute? Ich hatte Angst, dass die Bindung zum Spaß-Papa damit stärker würde als zu mir Alltag-Regel-Mami.

Ist das bei dir derzeit auch so?

Wenn wir ehrlich sind, ist das doch eigentlich die Kehrseite der Medaille, die wir uns ausgesucht haben, als wir uns für das klassische Umgangsmodell entschieden hatten – das Kind lebt unter der Woche bei der Mutter und besucht 14tägig seinen Papa.

Das wolltest du doch auch so haben, oder?

Beim Wechselmodell – das Kind lebt zu gleichen Teilen sowohl beim Vater wie auch bei der Mutter – hätten wir dieses Thema nämlich gar nicht.

Lass uns daher mal näher hinschauen.

Was stört dich jetzt genau – und wovor hast du Angst?

Je diffuser deine Ängste, Unsicherheiten und dein Frust sind, desto größer und realer werden sie mit der Zeit.

Darum lade ich dich ein, deinem Tiger jetzt mal genau in den Rachen zu schauen – vielleicht trifft ja das eine oder andere Beispiel auf dich und deine Situation zu:

  • Findest du selbst keine Zeit mehr, um Spaß mit dem Kind zu haben, weil du alles perfekt im Griff haben willst und dadurch in Arbeit erstickst?
  • Fühlst du dich allein und wärst viel lieber mit dabei – so wie früher, als die Welt noch in Ordnung war?
  • Vielleicht bist du sogar eifersüchtig auf die Liebe zwischen deinem Ex und Eurem Kind?
  • Befürchtest du, dass diese Bindung intensiver wird und irgendwann mal stärker ist als das Band zwischen dir und deinem Kind?
  • …oder denkst du gar, das ist immer noch wie früher, als sich der feine Herr auch schon vor der Arbeit am Baby gedrückt hat?

Gerade am Anfang des Getrenntlebens, wenn man sich als Elternpaar neu definieren muss, ist es durchaus verständlich und normal, wenn Gefühle der verdrängten Wut oder Enttäuschung über den Ex-Partner immer wieder aufploppen.

Und diese Wut ist oft so hinterlistig, dass sie sich versteckt und maskiert – etwa als Angst, sein Kind an den Ex-Partner zu verlieren.

Das Blöde dabei ist nur: Diese Ängste schaden dir.

Wenn du erkennst, dass sich deine Emotionen auf diese Weise entwickeln, ist es Zeit für einen Realitäts-Check.

Tatsache ist: Man kann als alleinerziehende Mutter nicht beide Elternteile ersetzen. Es haben schon viele versucht, und es geht verdammt oft schief. Du hast eine viel bessere Ausgangsposition: Du hast einen Papa an der Hand, der sich die Zeit nimmt. Okay – du denkst vielleicht, er hat es einfacher, weil das Kind sich so sehr auf ihn freut, dass es schon handzahm ist. Trotzdem kannst du dich sehr, sehr glücklich schätzen, dass er greifbar ist und sich engagiert.

Gibt es außerdem eine schönere Vorstellung, als dass sich das Kind am Papa-Wochenende einen Wolf freut und viel lacht?

Was wäre die Alternative? Dagegen zu schießen würde euch alle nur zu Verlierern machen und um eine schöne Beziehung bringen: Dich um eine harmonische Elternbeziehung zum Ex, dein Kind um eine wunderbare Beziehung zum Vater.

Schaff dir ein Gegengewicht: Gerade wenn du unter der Woche viel Arbeit hast, verschaff auch dir die vielgerühmte „Quality Time“ mit deinem Kind. Ihr habt ja die jeweils anderen Wochenenden miteinander! Versuch, den Alltag von diesen Wochenenden fernzuhalten. Also nicht unbedingt bügeln, putzen, stundenlang kochen, sondern mehr Zeit dafür aufwenden, was dein Kind gerne mit dir macht.

Bei uns ist es zum Beispiel viel Zeit zum Kuscheln und Vorlesen, für Brettspiele und fürs Tanzen. Letzteres macht mein Sohn meines Wissens nach nie mit seinem Papa. (Ha!)

Ich möchte dir außerdem von Herzen eins mitgeben: Dein Band zu deinem Kind ist so ungleich viel stärker als alles andere auf der Welt. Da müsstest du wirklich viel versemmeln, bis das mal bricht!

Und was bedeutet so ein Spaß-Papa-Wochenende fürs Kind?

Stell dir vor, du darfst einen geliebten Menschen nur jedes zweite Wochenende sehen. Und dann ist es da. Endlich! – Sogar inklusive Tapetenwechsel. Wie in einem kleinen Urlaub erholt sich die Kinderseele vom Wochenstress. Ist es nicht wundervoll, dass es diese Möglichkeit zum Auftanken hat?

Ich habe mir oft überlegt, dass eigentlich (nicht hauen!) eine solche Situation sogar ein Riesenvorteil gegenüber intakten Familien sein kann: Denn deren Väter stehen in der Regel nicht am Wochenende zu 100 % nur den Kindern zur Verfügung, sondern sind stark in Familienpflichten eingebunden. In welcher Familie kümmert sich der Vater schon zwei Tage rund um die Uhr um die Kinder, während Mama gepflegt zum Shopping, ins Studio oder einfach mal 12 Stunden am Stück fernsehen kann?

Na?

Noch ein wichtiger Aspekt: In meinem Fall ist mein Ex ein super Kontrast zu mir. Er sieht vieles so locker, und ich will immer alles richtig machen – die Papa-Wochenenden bieten unserem Kind die Möglichkeit, in zwei völlig unterschiedliche Welten abzutauchen.

Last but not least:

Ich weiß, das ist nicht leicht, besonders wenn die Trennung im Moment in einer schwierigen Phase steckt, trotzdem: Wir müssen lernen, loszulassen. Was dein Ex mit Eurem Kind am Wochenende macht, ist seine Sache. Du willst ja auch nicht, dass er dir reinredet.

Ein engagierter Papa will – wie du selbst – das Beste für euer gemeinsames Kind. Ich finde es wichtig, sich daran immer wieder zu erinnern – du wirst merken, wieviel leichter Eure Elternschaft mit der Zeit wird.

Zum Abschluss noch ein kleiner Trick aus dem Nähkästchen: Einmal, als mein Bub nach einer unglaublich anstrengenden Woche mit viel Getöse und Streit zwischen uns von seinem Papa abgeholt wurde, habe ich ihm zum Abschied leise ins Ohr geflüstert „Viel Spaß – und erhol dich gut von mir!“ und für mich in Gedanken noch hinzugefügt „Und ich erhol mich von dir…“

🙂

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