So gehst du mit deiner Enttäuschung am besten um | Midlife-Boom.de
27. März 2018

So gehst du mit deiner Enttäuschung am besten um

Enttäuschung akzeptieren

Ich starte mit dem aktuellen Blogpost eine kleine Reihe über Gefühle und wie du mit ihnen am besten umgehst. Denn nach einer Trennung ist jede Menge los bei uns Müttern mit schwierigen Ex-Partnern: Von der Enttäuschung und Frustration hin zur Wut, Angst und Einsamkeit.

Ich fange mit der Enttäuschung an, weil sich das Gefühl harmloser anhört als es eigentlich ist. Abgrundtiefe Enttäuschung kann dich nämlich unvorhergesehen und überraschend mit großer Wucht treffen, falls du bis dahin noch nicht wusstest, dass dein Ex eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat.

Die Lügen

Selbst wenn du vorher nur eine leichte Ahnung hattest, dass dein Ex möglicherweise ein Narzisst ist, so wird es dich ungläubig vor Gericht oder dem Mediator oder dem Jugendamt den Mund offenstehen lassen, wenn du Zeugin von unglaublichen Lügen wirst.

  • Wie viel er sich vorher immer um das Kind gekümmert hat. (Hä?)
  • Dass er immer einkaufen gegangen ist, während du nur auf dem Sofa lagst.
  • Dass er nie selbst entscheiden durfte, sondern nur das gemacht hat, was du wolltest. (Schön wär’s ja gewesen).
  • Dass du viel zu gluckig bist und dich als die einzig wahre Bezugsperson des Kindes siehst (dabei drehst du deinen Terminkalender genau nach seinen Umgangszeiten) und du ihm das Kind vorenthältst. Dabei sagt er jedes zweite Umgangswochenende ab oder engagiert ständig seine Mutter.
  • Dass er so viel für das Baby gekauft hat (dabei warst du das).
  • … (fill in the blank)

Du schüttelst nur noch fassungslos den Kopf. Und das war mal dein Traummann? Mit dem du süße Ziele vom großen Familienglück und einer tollen Zukunft schlechthin hattest?

Der jetzt ohne Rücksicht auf deine Gefühle auf dir herumtrampelt, und das auch noch vor Fremden?

Obwohl du ihm gar nichts getan hast? (Außer ihn zu verlassen…zumindest warst du dabei nicht böswillig sondern besonders bemüht, das so behutsam und rücksichtsvoll wie nur irgendwie möglich zu gestalten.)

„Vielleicht hat er ja etwas falsch verstanden? Vielleicht muss man ihm ja nur erklären, dass…“ denkt dein empathisches Herz, was nicht einsehen will, welcher wahre Typ da neben ihm sitzt.

Schon versuchst du zu erklären, zu korrigieren, zu rechtfertigen. Und machst dich damit immer schwächer vor anderen.

Was dem Ex sehr zugute kommt.

Das erlebst du ein-, zweimal. Spätestens beim dritten Mal wirst du einsehen, dass er immer wieder irgendwelche Lügen auftischen wird. Dass er sie sich so lange einredet, bis er sie selbst glaubt und dadurch sehr überzeugend auftritt.

Das wirst du nicht verhindern können. Ganz im Gegenteil – du darfst sogar darauf wetten.

Also: Stell dich darauf ein. Erwarte das Unglaublichste. Erwarte souverän vorgetragene, für Unbeteiligte ziemlich glaubwürdige Lügen, die zudem auch noch gut in eine Schublade passen.

Weil man gerade so viel liest über Alleinerziehende, die am Rad drehen. Oder Mütter, die ins Ausland geflüchtet sind, um ihre Kinder vor dem Vater zu schützen. Oder weil gerade die Debatte wieder so hochkocht, dass ein Kind Mutter und Vater braucht.

Umso wichtiger ist dein Anwalt in diesem absurden Spiel. Er ist dein Verteidiger, im wahrsten Sinne des Wortes. Lass ihn für dich sprechen. Deshalb ist es auch so verdammt wichtig, dass er die richtige Rhetorik hat, um dem Richter zu aufzuzeigen, was gerade passiert!

Du bist der Spiegel

Lass dich also nicht mehr überraschen. Akzeptiere die Tatsache, dass dein Ex lügen wird wie gedruckt, um sein Ziel zu erreichen. Narzissten müssen immer gewinnen, du weißt das mittlerweile, oder?

Akzeptiere außerdem, dass du ihn niemals überzeugen kannst (jedenfalls nicht dauerhaft und nachhaltig), geschweige denn, dass er sich jemals ändern wird. Oder dass er gar einsichtig wird, weil er doch lautstark das Beste für die Kinder will.

Oft fühlen wir uns verständlicherweise gekränkt und zutiefst verletzt. Dabei solltest du dir bei aller Lügerei klarmachen, dass eigentlich nicht du als ehemalige Partnerin und Mutter seiner Kinder angegangen wirst.

Sondern dass du als Spiegelhalter fungierst und er seinen Hass, seine Ängste, seine Frustrationen und seine große Wut seinem eigenen Spiegelbild zuspricht.

Dementsprechend brauchst du dich eigentlich nicht persönlich angegriffen zu fühlen. Denn er sieht dich ja nicht als Person, sondern nur sich selbst!

Dann wird dir auch klar, warum er dir ausgerechnet die Dinge ankreidet und darüber Lügen erzählt, die dir ganz besonders wichtig waren und über die Ihr früher immer gestritten habt!

 

Wie kannst du nun am besten mit der Enttäuschung umgehen?

Ach, ich weiß, es ist sooo schwer, dieses Thema rational zu erfassen!

Betrachte deine Enttäuschung eher als Weckruf. Wenn du früher besonders leichtgläubig gewesen bist, lehrt dich diese Erfahrung, vorsichtiger zu werden und zukünftig besser auf dein Bauchgefühl zu achten.

Gleichzeitig kannst du tiefer in dich hineinhorchen. Je nachdem, welche Lüge dich jetzt ganz besonders verletzt hat, ist das ein guter Hinweis darauf, welche Werte dir wichtig sind und welche so fundamental verletzt wurden.

Zu meinen wichtigsten Werten gehören vor allem die Ehrlichkeit und Loyalität in einer Beziehung. Klar haben mich die Lügen vor Dritten entsprechend überrascht. Mein fassungsloser Blick sprach sicherlich Bände!

Enttäuschende Situationen kommen sicherlich immer wieder mal auf. Aber erst dann, wenn es dir wirklich egal ist, was dein Ex sagt oder macht, weißt du, dass du am Ziel angekommen bist.

Enttäuschung ist ja vor allem auch die Erfahrung, in den Erwartungen getäuscht worden zu sein. Meine Frage an dich würde daher lauten: Welche Erwartungen hast du denn noch an deinen Ex?

  • Dass er fairer mit dir vor Gericht umgeht?
  • Dass er irgendwann mal einsehen wird, dass das, was er vorhat, für die Kinder grottenschlecht ist?
  • Dass er sich gar bei dir entschuldigt für alle Verletzungen?

Das wird nicht passieren. Punkt.

Je eher du das begreifst und akzeptierst, umso leichter kannst du deine Erwartungen selbst managen und loslassen. Das geht sogar auch ohne Aggressionen dabei zu entwickeln.

Was war deine größte Hoffnung bislang, und wie bist du mit der verbundenen Enttäuschung umgegangen? Teile es mit den anderen Müttern in den Kommentaren.

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