Ja, narzisstisch-toxische Ex-Partner können uns Mütter fertigmachen. Je nach Ausprägung ihrer Persönlichkeitsstörung mit einer unvorstellbaren Zerstörungswut.

Ich habe eine Zeitlang geglaubt, ich hätte in meinem Ex-Partner, dem Vater meines Sohnes, meinen „Meister“ gefunden. Schließlich gab es vor ihm auch eine Reihe von Männern, die ich rückblickend gleichfalls als narzisstisch gestört bezeichnen würde, mit wenigen, wenn auch mutmachenden Ausnahmen.

Dieser Mann wurde mir offensichtlich geschickt, damit ich die Lektion endlich mal begreife, was mir die anderen vor ihm vergeblich beizubringen versucht hatten.

Nachdem ich mittlerweile mit einigen Kundinnen im privaten Coaching gearbeitet und auch eine Reihe von Geschichten aus meiner Starken-Mütter-Gruppe auf Facebook mitbekommen habe, muss ich zugeben, dass ich noch einen „milderen“ Typen erwischt habe.

Boah, es gibt aber auch kranke Exemplare da draußen!

 

Ich war damals nach der Beziehung ein Häuflein Elend

Ich war 42 Jahre alt, als ich mit unserem einjährigen Sohn auszog, und emotional vollkommen am Ende.

Ich fühlte mich unsicher, verzweifelt, traute meiner Wahrnehmung nicht mehr, stellte alles in Frage, woran ich glaubte. Vor allem aber stellte ich mich selbst in Frage.

  • Was war falsch mit mir?
  • Wieso zog ich diese Typen an?
  • Wie konnte ich das alles zulassen, was er mir antat?
  • Wieso habe ich nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen?
  • Wieso hatte ich nicht meinem Bauchgefühl vertraut?
  • Was, wenn er recht hat – und ich bin ein Nichts?

Ich war geradezu regrediert, sprich ich hatte mich in meiner Persönlichkeit zurückentwickelt zu einem mentalen Stand, den ich davor zum letzten Mal mit Anfang 20 gefühlt hatte.

Für mich allein schon ein Unding! Für mich war schon immer bedeutend, mich weiterzuentwickeln. Zu wachsen. Nicht unbedingt „perfekt“ zu sein – aber immer besser in dem zu werden, was ich tue und denke.

Als ich den Kindsvater mit Ende 30 kennenlernte, war ich auf dem Zenit meines bisherigen Lebens gewesen – zumindest fühlte es sich so an (verglichen mit heute bin ich von diesem Stand nochmals um gefühlte 1000 Meter weiter nach oben geklettert 🙂 ).

Ich fühlte mich stark, unbesiegbar, mutig und unglaublich selbstbewusst. Ich war eine fröhliche Frau, die neugierig immer mal wieder ihre Grenzen versetzte und Neues ausprobierte.

Ich verdiente gut in der IT-Branche als Consultant und Trainerin, machte nebenher meine Ausbildung zum Coach und hatte erste, äußerst schöne Coachingerfahrungen. Dazu machte ich meinen Motorradführerschein, lernte sehr nette Menschen kennen und erkundete allein oder mit meinen neuen Freunden die Alpen.

Ich fühlte so ähnlich wie jemand, die gerade ihr Studium abgeschlossen hat und die Welt aus den Angeln herauszuheben bereit ist!

Ich war also unterm Strich geradezu prädestiniert dafür, zur Beute eines Narzissten zu werden.

Denn zu dem Zeitpunkt hatte das Wesentliche noch gefehlt: Das Wissen um meine eigene Hochsensibilität. Auch war ich meinen eigenen, grundlegenden Bedürfnissen nur sehr oberflächlich bewusst.

Ich war also hochgradig attraktiv für andere Projektionen. Und so kam es, wie es kommen musste.

Der Anfang vom Ende dieser Stärkephase wurde eingeleitet. Nach der umwerfenden, hinreißenden, trunkenmachenden Love Bombing Phase folgten sehr schnell die ersten Erschütterungen.

Streitereien, die ich nicht nachvollziehen konnte und mit Argumenten, die ich nicht fassen konnte. Unglaubliche Stimmungsschwankungen von jetzt auf nachher. Alles wurde immer unberechenbarer. Seine Launen definierten meinen Alltag. Sein Terror, seine Abwertung, seine Manipulationen fanden einen nahrhaften Boden in mir, wo eigentlich ein gesundes Selbstwertgefühl hätte sitzen sollen.

Und ja, aber sicher doch: Du kannst in Phasen deines Lebens sehr selbstbewusst sein und doch einen unterirdischen Selbstwert haben! Vor allem, wenn du in deiner Kindheit nicht gespürt hast, dass du geliebt wirst, und zwar genau so, wie du bist. Du kannst zwar alles irgendwie drum herum bauen, aber es bleibt immer fragil und kann jederzeit einstürzen, da die stabile Basis nicht vorhanden ist.

Aber das war mir damals einfach noch nicht offensichtlich genug.

Als ich dann schließlich an meinem 42. Geburtstag meiner Freundin um den Hals fiel und hemmungslos weinte, musste ich mir eingestehen, dass von meiner Stärke, meiner Lebensfreude und meinem Mut nach 3,5 Jahren Beziehung mit einem Narzissten nichts mehr vorhanden war.

Dieser schlimme emotionale Zustand beschränkte sich selbstverständlich nicht nur auf meine private Situation. Ich nahm die Hilflosigkeit und Verwirrtheit mit in meinen Job.

Ich hatte alptraumhafte Meetings in der europäischen Zentrale in London meines Arbeitgebers (in der Vergangenheit wunderbare Gelegenheiten für mich zu brillieren), nach denen ich noch im Konferenzraum zu heulen anfing. Ich dachte nur daran, was mein Ex mir wieder höhnisch vorhalten würde, wenn ich am Abend nach dem Flug zu spät kam, um das Kind abzuholen.

Ich konnte auch keine neuen Bekanntschaften schließen, denn wenn ich den Mund aufmachte, um zu erklären, warum ich mit einem Kleinkind alleinerziehend bin, rutschte ich in die Rechtfertigung und konnte doch das Ungeheuerliche nicht erklären.

Unterm Strich kam Drama und Opfer beim Gegenüber an. Und diese/r ging dann auch gleich auf Distanz. Egal, ob es sich um eine Kindergarten-Mama oder um die Nachbarin handelte.

Ich glaube, das Schlimmste in dieser Zeit war für mich die gefühlte Hilflosigkeit, etwas, was ich von meinem Selbstbild her überhaupt nicht kannte.

 

Ich – ein Opfer????

Ich, die immer genau wusste, was sie wollte?

Ich, die schon als kleines Kind einen großen Willen und Zähigkeit zeigte?

Ich, die Macherin?

Ich, die bislang immer geschafft hat, was sie sich einmal vorgenommen hat?

Und vor allem: Ich, die immer eine Lösung findet, egal, in welcher schwierigen Lage sie bislang steckte?

Dieser Widerspruch – und da wette ich mir dir – konnte jeder in meinem Umfeld spüren.

Denn natürlich war ich kein Opfer! Ich fühlte mich nur so.

Verwirrt durch die Gehirn- und Emotionswäsche des Narzissten.

 

Ich bin kein Opfer gewesen, denn ich hatte vorher meine Hausaufgaben nicht gemacht

Ich hatte mich nicht mit den Lektionen beschäftigt, die mir immer wieder vor die Füße gelegt wurden: Ich arbeitete nicht aktiv an meinem Selbstwert, sondern nur an Äußerlichkeiten, die mir oberflächliches Selbstbewusstsein verschafften. Aber den Kern nicht veränderten.

Ich hatte selbst die Entscheidung getroffen, mit dem Narzissten eine Partnerschaft einzugehen. Ein Kind zu zeugen.

Niemand hat mich dazu gezwungen, mich mit ihm ein zweites Mal zu treffen. Niemand hat mich gezwungen, mit ihm zusammenzuziehen. Ich wurde nicht vergewaltigt, und ich habe mich nicht zum Austragen des Kindes gezwungen gefühlt.

Ich übernehme daher die volle Verantwortung für die Situation.

Muss ich mich daher geißeln und mit mir hadern, wie dumm ich damals wohl gewesen sein muss?

Nein.

Menschen dürfen Fehler machen. Ich darf Fehler machen. Du darfst Fehler machen. Allein Mensch zu sein impliziert schon, dass Fehler gemacht werden!

Fehler bringen uns weiter. Sie helfen unserer Entwicklung auf die Sprünge.

Jetzt gibt es simple Fehler – ein Typo! – oder auch dramatische Fehler – wie der letzte Narzisst in deinem Leben.

Aber all das macht dich nicht zum Opfer, und deshalb solltest du dich auch nicht so fühlen.

Übernimm die Verantwortung für diese Erfahrung und vergib dir selbst.

Sobald du die Verantwortung für die jetzige Situation übernommen hast, bist du frei. Denn du kannst danach sofort entscheiden, auch die Verantwortung für deine Zukunft wieder zurückzuerobern.

Indem du Schritt für Schritt deine Handlungsvollmacht erweiterst. Auslotest, was du selbst wieder kontrollieren kannst. Ausschau darüber hältst, welche Möglichkeiten dir noch offenstehen.

Jeder Mensch, der dich nicht mehr als Opfer betrachtet, tut dir einen Riesengefallen. Jeder Mensch, der dir sagt: „Ok, da hast du ja einen schönen Bock geschossen. Was kannst du jetzt tun?“ ist ein Geschenk des Himmels für dich.

Denn dieser Mensch ermächtigt dich. Er glaubt tief und fest daran, dass du dein Leben wieder selbst managen kannst. Dass du die volle Kontrolle hast, auch wenn du sie jetzt noch nicht in ihrer Klarheit siehst und erfährst.

Das muss nicht heißen, dass der Mensch dein Leid nicht sieht und kein Verständnis dafür hat, dass der Ex übel mit dir umgegangen ist. Liebevolle Anerkennung und Ermutigung, selbst die Zügel wieder zu übernehmen, schließen sich nicht aus.

Wenn dir jetzt kein Mensch einfällt – lass mich diese Rolle in deinem Leben übernehmen.

Wie siehst du das? Ich freue mich auf deinen Kommentar weiter unten.