Immer mal wieder wurde ich von Müttern angesprochen, ob ich nicht eine Trennungs-Checkliste für sie hätte. Bitte schön – there you go.

Mütter, die die Trennung noch vor sich haben, fragen sich oft bang:

„Wie soll ich das nur alles hinkriegen? Er ist so gemein zu mir, ich habe echt Angst, dass er mir die Kinder wegnehmen könnte. Nach allem, was ich in den Müttergruppen und -foren so gelesen habe, passiert mir das sicher auch!“

Wenn du schon eine Weile bei mir mitliest, dann hast du schon einen ersten Eindruck darüber bekommen, wie es manchen Müttern nach einer Trennung ergehen kann.

Ich hoffe trotzdem, dass du außerdem erkennst, dass wir damit umgehen lernen können. Denn ich möchte ja gerade dadurch, dass ich darüber schreibe, die Angst davor wegnehmen.

Letztlich wirst du erst in ein paar Jahren wissen, was dich erwartet hat. Aber der Weg zur Freiheit von emotionalem Missbrauch ist nun mal auch mit einem mutigen Sprung aus der Komfortzone – dem, was du schon kennst, auch wenn es schlecht ist – überhaupt erst möglich.

Ich möchte dich unbedingt dazu ermutigen zu gehen, sofern du einen toxisch-narzisstischen Mann und Partner hast.

Um deine aktuelle Beziehung zu analysieren, habe ich vor längerer Zeit diesen Blogartikel geschrieben. Damit wir beide von einem gemeinsamen Verständnis davon ausgehen, was ich unter einer toxischen Beziehung verstehe.

Machen wir uns nix vor: So schlecht es dir gerade auch gehen mag – das ist deine aktuelle Komfortzone. Alles außerhalb dieser Komfortzone bedeutet Veränderung. Bedeutet Kraftaufwand. Energie. Auch Verlust – von Nachbarn, Freunden, gehobenem Lebensstil.

Auf der anderen Seite der Komfortzone und deiner jetzigen Grenze erwarten dich aber auch Gewinn, Stärke, Selbstliebe und Wachstum! Nicht zu vergessen: seelische und damit auch körperliche Gesundheit.

Das ist es wert. Unbedingt.

Ich möchte dir mit diesem Artikel deine Trennungs-Checkliste an die Hand geben, damit du klarer siehst, was alles genau ansteht, und damit du die größten Fehler nach der Trennung vermeidest.

 

1)   Triff deine Entscheidung zu gehen

Nicht in einem halben Jahr, wenn sein Geburtstag / Euer Hochzeitstag / deine Elternzeit oder was auch immer rum ist. Triff sie diese Woche.

Warum nicht gleich heute? Warum liest du diesen Artikel, hmm?

Du kennst die Antwort.

 

2)   Suche dir einen guten Anwalt / eine gute Anwältin

Sobald du die Entscheidung getroffen hast zu gehen, suchst du dir zuerst bitte einen guten Rechtsbeistand. Dabei reicht es nicht, dass du lediglich jemanden suchst, der auf Familienrecht spezialisiert ist.

Du brauchst jemanden an deiner Seite, der oder die sich mit toxischen Gegnern auskennt.

Nimm dir genügend Zeit für das Kennenlernen. Ich habe in diesem Blogartikel einmal zusammengefasst, worauf du bei der Anwaltssuche achten solltest.

Nutze die Zeit, in der noch kein Gerichtstermin ansteht, um in Ruhe einen guten Anwalt zu finden. Wenn dein Ex erst einmal einen Eilantrag gestellt hat, weil er verhindern will, dass du ausziehst, musst du innerhalb kürzester Zeit reagieren können.

Und nein, du eskalierst damit nicht von dir aus eine eventuell harmonisch verlaufende Trennung!

Machen wir uns nix vor: Solltest du tatsächlich einen toxischen Partner haben, dann wird es keine harmonische und einvernehmliche Trennung geben – maximal gibt es eine Ruhe vor dem Sturm. Du kannst dich noch so sehr bemühen und alles tun, was er sagt, damit er Ruhe gibt – aber das wird er nicht.

Also lass dich weder einschüchtern noch aufstacheln – denn auch das ist kontraproduktiv.

Ich möchte dich lediglich dafür sensibilisieren, damit du smart und mit Bedacht und Planung vorgehst.

Du willst ihn nicht in die Pfanne hauen. Du willst ihn nicht über den Tisch ziehen. Du willst dich auch nicht bei ihm rächen für all das, was er dir angetan hat. Du willst ihm auch nicht die Kinder wegnehmen oder deren Beziehung zu ihm unterminieren.

Dein Ziel sollte es sein, dass du möglichst keine Fakten schaffst, die er später vor Gericht ausschlachten könnte.

Und da ist eine gute Rechtsberatung das A und O von Anfang an.

 

3)   Fange ab sofort an, einzelne Vorkommnisse mit ihm kurz und knapp aufzuschreiben.

Und zwar hauptsächlich bezogen auf das Kindeswohl und nicht, was er dir alles so verbal an den Kopf wirft.

Wenn er dich schlägt, erstattest du selbstverständlich sofort Anzeige und lässt die physischen Verletzungen in einem Krankenbericht dokumentieren.

Zwar wird das keine Auswirkungen darauf haben, ob er Umgang mit dem Kind bekommt oder nicht, aber du hast auf jeden Fall gewichtige Argumente, falls Impulskontrolle eins seiner größten Probleme ist.

Wenn du also mit dem Dokumentieren anfängst, dann schreibe dir eher auf, wie er mit dem Kind umgeht. Kümmert er sich? Wann ist er unterwegs, wann daheim? Wie nimmt er seine Vaterrolle wahr? Wie geht er auf das Kind und seine Bedürfnisse ein? Woran erkennst du seine narzisstischen Züge bezogen auf das Kindeswohl?

Überlege dir am besten gleich ein System und eine Struktur für die Dokumentation.

 

4)   Suche dir eine Wohnung

Selbst auszuziehen ist einfacher und geht schneller als ihn rauszusetzen. Schau, was möglich und realistisch ist. Natürlich kannst du auf Wohnungszuweisung der gemeinsamen Wohnung klagen – das kostet allerdings viel Kraft und Nerven.

Eine neue Wohnung hat auch den Vorteil, dass du komplett neu anfangen kannst und die Räume „rein“ sind von jeglichen toxischen Erlebnissen.

Such dir aber eine Wohnung, die nicht in unmittelbarer Laufdistanz liegt. Sonst machst du dem Wechselmodell Tür und Tor auf (es sei denn, du willst es so haben, dein Kind ist schon älter, und dein Ex hat sich auch vorher viel ums Kind gekümmert.)

Ein Wechselmodell mit einem toxischen Ex-Partner ist fürwahr kein Zuckerschlecken, daher solltest du diese Problemdimension deiner Zukunft unbedingt vermeiden.

In einer großen Stadt mit akutem Wohnungsmangel sollte es kein Problem sein, eine weiter entfernte Wohnung später gut verargumentieren zu können.

 

5)   Stimm dich mit deinem Anwalt unbedingt darüber ab, wann du deinem Mann Bescheid gibst, dass du dich trennst

Das ist wichtig, denn beim gemeinsamen Sorgerecht hat dein Noch-Mann ein Mitspracherecht, was die Mitnahme des Kindes angeht. Dein Anwalt sollte dich hier gut über deine rechtlichen Möglichkeiten beraten können.

Du hast das alleinige Sorgerecht, und Ihr seid nicht verheiratet? Dann plane den Auszug zur Not heimlich und stell ihn vor vollendete Tatsachen.

Dein Schutz vor ihm steht an oberster Stelle. Viele Narzissten drehen noch mal so richtig auf, wenn sie wissen, dass die Frau es ernst meint.

Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?

Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft. 

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6)   Mach dir ein klares Bild über Eure Finanzsituation

Stell bitte sicher, dass er nicht an dein eigenes Geld kommt. 

Stell außerdem sicher, dass du Kopien der Unterlagen hast, die Eure gemeinsamen Vermögenswerte beweisen. Und mache Kopien Eurer Steuererklärungen und seiner letzten Gehaltszettel.

Im Fall eines gemeinsamen Sparkontos besprich mit deinem Bankberater, dass er das Konto nicht allein abräumen kann.

Wenn, dann überweise deine Hälfte des Geldes (du räumst das Konto natürlich ebenfalls nicht komplett ab!) an dem Tag, an dem du es ihm sagst, dass du dich trennst.

Ich finde es sehr wichtig für deine spätere Integrität vor Gericht, dass du hier keinerlei Racheaktionen über das Geld startest.

Sei smart, aber stell dich nicht mit ihm auf die gleiche Stufe. Klar würde er das umgekehrt tun, ohne dabei mit der Wimper zu zucken!

Aber du nicht. Und du hast dann auch deinen inneren Frieden.

Spätere Gerichtsverhandlungen werden mit einem toxischen Kindsvater kein Spaziergang. Geld sollte kein Trigger sein, um ihn vor Gericht zu zitieren und ihm damit zu zeigen, wo der Hammer hängt, und dass er bei dir auf Granit gebissen hat.

Wenn es sich um ein besonders malignes Exemplar handelt, dann ist es so, als ob du die Büchse der Pandora öffnest.

Lass es besser. Wähle deine Kämpfe weise, und hebe dir deine Energie für die Prozesse auf, in denen es um alles geht – nämlich um deine Kinder.

Was – wie ich oben erwähnte – nicht heißen soll, dass du im vorauseilenden Gehorsam dir die komplette Butter vom Brot nehmen lässt!

Smartes Vorgehen mit Verstand und Herz ist deine Strategie der Wahl.

 

7)   Ab sofort wird eisern gespart!

Anwälte und Gerichte und Gutachten sind teuer. Von der neuen Wohnungseinrichtung mal ganz abgesehen. Schau, wie du deinen Lebensstil vorübergehend aktiv minimieren kannst, um Geld zu sparen.

Merke: Es macht mental gesehen einen Riesenunterschied, ob du dich aktiv dafür entscheidest, vorübergehend deinen Standard bewusst herunterzuschrauben, oder ob du durch ihn später dazu gezwungen bist!

Klar wirst du davon ausgehen müssen, dass das Leben jetzt an sich teurer wird, wenn du dich allein um die Kinder kümmern und alles allein tragen musst. Ist die Trennung erst einmal hinter dir und der erste Prozess überstanden, kommt ein Schritt nach dem anderen.

Dann kannst du dich zu einem späteren Zeitpunkt darauf konzentrieren, deine Finanzen auf eine solidere Basis zu stellen und auch wieder langsam den Lebensstandard erhöhen.

Nur im Trennungsjahr solltest du dir eine strenge Geld- und Haushaltsdisziplin auferlegen:

  • Keinen Tinnef kaufen!
  • Keine zusätzlichen Konsumschulden machen!
  • Keine neuen Klamotten für dich kaufen, sofern es die alten noch eine Saison machen.
  • Geld auf das Sparpolster legen.
  • Und zuschauen, dass du im Job gut dastehst, damit du zu einem späteren Zeitpunkt – je nach Alter der Kinder – wieder mehr Stunden arbeiten kannst.

 

8)   Organisiere den Auszug

Stimm dich dazu mit deinem Anwalt ab. Wichtige Unterlagen sind schon längst bei ihm oder in der neuen Wohnung.

Frage deine Freunde und Eltern, ob sie dir beim Umzug helfen können.

Wenn du genug Geld auf der hohen Kante hast, dann frage bei einem professionellen Umzugsunternehmen an. Die kennen sich ganz bestimmt aus mit solchen Situationen, und die können dich dann auch im Vorfeld beraten, was du wie am besten tun kannst.

Neutrale, kräftige Profis an der Seite zu haben kann unglaublich beruhigen, gerade, wenn dein Soon-to-be-Ex beim Auszug dabei sein sollte.

 

9)   Richte deinen neuen Alltag ein

Gleich nach dem Umzug schaust du, welche neuen oder auch alten Rituale deinem Kind dabei helfen, die neue Situation besser zu bewältigen. Wenn dein Kleinkind noch gestillt wird, solltest du nicht zeitgleich abstillen – das wären zu viele Veränderungen auf einmal.

An Euren Wochenenden erkundet Ihr jedes Mal gemeinsam eine neue Ecke des Viertels. Einen neuen Spielplatz oder auch einen schönen Platz in der Natur. Dazu guckst du dich auch nach einem neuen Verein für das Kind um. Damit bekommt dein Kind leichter Kontakt zu anderen Kindern und du zu anderen Müttern.

Ab sofort gilt dein Hauptaugenmerk auf den Ausbau deines Freundes-Netzwerks.

 

10) Lege dir für die Kommunikation mit dem Ex ein separates Email-Postfach zu

Gewöhne dir gleich an, sachlich zu schreiben, dich nicht zu rechtfertigen und keine Vorwürfe und keine Ironie in die Emails zu packen.

Gemeine Gehässigkeiten von ihm übersiehst du geflissentlich und reagierst nicht darauf.

Dir bleibt eh sehr wahrscheinlich eine Gerichtsverhandlung nicht erspart, auch wenn du nicht mit ihm verheiratet warst, also kannst du dich getrost mental schon einmal darauf einstellen und alles so sortieren, dass du später eine gute Dokumentation vorlegen kannst. Das hilft dir dann auch bei der Vorbereitung.

 

Zum Abschluss

Du bist nach dem Abarbeiten dieser Trennungs-Checkliste schon bestens vorbereitet, dich in die Wogen zu stürzen, falls er es darauf anlegt.

Ich hoffe sehr, ich konnte dir mit diesem Artikel Klarheit geben, wie du am besten vorgehst. Mach dich aber nicht verrückt und denke nicht, dass du jetzt alles perfekt hinbekommen musst.

Du wirst Fehler machen – du bist schließlich ein Mensch! Relax.

Vertrau mir: Du wirst in jeder einzelnen Situation, die da noch auf dich zukommen mag, die beste Entscheidung auf Basis der Informationen treffen, die du zu dem Zeitpunkt zur Verfügung haben wirst.

Hinterher ist frau immer klüger. Du wirst erst in ein paar Jahren die ganze Dynamik rückblickend besser verstehen.

Hab den Mut – nimm dein Leben und das der Kinder jetzt beherzt in die Hand und mach dich auf den Weg!

Nur tu dir einen riesengroßen Gefallen: Geh bitte nicht automatisch davon aus, dass es dir genau so ergehen wird wie der Susi aus dem einen Mütterforum, die ihre beiden Kinder an den Ex verloren hat.

Auch in meiner Facebookgruppe der Starken Mütter gibt es einige Frauen, die einen echten Faden mit ihrem toxischen Ex durchgemacht haben und mittlerweile jedes Wurmloch in der Wandvertäfelung des Gerichtssaals kennen.

Aber jeder einzelne Fall ist unterschiedlich. Jeder einzelne! Jede Mutter hat ihren Richter, ihren Anwalt, ihren Verfahrensbeistand, ihren Gutachter, ihren gegnerischen Anwalt – und vor allem ihren toxischen Ex. Zusammen ergibt das ein ganz bestimmtes Potpourri, was die betroffene Mutter selbst nicht steuern kann.

Du kannst nur dich selbst steuern und kontrollieren.

Du kannst nur an deiner Haltung arbeiten – nicht an der anderer Leute.

Du kannst an deinen Gedanken arbeiten – und nicht daran, was andere denken sollen.

Du kannst selbst etwas tun – aber nicht die Handlungen anderer bestimmen.

Übrigens: Genauso wenig hat dein Ex dir zu sagen, was du tun sollst.

Wenn du das verinnerlichst, dann bist du schon ein gutes Stück weiter in Richtung Gelassenheit und Souveränität!

 

Erzähl doch unten in den Kommentaren, ob dir die Trennungs-Checkliste hilft oder ob du noch etwas ergänzen würdest. Das hilft dann auch den anderen Müttern, die nach dir kommen. Danke schön!