14. November 2017

Achtung Wutausbruch! Wie du verhinderst, dass dein Fass ständig überläuft

Wenn das Fass überläuft und man Gelassenheit braucht

Kennst du diesen – fast schon süßen – Moment, bevor du dich ihm hingibst? Dem Gedanken „Ich lass jetzt alles los, das muss jetzt sofort raus, sonst werde ich wahnsinnig, jetzt ist Schluss, ich lass mir das nicht mehr gefallen, nun ist Schicht im Schacht“.

Dieser Moment, in dem du nicht mehr reif und erwachsen bist, sondern nur noch das böse Etwas in dir herumwütet und du dem Monster Raum gibst. Es kribbelt dein Rückenmark hoch und betäubt alles andere.

Ich erzähle dir jetzt bestimmt nicht, dass das schon okay ist.

Aber ich weiß genau, wie das ist.

Und gerade deshalb erwarte ich von dir, dass du dich beherrschst.

Du bist jetzt in einer schwierigen und herausfordernden Lebensphase mit einer frischen Trennung und einem oder zwei kleinen Kindern und weißt gerade nicht, wie es in deinem Leben weitergehen soll. Mein Herz ist bei dir!

Trotzdem: Du musst dahin kommen, dass du dem Gefühl des Ismirjetztallesegaldasmussjetztrausundbesserduduckstdichjetztichhabedie
Schnauzevollvondir! eben nicht nachgibst!

Das ist deine Hauptaufgabe in den nächsten Monaten.

Das gilt ganz besonders, wenn sich deine Wut gegen deine Kinder richtet. Das weißt du, und das liegt dir eh schon tonnenschwer auf den Schultern, stimmt’s? Ein ziemlich dunkles Kapitel im Alleinerziehenden-Alltag, aber es bringt hier nix, wenn wir es verleugnen.

Auch gegenüber deinem Ex musst du dich unbedingt beherrschen lernen.

Doch, das geht!

Gerade mit einem mutmaßlich narzisstischen Ex solltest du dir keinerlei Wutausbruch gönnen. Zum einen befriedigst du damit seinen Energiebedarf und zum anderen schwächst du dich selbst enorm, falls es Augen- und Ohrenzeugen dabei gibt.

Von der anschließenden Scham mal ganz zu schweigen.

 

Wenn eins zum anderen kommt

Je erschöpfter du bist, je verzweifelter, je bedrängter du dich fühlst – umso mehr steigt die Gefahr, dass deine Kinder das an einem stressigen Tag abbekommen werden.

Weil sie die schwächsten Glieder in der Kette sind.

Egal, wie hilflos du dich fühlst – sie sind noch hilfloser, auch wenn deine Kleine gerade gar nicht so den Eindruck macht, sondern ganz vehement auf ihrem Recht besteht, im Winter die Sandalen anzuziehen und der Kindergarten schon in 5 Minuten seine Tore schließen wird.

Es wird also niemand da sein, der verhindert, dass du ausrastest, weil die Kinder dich an den Rand der Erschöpfung gebracht haben und der berühmte letzte Tropfen, der dein Fass zum Überlaufen bringt, gerade aus dem Mund der Tochter tropft.

Wenn du so etwas zum ersten Mal erlebst und du ahnst, dass es wahrscheinlich sein wird, dass so eine Situation noch einmal hochkommt, dann bereite dich darauf vor.

Weiter unten zeige ich dir, wie du das konkret tun kannst.

Übe, trainiere. Schreibe dir Zettel, die du überall hinhängst, damit du dich daran erinnerst, wie du reagieren möchtest.

Diese Phase ist übrigens am schlimmsten im Kleinkindalter.

Du hast Glück, wenn du eine Freundin mit gleichaltrigen Kindern hast, mit der du dich zumindest telefonisch austauschen kannst.

Es gibt auch auf Facebook gute und hilfreiche Gruppen, in denen du dich mit anderen Müttern zu erzieherischen Herausforderungen austauschen kannst.

Klar ist man beschämt, wenn so etwas passiert und man merkt, man hatte sich überhaupt nicht mehr im Griff und war jetzt selbst eine Furie.

Aber Scham hilft dir nicht weiter, eine solche Situation ist immer auch ein Zeichen, dass es dir nicht gut geht und du deine Bemühungen wieder mehr um dich und deine Bedürfnisse kreisen lassen musst.

Damit du achtsamer mit dir umgehst, dich mehr hineinfühlst in das, was du brauchst und nicht in das, was andere von dir erwarten mögen.

Dein Ziel sollte es sein, solche Situationen schon weit im Voraus zu erahnen. Wann wirst du anfällig sein – und wann bist du eher ein Fels in der Brandung?

DA willst du hin.

Weil das Thema Gelassenheit ein so großes Ding für uns Single Mütter ist, habe ich darüber schon einmal in diesem Artikel geschrieben.

Aber ich kann die Vorgehensweise nicht oft genug wiederholen:

  • Reflektiere genauestens die letzte Situation, in der du ausgetickt bist.
    • Was passierte innerhalb der letzten Stunde? Hast du z.B. eine SMS oder Email vom Ex bekommen, in der er dich beschimpft hat?
       
    • Hast du kurz vorher in dein Portemonnaie geschaut und dich gefragt, wie du von dem wenigen Geld noch einkaufen gehen kannst?
       
    • Hast du eine größere Autoreparatur an der Backe, die erledigt werden muss, und du weißt nicht, wie du sie bezahlen sollst?
       
    • Hast du spitze Bemerkungen im Job mitbekommen, weil die Kinder in letzter Zeit oft krank gewesen sind und du deshalb zu Hause bleiben musstest?
       
    • Stehst du in deinem Projekt unter enormen Zeitdruck?
       
    • Hat sich ein vielversprechender Typ, den du neulich gedated hattest, nicht wieder gemeldet?
  • Wie hast du dich in letzter Zeit gefühlt?
     
    • Versuche so genau wie möglich deinen Gemütszustand zu beschreiben
       
    • Wie fühlst du dich auf der Arbeit?
  • Als nächstes schreibst du dir auf, was du tun kannst, wenn solche Trigger wiederkommen (und das tun die Viecher!). Was würde dir in einer akuten Ärgersituation mit den Kindern helfen? Zum Beispiel:
     
    • 3 bis 5x ganz tief Luft holen. Atmen. (Ja, das funktioniert! Nicht lächeln, sondern ausprobieren…)
       
    • Das Zimmer, in dem es sich gerade hochschaukelt, verlassen und dich zurückziehen. Dem Kind sagen: „Ich brauche jetzt kurz eine Auszeit für mich. Ich bin gleich wieder für dich da.“
       
    • Auch gut: Emotionsstufen mit den Kindern vereinbaren, die Ihr in einer ruhigen Minute besprecht. Mit eindeutigen Regeln. Also eine 1 ist super easy peasy, eine 9 ist kurz vor dem Sturm, eine 10 ist schon ein Orkan. Kommuniziere rechtzeitig, wenn du schon auf 8 bist, damit deine Kinder Bescheid wissen. Es sollte für sie und für dich selbstverständlich sein, dass Ihr die Stufen gegenseitig ernst nehmt und Ihr nicht weiter neckt und nervt. Das gilt übrigens auch umgekehrt, wenn dein Kind dir eine 8 signalisiert.
       
    • Denken: Meine Wut hat jetzt überhaupt nichts mit den Kindern zu tun, sondern mit mir und der sch… Email, die gerade gekommen ist. Oder was auch immer.
  • Wenn ein dir bewusster Trigger hochkommt, gehe damit achtsam um und rechne damit, dass du jetzt anfällig und dünnhäutig bist. Klebe dir Marker oder Zettel dorthin, wo du sie sehen kannst, so dass du dich daran erinnerst, was dir in der Situation am besten hilft.
     
  • Hast du dann eine solche Situation wieder einmal überstanden und du bist besser damit umgegangen als beim Mal zuvor, dann schreibe dir das in einem Erfolgs-Notizbuch auf (das solltest du sowieso führen, damit du dir stets vor Augen hältst, was du alles schon leistest und geschafft hast). Schreibe dir darin auf, was funktioniert hat und was nicht.

Fazit

Überlege dir Handlungsalternativen, wenn du noch nicht da bist, wo du sein möchtest. Aber zerfleisch dich nicht: Emotionen – auch negative – gehören einfach dazu, und es ist nur menschlich, dass du in deiner angespannten Lebenssituation, in der gerade dein Kind in deine Achillesferse tritt, die Contenance verlierst und wütend wirst.

Mir geht es in diesem Artikel darum, dass du die Wut beherrschen lernst und sie nicht das Steuer übernimmt.

Du wirst feststellen, dass du mit der Zeit und mit wachsender Gelassenheit das immer besser handhaben wirst. Achte auf dich, auf dein Bauchgefühl und darauf, was dir gut tut.

Mit einer Einschränkung: Hole dir unbedingt ärztliche und therapeutische Hilfe, wenn du merkst, dass du am Rande der vollkommenen Erschöpfung wandelst und du es mit Selbstreflektion nicht mehr allein schaffst!

Allen anderen Single Müttern mit einem erhöhten inneren Stresslevel ist auch bereits mit einem Coaching sehr geholfen.

Du lernst und erlebst in einem Coaching, wie wichtig es ist, dass du dich auf dich und deine Bedürfnisse fokussierst und sie nicht unter den Teppich fallen lässt.

Eine meiner Kundinnen hat das neulich wunderbar formuliert: In den 4 Monaten, in denen wir zusammen gearbeitet haben, ging eine deutliche, positive Veränderung in ihr vor, die auch von ihrer Umwelt bemerkt wurde. Selbst ihre Kinder zeigten sich entspannter und ruhiger. Sie wurde ausgeglichener und lernte, bewusster mit ihren eigenen Wünschen an das Leben umzugehen.

Sie wurde – ja, hört sich banal an, ist aber so – glücklicher.

Es liegt an dir, keine Zeit mehr zu verschwenden und in die Puschen zu kommen. Wie lange willst du noch warten, bis „etwas“ passiert? Wie willst du eine Veränderung erfahren, wenn du nicht beständig übst und lernst? Aus deiner Komfortzone herauskommst? Ja, auch ein gepflegter Wutausbruch ist immer noch innerhalb deiner Komfortzone, sofern du nichts an deinem Alltag und deiner Denke änderst!

Aber: Wer verlässt seine Komfortzone schon freiwillig, wenn nicht jemand im Rücken steht und sanft schiebt?

Ich schiebe dich gern – das ist meine Aufgabe als Coach. Sprich mich an, und wir reden darüber, wie das konkret in deiner Situation aussehen kann.

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