Wenn dein eigenes Kind dich narzisstisch terrorisiert

Jun 28, 2019 | 5 Kommentare

Die schlimmsten Zukunftsvisionen scheinen wahr zu werden, wenn dein Kind auf einmal anfängt, dich genau so zu behandeln wie dein Ex – sein Vater – es früher auch schon getan hat. Mit narzisstischem Terror, sprich emotionaler Erpressung und Nichtakzeptieren gesetzter Grenzen.

Meistens fängt der Stress so in dem Alter zwischen 8 – 11 Jahren an.

Da wird schnippisch geantwortet „Du hast mir gar nichts zu sagen!“, wenn das Smartphone abends vor dem Schlafengehen in den Flur gelegt werden soll und nicht im Zimmer bleiben darf.

Oder es wird nach einem kolossalen Wutanfall, weil das Kind jetzt keine Süßigkeiten mehr essen soll, der Papa angerufen – am besten noch mit Facetime oder Skype, damit auch die Mutter die vertraute Stimme durch die Wände hören kann.

Oder nach einem Streit wird das Kind auf einmal ganz ruhig und sagt mit bestimmter Festigkeit: „Ich rufe jetzt den Papa an und verbringe das Wochenende bei ihm und nicht bei dir.“ Spricht’s und ruft den Papa an, der innerhalb von kürzester Zeit vor der Tür steht und mit triumphierender Miene das Kind abholt.

Oder es erpresst ganz offen: „Papa hat gesagt, dass ich das darf. Wenn ich das hier nicht darf, dann ziehe ich zu Papa.“

Zurück bleiben wir vollkommen am Boden zerstört, ohnmächtig und fühlen uns absolut hilflos.

Der Kindsvater– wir können es uns lebhaft vorstellen – reibt sich natürlich die Hände, weil er einen wunderbaren Beweis für

  1. unsere Unfähigkeit, dem Kind Grenzen setzen zu können oder
  2. unsere Überforderung mit der Erziehung schlechthin oder
  3. die scheinbar größere Liebe des Kindes zu ihm

und damit Munition gegen dich geliefert bekommt. Steckt Ihr dabei gerade beide noch im Gerichtsverfahren, wird es besonders heikel.

Was wird er mit der Information nun wieder anstellen? Wie wird das alles wieder gegen dich gewichtet?

Du bekommst richtig Angst vor dem, was dich jetzt wieder erwartet und vielleicht befürchtest du sogar im schlimmsten Fall dein Kind zu verlieren.

 

Warum dein Kind diesen narzisstischen Terror überhaupt macht

Der Alptraum geht scheinbar nimmer endend weiter, aber dieses Mal von dem Menschen ausgehend, den du geboren hast und zu dem du von Anfang an eine so starke Bindung aufgebaut hast! Das Kind, das du über alles liebst und für das du dich so anstrengst – ihm seine Lieblingsspeisen kochst, auf das Schulbrot achtest und auf ordentliche, saubere Klamotten. Das du vor allem Unbill unbedingt bewahren willst.

Erst recht natürlich vor dem Wechselmodell, für das sich dein toxischer Ex aktuell gerade besonders ins Zeug legt.

Und für dieses undankbare Kind machst du den ganzen Zinnober überhaupt erst mit! Sonst hättest du dich ja längst schon weit, weit abgesetzt!

Natürlich hat das Kind in dem Alter schon längst mitbekommen, wie der Hase zwischen Euch läuft. Kinder sind Opportunisten und versuchen, aus jeder Situation das Beste für sich zu rauszuholen.

Ich meine das übrigens ohne Wertung.

Kinder sind vollkommen unschuldig, wenn sie die Grenzen ausloten.

Bei einem hochkonflikthaften Elternpaar sind die Grenzen vollkommen schwammig – der eine sagt das, der andere jenes. Woran also orientieren? Wer hat Recht?

Egal, es ist auf jeden Fall schwierig. Da ist es doch naheliegend, wenn sich das Kind nur auf eine Frage konzentrriert: Was habe ich davon?

Schließlich ist es doch toll, wenn die Mami springt und immer Eis im Kühlschrank hat, um die Laune am Nachmittag auf einem guten Level zu halten, weil sie schon mitbekommen hat, was es heißt, wenn das Kind übelst gelaunt nicht seinen Willen bekommt.

Ist doch klasse, wenn der Papa stets das neueste iPhone zum Geburtstag kauft, und meint, er könne sich die Liebe zu seinem Kind erkaufen.

Ist doch super, wenn man A-Hörnchen und B-Hörnchen auf Kommando springen lassen kann, weil einem gerade mal eine Situation nicht passt, in der sich andere Kinder in heilen Familien auch auseinandersetzen müssen, aber gegen eine gemeinsame Elternfront keine Chance haben, dem auszuweichen.

Das Ergebnis ist in unserem Fall jedenfalls fatal.

Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass die Kinder es schnell raushaben, wie sie den größtmöglichen Vorteil aus Euren Differenzen ziehen können, so haben sie nicht die leiseste Ahnung, was das für sie letztlich bedeutet.

Besonders schwierig wird es dann, wenn das Kind in eine Achillesferse tritt, in die auch ständig der Kindsvater rumwühlt.

Bei solchen Mätzchen brauchen Kinder sofort Grenzen – authentisch, liebevoll, aber auch fest und sicher vorgebracht.

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Dein Kind wird es sonst später sehr schwer haben in der Gesellschaft. Wie sollen sie denn einmal mit den Anweisungen ihres Chefs umgehen können, wenn bislang alle verwandten Erwachsenen davor gesprungen sind, so wie sie es wollten?

Das heißt für dich, dass du da ran und klare Kante zeigen musst.

Sätze, die sofort helfen, können zum Beispiel solche sein:

„Ich freu mich für dich, dass du das beim Papa darfst. Hier gelten andere Regeln.“ Pause. Keine Rechtfertigung!

„Klar kannst du den Papa anrufen. Aber zuerst beruhigen wir uns alle.” 

„Du willst zum Papa gehen? Gut.“ (Schluck.) Ruhe bewahren. Aufs Essen konzentrieren. Pokerface.

„Es tut mir leid, dass ich dir das nicht geben/kaufen/stricken/zaubern kann.“ Pause. Fest in die Augen schauen. Keine Rechtfertigung und lange Erklärung.

Was fällt dir noch ein?

Aber das ist auch nur die halbe Wahrheit

Kannst du dir vorstellen, diese Sätze oben ruhig und fest schon sagen zu können?

Du wirst dich wundern, aber es geht gar nicht wirklich um das, weshalb sich jedes Mal ein Streit zwischen dir und deinem Kind entfacht.

Ich rede nicht von „kein Smartphone nach 20 Uhr!“ oder „ordentlich sitzen am Tisch!“ oder „nix Süßes nach dem Zähneputzen“.

Das sind alles äußere Grenzen. Du kannst dich noch so abmühen – sofern du deine inneren Grenzen nicht für dich definiert hast und diese auch Anderen gegenüber einforderst, wirst du mit dem Aufstellen von äußeren Grenzen keinen Erfolg haben.

Dein Kind ist da wie ein Seismograph. Es spürt genau, wo du nicht klar und stimmig bist. Hundert pro.

Diese Beispiel-Antworten oben setzen nämlich eine ganz besondere Basis voraus: Einen gesunden Selbstwert.

 

Kinder sind unser Spiegel

Kinder spiegeln unseren Selbstwert genau wie die Narzissten in unserem Leben es getan haben oder es immer noch tun.

So lange du selbst deinen Wert noch nicht erkannt hast und das deinem Kind vorleben kannst, so lange wird dein Kind entsprechend auf dich reagieren.

So lange du unsicher bist, ob du etwas von deinem Kind erwarten darfst, damit es bei Euch zu Hause flutscht, so lange wird dein Kind dieser Unsicherheit mit wachsendem Gegenpol – dem Selbstbewusstsein, Nein sagen zu dürfen – begegnen.

So lange du immer wieder Grenzüberschreitungen deines Kindes dir gegenüber zulässt, so lange wird es solche Grenzüberschreitungen auch begehen. Genau wie die Narzissten in deinem Leben.

 

Ist dein Kind denn ein Narzisst?

Nein! Ganz und gar nicht. Es ist noch ein Kind. Diese Verhaltensweisen sind vollkommen normal.

Aber solange du dich im Kreis drehst und im Außen bleibst à la „Der narzisstische Kindsvater erzieht auch das Kind zum Narzissten und hetzt es gegen mich auf!“ oder „Alle um mich herum sind Narzissten – jetzt sogar mein Kind!“ und dich nicht um dein inneres Selbstverständnis kümmerst, dann wird das auch so bleiben.

Und – noch schlimmer – dann wird dein Kind auch in diesem Verhalten bestätigt.

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Was musst du tun, um diese Situation aufzulösen?

Deine Aufgabe ist es, deine eigenen Löcher im Selbstwert zu stopfen, damit du fest und bestimmt auftreten und jedem da draußen signalisieren kannst:

Bis hierher und nicht weiter! Das ist meine Grenze, die du nicht überschreitest.

Egal, wer dir gegenübersteht: Der Verkäufer an der Tankstelle, der dich unhöflich behandelt. Der Ex, der dir an der Haustür Aggro-Vorhaltungen macht. Oder halt dein Kind, das eine gemeine Bemerkung über dein Gewicht loslässt.

Signalisieren heißt, dass du es gar nicht mal immer sagen musst. Du trägst diese Haltung wie eine Aura um dich herum.

Eine Aura voller Selbstrespekt und Achtung dir gegenüber. Was andere spüren. Das liegt dann in der Luft wie ein unsichtbares Energiefeld, was du mit dir herumträgst.

Du verkörperst jeden Tag und jede Minute dein innerstes Selbst, dein Juwel: deinen Selbstwert.

Ok, für unser Kind müssen wir dann, sobald wir uns ein gutes Level erarbeitet haben, schon mal einen kernigen Satz loslassen.

So eine Art Gongschlag, damit es auch ganz genau weiß, ab heute ist es anders als zuvor.

Der Ex ist dir dagegen schnurzpiepegal – du erinnerst dich: No Contact! – genau wie dessen Mutter und sonstige Affen, die noch um den herumfliegen. (das war jetzt ein Insider 🙂 )

Der Nebeneffekt ist durchaus bemerkenswert: Du wirst feststellen, dass sich die Dichte an Narzissten in deinem Umfeld immer weiter minimieren wird.

Ich sehe das als eine Art „Ripple-Effekt“: Deine neue Aura wird narzisstisch-toxische Menschen quasi abstoßen.

Also wenn es das nicht wert ist, da mal näher hinzuschauen, was?

 

Wie kommst du den Löchern in deinem Selbstwert auf die Schliche?

Da gibt es sicherlich einige Wege, die nach Rom führen. Ich glaube, es gibt einen Zusammenhang zwischen Selbstwert und den damit verknüpften Glaubenssätzen.

Eine Möglichkeit wäre es zum Beispiel, dass du dir die größten Verletzungen, die dein Ex dir verbal beigebracht hat, näher anschaust und darüber anfängst, schriftlich nachzudenken – vorzugsweise in deinem Journal – und dir dabei diese Fragen stellst:

  • Warum hat dich das so verletzt?
  • Welcher Wert, der dir wichtig ist, wurde ignoriert?
  • Wann wurdest du schon einmal so verletzt?
  • Welcher Mensch hat dir vorher schon einmal gesagt, dass du in dieser Beziehung „falsch“ liegst?
  • Welchen zentralen Glaubenssatz hast du seitdem übernommen?
  • Welche 4 – 5 Beispiele kannst du benennen, die beweisen, dass dieser Glaubenssatz nicht mehr stimmt?
  • Wie müsste dein neuer Glaubenssatz lauten?

Schau dich zusätzlich ruhig nach einem Coach um, der sich auf Selbstwerttrainings spezialisiert hat. Oder halte generell einmal die Augen offen nach (Online-)Kursen und Blogs zum Thema „Selbstwert und Selbstachtung“.

 

Unterm Strich

Die Arbeit an unserem Selbstwert bleibt unsere Lebensaufgabe als Mutter mit einem toxischen Ex-Partner.

Du kannst es definitiv trainieren und dir ein neues Selbstverständnis und Bewusstsein dafür aufbauen.

Ein Bewusstsein dafür, dass du eine wertvolle Frau bist, die es als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, von allen anderen Menschen mit Respekt und Würde behandelt zu werden.

Ein Bewusstsein dafür, dass du ok bist so, wie du bist.

Ein Bewusstsein dafür, dass du für dein Lebensglück selbst verantwortlich bist und keine Marionette für irgendwen.

Nicht für deinen Chef.

Nicht für deinen Ex.

Auch nicht für dein Kind.

 

Jetzt bin ich mal auf deinen Kommentar gespannt, Sweetheart. Erkennst du dich wieder? Was hast du mittlerweile schon unternommen, damit du den narzisstischen Terror durch dein Kind daheim stoppst?

 

P.S.: Bist du Coach und bietest Training und Hilfe an, um den weiblichen Selbstwert zu steigern? Dann kommentiere doch bitte unter diesem Artikel, damit dich interessierte Leserinnen leichter finden können. Merci!

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