3 wichtige Bitten an alle, die Elternberatungsgespräche anbieten

von Mrz 1, 20191. Trennungsjahr, Alltag leben, Gericht und Jugendamt12 Kommentare

Dieser Artikel richtet sich an alle Sozialpädagogen, Quasi-Mediatoren, Erziehungsberater oder sonstige Menschen, die Elternberatungsgespräche anbieten.

Eine kleine Frage vorab: Wie geht es Ihnen mit Ihrer Aufgabe? Sind Sie zufrieden? Können Sie abends, bevor Sie ins Bett gehen, die Mehrzahl der Gespräche, die Sie begleitet haben, als erfolgreich verbuchen?

Empfinden Sie eine tiefe Befriedigung, dass Sie helfen konnten?

Ich gehe mal davon aus, dass Sie voller Ideale diesen Berufsweg gewählt haben. Anderen Menschen helfen zu wollen ist eines der ehrbarsten Ziele, die man im Leben wählen kann.

Von daher ziehe ich meinen Hut vor Ihnen, dass Sie dieser Berufung gefolgt sind!

Das ist sicherlich nicht immer einfach. Eine achtsame Gesellschaft braucht auf jeden Fall Menschen wie Sie, die sich der Aufgabe verschreiben, das Miteinander zu verbessern.

Ich möchte mit diesem Artikel Ihren Blickwinkel auf einen besonderen Aspekt Ihrer Arbeit lenken, der mir auf dem Herzen liegt.

Ich bin Coach für Mütter mit toxischen Ex-Partnern. Zur näheren Erklärung: Unter toxisch verstehe ich das breite Feld der (narzisstischen) Persönlichkeitsstörungen.

Mütter wenden sich in der Regel an mich, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie den alltäglichen Gemeinheiten des Vaters ihrer Kinder Einhalt gebieten können.

Mütter kommen zu mir, wenn sie den Ex als übermächtigen Bully erleben, der ihnen droht, sie zu vernichten, sie finanziell auszubluten und ihnen das Wichtigste wegzunehmen, was sie haben: ihre Kinder.

Sie kommen zu mir, wenn sie sich auf Gerichtstermine vorbereiten müssen, in denen es um das Sorge- oder Aufenthaltsbestimmungsrecht oder um das Wechselmodell geht.

Ja, und mittlerweile kommen betroffene Mütter sogar zu mir, wenn sie zu einem Elternberatungsgespräch zusammen mit dem Ex vom Gericht verdonnert wurden. Weil sie schon einige solcher Beratungsgespräche erlebt haben, in denen sie regelrecht traumatisiert wurden.

Ja, Sie lesen richtig.

Können Sie sich das vorstellen? Dass Beteiligte in dem Gespräch mit Ihnen, in dem Sie ja nur helfen wollen, traumatisiert werden könnten?

Ist es nicht ein Wahnwitz, dass Frauen Hilfe und Coaching suchen, bevor sie ein staatliches Hilfsangebot annehmen?

Das war nun wirklich nicht meine Intention, als ich mich als Coach vor über zwei Jahren auf diese Nische spezialisiert hatte! Daher reibe ich mir genauso ungläubig die Augen wie jetzt Sie.

Deshalb muss ich diesen Text schreiben. Weil das nicht sein darf.

 

Was genau ist die Crux?

Narzisstisch gestörte Persönlichkeiten können durchaus ein sehr gewinnendes und überzeugendes Auftreten haben. Sie sind oft sehr charmant, haben sehr gute berufliche Positionen inne und können verdammt gut reden.

Der Haken: Sie sind grundsätzlich davon überzeugt, dass sie im Recht sind und nichts falsch machen. Gleichzeitig projizieren sie ihre eigene, zutiefst negative Haltung und ihren Hass auf den Gegner bzw. die Gegnerin.

Egal, was der oder die Andere sagt – es wird so lange herumgedreht und ein Argument wiedergekäut, bis man sich nur im Kreis dreht und am Ende keinen Schritt weiterkommt.

Dazu wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Egal, ob vor Gericht oder vor Dritten im Elternberatungsgespräch.

Achten Sie doch einfach mal spaßeshalber beim nächsten Mal darauf, wie oft bei einer Partei echte Verdutztheit und Überraschung zu erkennen ist, wenn derjenige, der dran ist, sich in Rage redet. Sehr wahrscheinlich kommt dann ein „Aber das stimmt doch gar nicht!“ – aber Sie müssen da ja einschreiten, denn unterbrochen werden darf derjenige nicht, der gerade Redezeit hat.

Also sitzt die Mutter daneben und darf sich eine Lüge nach der anderen anhören. Sie wird immer fassungsloser.

Und nicht nur das.

Elemente einer toxischen Beziehung zeichnen sich vor allem durch beständigen emotionalen Missbrauch aus. Diese Männer schlagen nicht mit der Faust oder der Hand ins Gesicht, sondern mit Sätzen, mit höhnischem Ton und strengem Blick.

Mütter, die aus solchen Beziehungen kommen, sind jahrelang konditioniert worden. Sie erspüren und erahnen mögliche Reaktionen und haben daher massive Angst vor der verbalen Gewalt des Ex-Partners.

Was sich im Elternberatungsgespräch in Ihren unschuldigen, pädagogischen Ohren daher als „normale Aussage“ anhört, kann bei der Frau eine ganze Latte von heftigen Erinnerungen wachrufen und versteckte Drohungen enthalten, die der Ex Wochen und Monate zuvor fleißig in sie eingepflanzt hat.

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Zum Beispiel

Er sagt: „Ja, ich bin jetzt mit einer neuen Frau zusammen. Wir werden diesen Sommer nach Spanien mit den Kindern in den Urlaub fliegen.“

Sie weiß: Er hasst Spanien und wollte nie mit ihr dort hin, obwohl sie dort selbst Familie hat.

Oder: „Meine neue Frau ist schwanger. Es ist ein Wunschkind.“

Sie weiß: Er wollte kein drittes Kind und hat es ihr immer wieder gesagt. Allein diese Bemerkung ist ein Schlag ins Gesicht, vor allem, weil er ihr das vorher hätte sagen können. Aber er nutzt lieber das Beratungsgespräch für solche Hammernews.

Oder er sagt: „Ich bin beruflich kürzer getreten, um mehr Zeit für meine Kinder zu haben. Aber sie lässt ja das Wechselmodell nicht zu.“

Sie weiß: Sie hat jahrelang vor der Trennung mit Engelszungen auf ihn eingeredet, damit er früher nach Hause kommt und mehr Zeit mit den Kindern verbringt. Selbst an den Wochenenden war er ständig weg und hat Aktivitäten mit seinen Kumpels denen mit der Familie vorgezogen. Ständig gab es deswegen Streit. Selbst jetzt nach der Trennung, wenn er die Kinder alle zwei Wochen sieht, passt in der Regel seine Mutter auf und betreut sie, weil er weiterhin seinen Hobbies die höhere Priorität einräumt. Sie weiß außerdem, wie wichtig es ihm ist, beruflich voranzukommen. Zumal er ihr schon ganz zu Anfang verkündet hatte, dass er alles unternehmen wird, damit er keinen Unterhalt zahlen muss.

Kann sie das so entgegnen? Natürlich nicht – es hört sich nach Anklage oder Rechtfertigung an. Und nichts macht eine Frau schwächer als in die Rechtfertigung zu gehen.

Ein weiterer Aspekt sind Vorwürfe des Ex bezüglich diverser „Vergehen“ der Mutter. Da wird jede Kleinigkeit hochgeholt, die sie falsch gemacht haben soll. Sachen, die er teilweise selbst genauso machen würde, aber die er der Ex-Partnerin und Mutter seiner Kinder vorwirft.

Wir wissen alle, dass niemand perfekt ist. Aber eine Frau, die aus einer toxischen Beziehung mit einem empathiefreien Tyrannen kommt, hat über die Jahre ihr Selbstwertgefühl sowie ihre Selbstsicherheit vollkommen verloren.

Sie hinterfragt sich ständig. Wird sie dann wegen eines Fehlers angegriffen, fühlt sie sich automatisch schuldig und klein.

Die Frau steht emotional mit dem Rücken zur Wand.

Wenn Sie dann auch noch nicken, ist es fast so, als ob Sie die Aussagen des Ex würdigen und quasi „genehmigen“. (Ich weiß natürlich, dass das eigentlich nicht so ist, aber es fühlt sich für die Frauen so an, und ich hoffe, Sie können nachvollziehen wie ich das meine.)

Die Mutter, die eigentlich gehofft hat, dass im Elternberatungsgespräch eine dritte Person vom Fach schnell erkennt, um welchen Menschen es sich bei ihrem Ex handelt, und dem Paroli bietet, muss ohnmächtig zusehen, wie der Ex mit seiner geschliffenen Rede den Profi manipulieren kann und nun beide eine vermeintliche Front gegen sie bilden.

Eine Frau, die eigentlich vom Helfersystem geschützt werden sollte, erlebt sich selbst als schutzlos.

 

Kann sie selbst denn das loswerden, was sie belastet?

Sie wird sich hüten. Vielleicht hat sie das früher treuherzig getan, musste dann aber feststellen, dass er ihr daraus später einen Strick gedreht hat. Er weiß nach einer gemeinsamen Beratung vor Dritten noch mehr Dinge über sie, die er später rücksichtslos ausnutzen wird, um den emotionalen Missbrauch über die Kinder fortführen zu können.

Schlimmstenfalls macht er ihr gleich im Anschluss an das Beratungsgespräch auf der Straße eine Szene und wird hässlich.

Sie muss über kurz oder lang lernen, sich selbst zu schützen: indem sie versucht, so wenig wie möglich preiszugeben. Indem sie Freundinnen mitnimmt, die vor und nach dem Gespräch anwesend sind und verhindern, dass sie mit dem Mann allein ist.

Und vor allem, indem sie möglichst vermeidet, dass es noch zu weiteren Mediationen oder Beratungsgesprächen kommt.

Sind diese allerdings vom Gericht erzwungen, hat sie schlechte Karten. Zumal es nicht bei einem Termin bleibt, sondern das Gericht eine ganze Reihe von Beratungsgesprächen verlangt, damit es im Verfahren weitergehen kann.

Da kann ich mittlerweile schon sehr gut verstehen, dass die Frauen bei mir anklopfen und mich fragen, mit welchen mentalen Tipps sie das am besten überstehen können.

 

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Daher meine Bitten an Sie

1)Das Allerschlimmste, was Mütter in Ihren Beratungsräumen erleben können, ist, wenn Sie Partei für den toxischen Ex ergreifen.

Sie werden damit zum Erfüllungsgehilfen im emotionalen Missbrauch.

Klar verbietet das die Mediationsehre, aber Hand aufs Herz – können Sie sich davon komplett freisprechen?

Auf der anderen Seite darf Neutralität nicht solche Ausmaße annehmen, dass Sie nicht reagieren, wenn ein Bully so richtig loslegt und wüst anfängt zu beschimpfen oder laut zu werden.

Dann erwarte ich von Ihnen, dass Sie das Gespräch abbrechen und den Bully nach Hause schicken. Schön wäre es, wenn Sie mit der Frau anschließend noch 10 – 15 Minuten sprechen können, damit sie sich wahrgenommen fühlt und ihr bestätigen, dass das jetzt wirklich nicht in Ordnung war.

Allein das ist schon Balsam für die Seele!

 

2) Informieren Sie sich über narzisstische Persönlichkeitsstörungen

Damit Sie bestimmte Phänomene im Auftreten, in der Sprache, in der Mimik leichter zuordnen können. Und das mal ganz unabhängig davon, ob Sie es mit toxischen Vätern oder mit toxischen Müttern – die es zweifelsohne auch gibt – zu tun haben.

 

3) Beenden Sie die Scharade, sobald Sie merken, woher der Wind weht

Helfen Sie der Partei, die Gesprächsreihe zu beenden, und bescheinigen Sie ihr zügig die fehlende Wirksamkeit. Damit dieser Wahnwitz ein Ende hat und sich niemand mehr da durchquälen muss.

Damit Sie Zeit haben für die Fälle, in denen Eltern sich zwar uneins sind, diese aber über reife Persönlichkeiten verfügen. Fälle, in denen beide bereit sind zu akzeptieren, dass es dem anderen Elternteil mit der gemeinsam ausgehandelten Lösung genauso gut geht wie ihnen selbst.

Denn nur so können Konfliktgespräche Erfolg haben.

Ich für meinen Teil werde weiterhin meinen Kundinnen empfehlen, in keinerlei Mediations- und Beratungsgesprächen mit dem toxischen Ex-Partner einzusteigen – zumindest nicht freiwillig.

 

Wie sehen Sie das denn? Ich freue mich auf Ihren Kommentar weiter unten.

 

 

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