9. Januar 2018

Wie du anfängst, dich vom narzisstischen Ex zu lösen

Strategie der kleinen Schritte

…wenn du denkst du bist noch nicht soweit.

Gehörst du eigentlich zu denjenigen, die sich jedes Neujahr erneut gute Vorsätze vornehmen? Oder bist du eine Frau, die sich konkrete, messbare Ziele setzt?

Wenn du schon eine Weile mitliest, dann weißt du, wie wichtig es mir selbst ist, gute Ziele zu verfolgen und umzusetzen. Weil man sich damit zur Not auch allein aus dem Quark ziehen kann, wenn sonst alle Stricke reißen und wichtige Säulen im Leben zu kippen drohen.

Allerdings weiß ich auch, wie schwierig es ist, klarzusehen, wenn man mittendrin steckt im Schlamassel. Da kann es einem vorkommen, dass klare Ziele himmelweit entfernt zu sein scheinen, weil man sich gerade mal so von Tag zu Tag hangelt und einfach nur noch seelisch überleben will.

Wo also anfangen?

Gerade wenn du relativ frisch getrennt bist kann ich mir gut vorstellen, dass du tagtäglich noch an deinen Ex denkst.

  • Was er neulich wieder zu dir gesagt hat.
  • Was er damals alles zu dir gesagt hat, als Ihr noch zusammen gewesen seid.
  • Was er wohl bei der nächsten Kindübergabe wieder sagen (oder tun) wird.

Du merkst wie du dich in deinen Gedanken im Kreis drehst. Fast schon wie im Karussell, und du hast keine Ahnung, wie du das abstellen sollst.

Auch wenn du dich mit deiner besten Freundin oder deiner Mutter unterhältst, wird es nicht besser. Zumal du auch noch merkst, wie anstrengend die Gespräche für alle Seiten werden: für deine Freundin/Mutter genauso wie für dich.

Du trittst auf der Stelle und merkst das auch. Was natürlich auch nicht dazu beiträgt, dass es dir schnell wieder besser geht.

 

Ein Schritt nach dem anderen

Hört sich fast schon zu simpel an, aber es ist genau die Strategie der kleinen Schritte, mit der du das Gefühl loswirst, dass du auf der Stelle trittst.

Und irgendwann schaust du mal zurück und denkst: „Wow – was ich alles geschafft habe in dem letzten Jahr!“

Um die ersten Babyschritte definieren zu können, musst du allerdings vorher ein paar wesentliche Dinge verinnerlicht haben, sonst weißt du ja nicht, wo die Reise hingehen soll.

Die Regeln zur besseren Orientierung

Es gibt ein paar Regeln im Umgang mit narzisstischen Ex-Partnern, die du unbedingt als Leitplanken im Hinterkopf behalten solltest. Die da wären:

  • So wenig direkten Kontakt wie es eben geht. Am besten halt gar keinen mehr, aber falls Ihr das gemeinsame Sorgerecht habt, nimmst du das nächst-geringste Level.
     
  • Komplette Trennung des sozialen Lebens (auch des virtuellen!). Das heißt: Keine gemeinsamen Freunde mehr (es sei denn, Ihr schafft es, überhaupt nicht mehr über den Ex zu reden – und Ihr vertraut Euch voll und ganz), möglichst keine gemeinsamen Feiern/Parties, keine gemeinsamen Whatsapp-oder FB-Gruppen, keine Emails in dein privates Postfach, keine Anrufe mehr auf dein Handy. Du richtest dafür extra ein separates Umgangs-Email-Postfach ein und holst dir ein einfaches Handy zum Simsen und Telefonieren mit Prepaid-Karte.
     
    Also das Projekt „Umgang“ wird mit anderen Geräten und Tools von deinem eigenen Leben so gut es eben geht getrennt.
     
  • Keine Rechtfertigung, keine Argumentation, keine Überzeugungsarbeit mehr von deiner Seite! Es bringt nichts, also lass es gleich.
     
  • Die Kernregel für alles, was du zukünftig tust: Du speist keinerlei Energie mehr in den Kreislauf, wenn du mit dem Ex zu tun hast. Kein Drama mehr. Ja, er ist verantwortungslos und wird unglaubliche Sachen anstellen. Aber jedes Mal, wenn du selbst austickst, schadest du dir selbst zu 100% mehr.

Das wären mal so die Basics. Es gibt daneben immer noch genug Zündstoff und Aufreger, wenn der Ex Umgang hat, Urlaube selbstherrlich plant und auch wieder ändert, wenn man medizinische Maßnahmen gemeinsam zu entscheiden hat oder ein Schulwechsel ansteht. Da wird es nicht ausbleiben, dass du immer wieder erneut die jeweilige Situation anschauen musst und gemäß den Regeln oben dein Verhalten darauf abstimmst.

Und ja, es wird Rückfälle geben! Es geht schließlich um unsere Kinder, da werden wir immer verwundbar bleiben, und das wird er auch wissen und weidlich ausnutzen.

Aber wenn dir die grobe Richtung bewusst ist, kannst du dich schnell wieder selbst einnorden und dir selbst fürs nächste Mal Besserung geloben. Und mit der Zeit wird es dann auch wirklich viel besser, versprochen!

 

Unterm Strich heißt das für dich

Jetzt, wo du das Regelwerk kennst und dich an die Umsetzung machst, sollten dir diese 3 Dinge klar sein:

  1. Es gibt keine Chance auf ein harmonisches, getrenntes Familienleben mit einer gleichwertigen Co-Elternschaft. Lass dieses Ideal los.
     
  2. Es wird immer Menschen geben (gerade in diversen Beratungsstellen, im Jugendamt, in deiner Familie, im Bekanntenkreis, auf der Arbeit etc. pp.), die darüber nur den Kopf schütteln und dir sagen, dass Ihr Euch doch bitte wie Erwachsene benehmen sollt, es geht schließlich um Eure Kinder! Und dass zum Streiten immer zwei gehören (dir also unterstellen, dass du quasi mitschuldig bist, dass das alles so stressig mit dem Umgang und dem Sorgerecht ist).
     
    Ich empfehle an dieser Stelle gern als Gegenkonter den Spruch „Zum Frieden gehören aber auch zwei!“, aber lass dich auf keine großen Diskussionen ein. Außenstehende können schwer nachvollziehen, wie narzisstische Beziehungen und der Energiebedarf dahinter funktionieren. Lass es also, es wird dich nur frustrieren.
     
  3. Deine Hauptaufgabe ist es jetzt, seelisch-emotional gesund zu bleiben, damit du gut für dein Kind sorgen kannst. Das heißt, du wirst in den nächsten Monaten mehr auf dich und deine Bedürfnisse achten und alles dafür tun, damit du dir selbst Freude und Glück in dein Leben holst. Dazu gehört, dass du die Energie, die du bislang in die mentale Verarbeitung der Trennung von dem narzisstischen Ex gesteckt hast, wieder zu dir zurückholst und für dich selbst verwendest. Im Guten, nicht mehr im „Bösen“.
     
    Ja, das geht, auch wenn es dir im Moment zu weit entfernt zu sein scheint!

Deine Strategie der kleinen Schritte

Kommen wir jetzt zurück zu deiner aktuellen Situation. Egal, ob du dich gestern oder vor einem oder fünf Jahren getrennt hast – je nachdem, wie eng Ihr noch aufeinanderhockt und dein Energielevel stark nach unten gesunken ist, weil der narzisstische Energiesauger bei dir seine Versorgung sicherstellen konnte, kannst du jetzt deine Babyschritte bzw. kurzfristigen Ziele definieren.

Schreibe auf jeden Fall alles auf und führe ein Journal, damit du deine Entwicklung dokumentierst und auch später einmal stolz nachlesen kannst, wie du dich aus dieser schwierigen Lebenssituation herausgezogen hast!

Stelle dir dazu gerade am Anfang täglich diese Fragen:

  • Welche Interaktionen, die nicht zum Pflichtteil des gemeinsamen Sorgerechts gehören, kann ich noch unterbinden und abstellen?
     
  • Muss ich auf diese oder jene Email reagieren? Warum?
     
  • Wenn ich auf diese Email reagieren muss: Habe ich meine Antwort höchst sachlich, ohne Vorwürfe und Anklagen und Selbstmitleid zwischen den Zeilen verfasst? Liegt mindestens ein Tag zwischen erstem und finalem Entwurf der Email? Muss ich sie immer noch losschicken?
     
  • Was plane ich für diese Woche, was mir guttut und mir große Erfüllung und Freude bringt?
     
  • Was soll in 3 Monaten anders sein als heute? Was will ich bis dahin gelernt und umgesetzt haben?
     
  • Wie ist mein aktuelles Energielevel auf einer Skala von 1 (wenig) bis 10 (super gut!)? Was kann ich selbst tun, damit das Level innerhalb der nächsten Woche um mindestens einen Punkt nach oben steigt?

Wenn du dieses Fragengerüst für die nächsten Wochen regelmäßig anwendest, wirst du feststellen, wieviel bewusster du agierst und achtsamer wirst mit dir selbst.

Oder wie siehst du das? Ich freue mich auf deinen Kommentar weiter unten.

 

Bevor ich es vergesse: Disclaimer

Ich muss es immer wieder betonen: Dieser Artikel ist als Hilfe für Single Mütter gedacht, die sich in einer hochkonflikthaften Trennung mit dem Vater ihrer Kinder befinden, der unter einer mutmaßlich narzisstischen Persönlichkeitsstörung leidet. Keine Frage: Eine Trennung ist eigentlich immer schwierig und ein Kraftakt für alle Beteiligten, aber wenn beide reife und gesunde Persönlichkeiten sind, dann kommt man mit der Zeit über gekränkte Eitelkeiten hinweg und kann sich auf einer Co-Parenting-Ebene wieder offen und vertrauensvoll begegnen. Das ist in der Tat das Ideal, und ich selbst kenne auch solche Elternschaften.

Aber mit krankhaften Narzissten geht das nicht. Punkt.

Falls du dir unsicher bist, ob du mit einem Narzissten zusammen warst, kannst du in meinen Artikeln hier oder hier einmal schauen, was du selbst erlebt hast, und dann entscheiden, wie du weiter vorgehst.

Mit allem, was ich auf Midlife-Boom an Tipps und Hilfestellungen gebe, empfehle ich den Weg der Deeskalation/des Nicht-Reagierens und Fokus auf die eigene Zukunft. No power to drama!

Wenn du nur den geringsten Zweifel daran hast, dass du es mit einem Narzissten zu tun hattest, dann tu mir und dir bitte einen großen Gefallen und suche das Gespräch und sei so kooperativ wie möglich. Keine Frage: Dein Kind wünscht sich nichts mehr als Eltern, die noch miteinander reden und sich noch in die Augen schauen können.

Wenn du aber aus tiefstem Herzen ahnst, dass du hier auf meiner Seite richtig bist, dann musst du zuerst an dich selbst denken und dich schützen!

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