8. August 2017
Geldfehler von Single Moms

Darf ich dir etwas verraten?  Bis vor 6 Jahren konnte ich partout nicht mit Geld umgehen. In den ersten beiden Jahren des Alleinerziehens häufte ich somit über 8500 Euro als Dispo auf meinem Girokonto an. Ich machte alle Geldfehler, die man nur machen kann – ich schaute nicht mehr aufs Konto, hob einfach immer wieder Geld ab und schaute mir erst recht keine Kontoauszüge mehr an. Bah – das war kein schönes Gefühl, was mir diese Vogel-Strauß-Technik verschaffte!

Kennst du das auch?

Gerade, wenn nur noch ein Einkommen zur Verfügung steht, aber ab jetzt ein zweiter Haushalt und alle Versicherungen separat geführt werden müssen, ist kunstvolles Jonglieren angesagt.

Da ist die lästige GEZ-Gebühr noch das geringste Problem.

Neben all den wichtigen Details – auf welche Versicherungen du jetzt erst mal verzichten kannst, bis du wieder mehr Geld zur Verfügung hast oder welche Art von Altersvorsorge du trotzdem weiter forcieren solltest; welcher Handytarif-Provider und welcher Stromanbieter die günstigsten Konditionen anbietet – gibt es eine Handvoll guter Regeln, die dir eine erste Orientierung sein können.

Oder, andersherum gesagt:

Bitte diese Geldfehler nicht nachmachen!

  • Vogel-Strauß oder nach den 3 Affen zu leben: Nichts sehen, hören oder sagen. Keine Post mehr zu öffnen. Rechnungen zu ignorieren, bis die dritte Mahnung reinflattert. Nicht mit dem Vermieter rechtzeitig zu sprechen, wenn es mal einen Monat besonders eng wird und du die Miete nicht bezahlen kannst.
     
  • Alles mit EC- oder sogar Kreditkarte bezahlen, bei der die getätigten Käufe erst in 4 oder gar 6 Wochen vom Konto abgebucht werden. Nämlich dann, wenn man gar nicht mehr damit rechnet. Merke: wenn dieser Monat schon so eng ist – der nächste Monat wird nicht automatisch besser!
     
  • Keine Übersicht über deine monatlichen Fixkosten zu haben.
     
  • Nur Fertiggerichte zu kaufen. Geht doch so schön schnell.
     
  • Dich verführen lassen von 0%-Zins-Kaufangeboten.
     
  • Dir selbst keine Finanzziele geben und diese auch nicht zu verfolgen.
     
  • Weiterhin an deinem Glaubenssatz festzuhalten, dass du als Alleinerziehende mit Kind eh nie genug Geld haben wirst. Dann wird das auch so sein.
     
  • Dir keine Gedanken darüber zu machen, was du tun kannst, um mehr Geld zu verdienen (und damit meine ich nicht deine Überlegungen, noch einen weiteren unterbezahlten Job als Putzhilfe zu suchen!)
     
  • Die Vereine deiner Kids in der Nähe von Shopping-Paradiesen auszusuchen. (Vorausgesetzt, das Kind kann noch nicht allein hinfahren). Ja, da war ich selbst überrascht, was das ausmacht. Wenn man eine Stunde oder länger überbrücken muss, bis man das Kind wieder abholen kann, ist man an Ort und Stelle wie festgenagelt.
     
    Das Mindeste, was man tun „muss“: sich in ein Café zu setzen und einen Cappu zu trinken. Vielleicht auch noch eine Apfelschorle dazu. Ach, der Krapfen sieht aber gut aus… Dann braucht es noch Geld für ein Parkticket oder für die öffentlichen Verkehrsmittel.
     
    Das wären dann mal so die Basiskosten. Ich muss dir nicht erzählen, welchen Verführungen du in der City ausgesetzt bist, oder? Eine Musikschule meines Sohnes war in der Nähe der Münchner Innenstadt – und meine ungeplanten Ausgaben sind in dem ersten Monat explodiert, so dass ich den ohnehin nicht billigen Unterricht u.a. auch deswegen einfach canceln musste.
     
  • Wegen Geldmangels wieder zum Ex zurückzukehren. Soweit kommt‘s noch!

Negativlisten führen aber selten zu Verhaltensänderungen. Daher lass mich das oben Gesagte mal kurz in positive Vorschläge umformulieren:

So machst du keine Geldfehler mehr

  • Ab sofort bekommst du deine Finanzen in den Griff. Das kann sogar Spaß machen!
     
  • Hebe 1x im Monat Geld von deinem Girokonto ab und verteile das Bargeld anschließend in einzelne Wochenumschläge (= das sind dann deine Budgets für die Woche). Dieser Trick hat mir am Anfang sehr geholfen, mit dem Geld auszukommen. Wenn ich für den Rest der Woche wenig bis kein Geld mehr im Portemonnaie hatte, habe ich auch nichts gekauft.
     
    Bargeld ist prinzipiell dein Freund – du hast es in der Hand. Setze die EC-Karte so selten wie nur möglich ein. Ich habe damals mein Konto bei der INGDiba eröffnet, da bekam ich nur eine Kreditkarte, die innerhalb von 2 oder 3 Tagen das Geld vom Konto abbucht. Das ist genau das Richtige für mich gewesen – so hatte  ich zeitnah eine gute Kontrolle der Ausgaben und konnte besser überblicken, wieviel Geld ich noch zur Verfügung habe.
     
    Vor allem für digitale Ausgaben (über Amazon oder andere Online-Einkäufe) ist das ein wichtiger Faktor.
     
  • Da führt kein Weg daran vorbei: Setz dich hin und liste deine wiederkehrenden, sprich fixen Ausgaben pro Monat auf (Miete, Versicherungen, GEZ, Strom, Kfz-Steuer, Vereinsbeiträge etc.). Ja, ich weiß, das ist eine sehr unschöne Aufgabe. Trotzdem. Muss sein, sorry!
     
    Ich bin damals mein Konto durchgegangen und habe mir alle wiederkehrenden Positionen über einen Zeitraum von mindestens 3 bis 6 Monate notiert.
     
    Anschließend habe ich mir eine Excel-Tabelle gemacht, in der ich pro Monat meine Ausgaben gelistet habe, und ob es vom Anbieter selbst eingezogen wird oder ich es überweisen muss (letzteres ist mir übrigens lieber).
     
    Eine Woche vor Beginn des neuen Monats schaue ich nach, um was ich mich zu kümmern habe, und time die Überweisung so, dass sie rechtzeitig erfolgt, mich aber eventuell in der Woche nicht zu früh behelligt, wenn noch kein Geld auf dem Konto ist.
     
    Kombiniere das außerdem mit einem genauen Nachfassen der flexiblen Ausgaben. Wenn du von deinem Einkommen die fixen Ausgaben abziehst, weißt du, welcher Betrag insgesamt für flexible Ausgaben zur Verfügung steht.
     
    Diese Ausgaben solltest du zumindest mal 6 – 12 Monaten konstant aufschreiben, damit du leichter Einsparpotenziale entdecken kannst.
     
    Mir hilft meine Tabelle übrigens auch, übers Jahr besondere Engpässe besser im Auge zu behalten. So ist für mich z.B. September ein besonders heftiger Monat – und wird es wohl so lange bleiben, wie mein Sohn in die Schule geht – weil dann bei uns in Bayern das neue Schuljahr beginnt.
     
  • Fertiggerichte mögen schnell gehen und dir Zeit sparen. Sie schmecken allerdings in der Regel mies, sind meistens ungesund und kosten auf den Monat gesehen viel, viel mehr als wenn du dir die Zutaten frisch kaufst.
     
    Oder du machst Kompromisse – du kaufst z.B. den Pizzateig fertig und machst selbst nur das Sugo und den Belag.
     
    Ein Weg, auf Dauer Geld zu sparen: Mach dir zusammen mit den Kindern einen Menüplan für die Woche, so dass du einerseits Zeit sparst beim Einkaufen, andererseits weniger wegwerfen musst und zum anderen nicht mehr lange überlegst, was du heute kochen sollst.
     
    Zusätzlich achtest du automatisch auf saisonale Gerichte, was wieder Geld spart, ökologischer ist und auch noch besser schmeckt! (Da bin ich selbst übrigens auch noch nicht, aber da will ich hin!)
     
  • Selbst 1000 Euro auf Pump zu 0% Zinsen sind 1000 Euro weniger. Besser: Vorher Geld zusammensparen, damit man keinen Kredit braucht. Ist auch befriedigender fürs Ego. Durch das längere Abwarten wirst du dir auch sicherer, dass du es wirklich haben willst.
     
    Und nichts tut mehr weh als jeden Monat einen Batzen Geld für Konsumschulden vom Konto verschwinden zu sehen! Ob da 1 oder 2 oder 10% Zinsen noch on top dazukommen, ist fast schon egal. Der Reiz des Neuen ist vorbei, und du bezahlst nach 2-3 Jährchen immer noch.
     
    Ich arbeite heute mit Budgets: Jeweils zum Monatsanfang lege ich automatisch mit Sparüberweisungen Geld auf die verschiedenen Tagesgeldkonten, die für Urlaub, Auto, Luxus und Klamotten etc. vorgesehen sind. Das Geld ziehe ich gleich vom verfügbaren Einkommen für den Monat ab.
     
    Wenn ich also plane, in diesem Jahr in den Urlaub zu fliegen, schaue ich zuerst, was das Budget hergibt. Auch das Autobudget ist eine beruhigende Sache – wenn ich in die Werkstatt muss, habe ich immer Geld dafür auf der Bank.
     
  • Setze dir unbedingt finanzielle Ziele. Willst du in zwei Jahren ein neueres Auto fahren und deinen betagten Golf ersetzen? Dann fange an zu planen und Geld dafür zurückzulegen. Willst du mit den Kindern nächstes Jahr einen tollen Urlaub machen?
     
    Wenn das Geld dafür heute fehlt – was kannst du aus Eurem Haushalt noch zu Geld machen?
     
    Wieviel % von Sonderzahlungen deines Arbeitgebers willst du gleich in diesen Topf dafür abzweigen?
     
    Kenne deine Prioritäten. Sparen ohne Spaß geht nicht. Hin und wieder braucht’s auch ein wenig Luxus, dann bleibst du leichter bei der Stange.
     
  • Suche beharrlich nach Möglichkeiten, dein Einkommen konstant und signifikant zu erhöhen. Vielleicht kannst du dich sogar nebenberuflich selbstständig machen?
     
    Fange an zu recherchieren – heute ist mehr möglich als noch vor 10 Jahren. Das Web 2.0 bietet unglaublich viele Chancen – auch für dich.
     
  • Suche dir Vereine für deine Kids unbedingt in der Nähe. Ist auch praktischer im Winter, und die Kinder werden schneller selbstständig 😉
     
  • Auch alleinerziehende Mütter haben ein Recht auf finanzielle Unabhängigkeit und können diese trotz Kind und Kegel erreichen! In meinem letzten Blogartikel über Glaubenssätze habe ich darüber schon ausführlich geschrieben. Schau, dass du diesen Satz verinnerlichst und dich auf positive Beispiele konzentrierst.
     
  • Never ever gehst du zum miesen Ex zurück, weil du im Moment kein Geld hast, hörst du?

In meinem nächsten Blogartikel schreibe ich über Schulden und darüber, welche Strategie du verwenden kannst, um diese nach und nach abzutragen. Ja, das geht auch als Single Mütter!

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