Die schwierigste Zeit in meinem Leben als Single Mom und Alleinerziehende kurz nach der Trennung war durch immense Einsamkeitsgefühle geprägt. Sie kamen in einem Ausmaß, mit dem ich vor der Trennung nicht gerechnet hatte.

Ich war auch vor meinem Ex und Vater meines Sohnes immer mal längere Zeitabschnitte allein und kannte natürlich auch die Einsamkeit. Von daher hatte ich schon damit gerechnet, als ich seufzend meine Bündel schnürte und mich auf den Weg in unbekanntes Terrain machte – dieses Mal aber halt nicht allein, sondern mit Kind.

Es wurde trotzdem schlimmer als geahnt. Vor allem, weil ich vorher an der Seite meines charismatischen Ex ständig die Bude mit Menschen voll hatte – hauptsächlich mit Nachbarn und seinen Freunden und seiner Familie.

Als ich ging, hatte ich das Gefühl, als ob ich wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wurde. Zumal ich davon ausgehen musste, dass mein Ex seine Position und „Unschuld“ am Scheitern der Beziehung mit Lügengeschichten untermauert hat.

Ja, Einsamkeit ist ein großes Thema für uns Mütter mit toxischen Ex-Partnern und trifft vor allem diejenigen, die mit kleinen Kindern das Weite suchen müssen und noch nicht die Möglichkeit hatten, sich ein Netzwerk mit sympathischen anderen Müttern zusammenzusuchen.

In diesem Blogartikel habe ich schon einmal über die Einsamkeit geschrieben und gebe dir darin handfeste Tipps, wie du damit umgehen kannst – vor allem, wenn du noch vor der Trennung stehst und die Angst davor dich vielleicht sogar maßgeblich davon abhält, diesen Schritt zu wagen.

Ich möchte dir heute allerdings einen weiteren Aspekt an die Hand geben, der eine große Macht hat, für schöne Gefühle zu sorgen und deine Einsamkeit zu bannen.

Und der ist vollkommen simpel – und wird dich sehr wahrscheinlich so ziemlich überraschen.

Ich rede von… Smalltalk mit Fremden.

Uh-oh.

 

Jeder introvertierten Mutter bleibt allein bei der Vorstellung erst einmal das Herz stehen

Ich kenne das!

Ich bezeichne mich selbst als extrovertierte Introvertierte – sprich ich bin temperamentvoll und begeisterungsfähig, manchmal (vor-)laut und hab zu allem irgendwas zu sagen.

Allerdings meide ich Menschenaufläufe, Shopping-Samstage, Gewühl und Gedränge wo es nur geht. Zu (äußerst seltenen) Party-Einladungen gehe ich meistens mit gemischten Gefühlen und brauche danach unbedingt eine Ruhephase ohne jedwelchen Input. Auch längere Treffen in Gruppen oder Konferenzen schlauchen mich.

Ich gehöre nun mal zu den Menschen, die die Gefühle Anderer in sich aufsaugen – von nix kommt man halt nicht zum Narz – dementsprechend alle bin ich, mit je mehr Menschen ich zusammenkomme und spreche.

Smalltalk mit Fremden oder unverbindlichen Bekanntschaften dagegen ist eine geniale Schnell-Wohlfühl-Methode.

 

Die eine oder andere Intellektuelle unter meinen Leserinnen mag jetzt die Nase rümpfen

Pah – was soll ich larifari rumlabern? Ich will die wahren Probleme der Welt benennen! Ich brauche intellektuellen Anspruch! Ich will meine Intelligenz nicht mit Geschwafel beleidigen! Nicht mich selbst – und auch nicht mein Gegenüber!

Sweetheart, mach dich locker.

Smalltalk ist eine wunderbare Option, einfach mal selbst für ein unverbindliches, nettes, kurzes Gespräch zu sorgen. Sich gemeinsam über die Sonne zu freuen. Die Blumen am Wegrand zu bewundern und den anderen darauf aufmerksam zu machen.

Gemeinsam das Positive zu sehen und zu wertschätzen.

Dem anderen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – und damit dir auch.

Das Einfachste, womit du beginnen könntest: Schau beim nächsten Einkauf der netten Kassiererin, die schon ein bissel angestrengt guckt, direkt in die Augen, lächele sie an und sag ihr „Bald ist’s geschafft – dann ist Feierabend!“ oder „Hui, Sie sind aber schnell! Ich komm gar nicht hinterher!“

 

Smalltalk für Anfänger

Noch viel einfacher geht das natürlich mit einem Hund.

Ich sag dir, meine Liebe, seitdem wir einen Hund haben, fühle ich mich nicht mehr einsam!

Mal ganz davon abgesehen, dass der Hund mir dabei hilft, die Kindübergaben mental besser zu überstehen und durch seine Größe allein auch einen deutlichen Schutz darstellt, den ich durchaus zu betonen weiß 😁

Das ist unser Merlin 😍 (Copyright K. Schierl)

 

Aber es kommt fast jeden Tag zu irgendeinem unverfänglichen, kleinen, netten Gespräch am Wegesrand.

Ohne Anspruch auf intellektuelle Tiefe komme ich immer wieder in den Genuss von kleinen verbalen Sonnenstrahlen, was ich durchaus schätze und mein Herz immer wieder leichter werden lässt.

Und das ist schließlich das Ziel – es darf leichter werden für uns!

Mal tauscht man sich über die „Zamperl“ (so heißen die Haustiere hier in Bayern) aus und was den Hund so eigen macht. Oder es gibt eine Marotte, über die man sich schmunzelnd amüsiert. Plattitüden werden gewechselt, die keinem weh tun: „Ja, so ist das mit den Rüden/Weibchen/Welpen!“

Als Hundebesitzerin bin ich selbstverständlich bei Wind und Wetter draußen. Toll, wenn man im heftigsten Regen einen anderen vermummten, gummibestiefelten Hundegänger trifft und sich gegenseitig beglückwünscht, dass man ja nicht aus Zucker ist und allen Wetterhärten trotzt!

Ha!

Das Schönste aber: Ich habe schon wirklich sehr nette und zutiefst inspirierende Menschen auf der Hundewiese kennengelernt (klar, auch doofe – wo viel Masse, da ist dann auch viel Buntes dabei): Vom Schulbusfahrer über Lerncoach über Unternehmer und Privatiers bis hin zu sympathischen Pensionären mit einer Fülle an Lebensweisheit.

Merke: Eine Bekanntschaft, die mit Smalltalk anfängt, kann durchaus mit Tiefe fortgeführt werden!

Vor allem aber hätte ich diese tollen Menschen ohne Hund nie kennengelernt.

Ich genieße diese kurzen Zusammentreffen wirklich sehr.

Sofern du die Bandbreite für einen Hund hast, kann ich dir nur empfehlen, dir einen anzuschaffen. Nein, nicht für die Kinder. Sondern für dich – letztlich musst du dich hauptsächlich kümmern, also vergiss es, dass deine Kinder da einen Teil der Verantwortung übernehmen werden, auch wenn sie es dir hoch und heilig versprechen. Vielleicht später mal, wenn sie größer sind, aber nicht am Anfang.

Klaro – ebenso nur, wenn du auch viel zu Hause oder im Home Office arbeitest oder gar selbstständig bist! Unser Hund ist da wirklich meine Rettung, sonst würde ich nur noch vor dem Rechner hängen und nie rauskommen.

Und ohne Hund?

Wenn ein Hund keine Option für dich ist, dann kannst du dich selbst zumindest darauf trainieren, den Smalltalk mit Fremden auch einfach so im Alltag regelmäßig zu praktizieren.

Aufhänger für diese ein, zwei Sätze Gespräche findest du immer – achte mal darauf:

Vor dem Geschäft schließt gerade jemand sein Fahrrad ab: Schau mal, was es Besonderes an dem Fahrrad zu bemerken gibt, und sag es: „Oh, das ist aber ein tolles Rad! Die Farbe ist genial! Darf ich fragen, wo Sie das gekauft haben?“

Jemand steigt vollbepackt in den Bus mit einem riesigen Lego-Paket: „Ui, da wird sich aber jemand riesig freuen!“

Magst du noch weiter gehen? Hast du Lust auf ein Experiment?

 

Dann mach bei meiner 7-Tage-Smalltalk-Challenge mit!

Deine Aufgabe:

  1. Tag: Du sprichst eine fremde oder wenig bekannte Person an, die dir begegnet, und die irgendetwas trägt oder bei sich hat oder etwas tut, was du bemerkenswert oder augenfällig findest. Das kann auf der Straße oder auch am Arbeitsplatz sein – die Teeküche auf einem anderen Stockwerk oder die Kantine sind hier wunderbare Fundgruben für dich.
  2. Tag: Du sprichst zwei fremde Personen an.
  3. – 7. Tag: Du sprichst jeden Tag einen Menschen mehr an.Die Herausforderung: Schaffst du 7 Tage am Stück?

 

Wichtige Regeln:

  • Entwickle ein Gespür dafür, welche Menschen du ansprechen willst. Menschen, die düster oder gar böse gucken, übersiehst du geflissentlich, logo!
  • Suche dir unbedingt etwas Positives heraus, was du erwähnen kannst. Oder Gemeinsamkeiten. Lerne, deinen Fokus auf das Schöne zu richten.
  • Schau deinem Gegenüber dabei stets in die Augen, nicke ihm zu und lächle.
  • Du gibst deinem Mitmenschen ein Geschenk ohne den Anspruch, gleich und sofort zurück beschenkt zu werden. Daher: Erwarte keine Gegenleistung in Form von einer tollen oder freundlichen Antwort (das wird zwar oft der Fall sein, aber halt auch nicht immer).
  • Betrachte es als eine Art Training mit dem Ziel, dich selbst besser zu fühlen.

Du wirst staunen, was du trotz fehlender Erwartung deinerseits zurückbekommst. ❤️

It’s magic!

Erzähl in den Kommentaren, ob du dich an die Challenge traust und welche Erfahrungen du anschließend damit gemacht hast. Ich bin schon sehr gespannt!