Wenn du zum zweiten Mal nach der Trennung wieder umziehen willst

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Gleich vorab: Du weißt ja – ich bin keine Rechtsanwältin, und darf und will dir daher keine Rechtstipps geben! Bitte verstehe diesen Artikel daher lediglich als Impuls und Grundlage für dein nächstes Gespräch mit deinem Rechtsbeistand, wenn du demnächst umziehen willst. Danke schön für dein Verständnis.

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YESSSS – ich bin frisch umgezogen! Zwar ist aktuell noch reichlich Chaos um mich herum, aber es wird schon.

Ich bin so froh und glücklich, ich kann es dir gar nicht beschreiben. ? Nach vier Jahren ist endlich Schluss mit dem Provisorium, mit dem ich in einer 3-Zimmer-Wohnung Midlife-Boom aufgebaut habe! Endlich Raum zum Atmen für mich und meinen Sohn.

Fast 12 Jahre habe ich in der gleichen Wohnung nach der Trennung vom toxischen Ex gelebt. Wir waren nicht verheiratet, aber ich hatte gleich nach der Geburt 2008 eine Erklärung für das gemeinsame Sorgerecht abgegeben.

Ja, ich weiß – im Nachhinein war das nicht smart. Zu dem Zeitpunkt war ich halt auch noch guter Hoffnung, dass wir es hinkriegen würden mit der kooperativen Elternschaft…

Ich bin damals – mein Sohn war gerade ein Jahr alt – in die Nähe gezogen, nur knapp 5 km (oder 25 Minuten zu Fuß) vom Haus des Kindsvaters entfernt.

Was er dann auch reichlich ausnutzte und gerne mit seiner neuen Freundin vorbeikam, um das Kleinkind abzuholen.

Ich hatte es schnell bereut, aber die Wohnung war trotz alledem ja toll und lag ruhig. Das Kind wurde größer, die persönlichen Begegnungen weniger – who cares?

Mit meiner Selbstständigkeit wurde es dann schwieriger. Unser Wohnzimmer wurde mehr und mehr zum Büro und Technikraum, und ich musste ständig Sachen wegräumen und wieder aufbauen, was unglaublich lästig war. Das Arbeiten und unser Familienleben verschmolz zu einer Masse ohne klare räumliche Grenzen.

Das Coronajahr mit Homeschooling hat das Ganze dann noch ins Unerträgliche getoppt. Wenn ich viele Coachingtermine hatte, war der Junge stundenlang in seinem kleinen Zimmer quasi eingesperrt und konnte sich nicht frei bewegen, geschweige denn mal Kumpel in Nicht-Lockdown-Zeiten einladen.

Anfang des Jahres war es klar: Hier musste sich etwas ändern, und zwar schnell! Also ging ich auf die Suche. Ein Haus mit Garten zur Miete sollte es sein – also ging ich gleich außerhalb von München auf die Pirsch. Denn – so dachte ich anfangs – wer soll sich in München schon ein Haus leisten können? Die Mietpreise sind hier derartig explodiert… Nach Wohnungen hatte ich gar nicht erst geguckt – die schienen sogar noch rarer und unverhältnismäßig teurer als ein Haus mit Garten. Zumal wir einen Hund haben, da macht ein Garten Sinn und Freude.

Ja, ich wurde auch im näheren Umland von München fündig: ein wunderschönes Haus in Fürstenfeldbruck, ca. 35 km von München entfernt inklusive S-Bahn-Verbindung nach München.

Und jetzt wurde es so richtig interessant. Was würde der Kindsvater wohl zu meinen Umzugsplänen sagen?

Dass du nicht einfach so mit dem Kind aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen kannst, wenn du dir das Sorgerecht mit ihm teilst, ist klar.

Aber was, wenn du schon einige Zeit getrennt bist und dann wieder den Wohnort wechseln willst? Und das Kind im Residenzmodell bei dir lebt?

Solange das Aufenthaltsbestimmungsrecht – eine Teilsorge des gemeinsamen Sorgerechts – nicht einem Elternteil explizit zugewiesen wurde, muss er zustimmen und sein OK geben.

Was gibt es Schöneres für einen Narzissten, der auf ständige Kontrolle und emotionale Energie aus ist, als eine Situation, in der seine Zustimmung gebraucht wird?

Und diese Männer uns Mütter mit ihrem Veto in einer unsäglichen Lage halten können, damit es uns bloß nicht besser geht?

Ha!

Natürlich informierte ich ihn frühzeitig, dass ich auf Häusersuche gehen würde. Keine Reaktion.

Auch informierte ich ihn gleich nach der Besichtigung des Hauses in Fürstenfeldbruck, dass wir es gerne nehmen würden, noch bevor wir den finalen Bescheid des Vermieters hatten. Und führte bereits alle Vorteile dieses Standorts für den Sohn und seiner Beziehung zum Kindsvater für die Zukunft auf.

Auch hier wieder: keine Reaktion.

Wir bekamen den Zuschlag für das Haus übrigens nicht. Was sich im Nachhinein als Glücksfall herausstellen sollte, war zum Zeitpunkt der Absage eine herbe Enttäuschung.

Aber ich war gewarnt und machte einen Beratungstermin mit einer Rechtsanwältin klar und wir besprachen das richtige Vorgehen.

Und das möchte ich hier mit dir teilen.

 

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Du holst dir am besten die schriftliche Zustimmung für deinen nächsten Umzug mit Kind VOR der Suche

Denn wenn du deine Traumwohnung gefunden hast, musst du schnell agieren können und kannst nicht tage- oder gar wochenlang warten, bis der gnädige Herr sich mit einer Zustimmung oder seinem Veto äußert.

Wobei die Frage generell im Raum steht, warum er überhaupt zusagen sollte, sofern du nicht ins Haus gegenüber von ihm einziehen willst (und ehrlich: warum solltest du DAS auch tun?)

Ich schrieb also noch am gleichen Tag eine Email an den Kindsvater mit meinen konkreten Suchkriterien:

1) Umkreis von 35 km vom jetzigen Wohnort

2) S-Bahn-Nähe

3) sein Umgang mit dem Kind kann ohne Änderungen weiterhin durchgeführt werden bzw. der Junge kann autark und unabhängig von mir zu ihm kommen

4) Schule der gleichen Art ist in der Nähe

5) bessere Lebensqualität für das Kind.

Und bat ihn um seine Zustimmung bis Ende der Woche (3 Tage nach Versand der Email). Allerdings bereits mit dem Hinweis, dass ich mich ansonsten gezwungen sehe, das Aufenthaltsbestimmungsrecht vom Familiengericht auf mich übertragen zu lassen, da ich bei dem hiesigen Mietmarkt schnell zusagen können muss, wenn ich ein günstiges Objekt gefunden habe. Und dass wir ausziehen würden, stand außer Frage.

Ich bekam dann ein hoch beleidigtes „Meinetwegen!“ – vier Tage nach der Deadline. ?

Zwei Tage später sah ich die Annonce von unserem neuen Haus – in München! Am nächsten Tag Besichtigung, zwei Tage später kam die Zusage, eine Woche später war der Mietvertrag unterzeichnet.

Ja, es ist teurer und liegt deutlich über meinem Mietbudget. ABER: Für den Jungen war es die beste Lösung. Das Haus liegt nur 15 km entfernt vom KV, es ändert sich am Umgang nichts, der Junge ist autark und kann auch, wenn er mal älter ist, unabhängig von mir in der Stadt unterwegs sein.

 

Ein Game Changer!

Siehst du den Unterschied zwischen

Ich habe eine tolle Wohnung gefunden und brauche jetzt unbedingt das OK vom Ex – hoffentlich wartet der Vermieter so lange!“ und

Ich habe Klarheit und Unabhängigkeit vor der Suche und kann klar und bestimmt beim zukünftigen Vermieter auftreten“?

Bei welcher der Aussagen bist du frei und selbstbestimmt – und bei welcher hängst du am Gängelband des Ex, an dem er dich genüsslich zappeln lassen kann?

Ja, es ist gut möglich, dass der Ex beim Vorherfragen sein OK nicht gibt – aber dann weißt du, wie dein nächster Schritt aussehen muss und stellst zusammen mit deinem Rechtsbeistand einen Eilantrag auf Übertragung des ABR auf dich.

 

Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?

Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft. 

 

Wenn es dann vor Gericht gehen muss

Solange du die Lebensqualität des Kindes im Blick hast, hast du alle Argumente auf deiner Seite.

Solange du dazu gewährleisten kannst, dass sich am Umgang zwischen Vater und Kind nichts ändern wird, bist du gut aufgestellt.

Solange die Beziehung zwischen Vater und Kind aktiv gelebt werden kann, ist alles im grünen Bereich.

 

Wie du dagegen nicht denken solltest:

„Hauptsache, genügend Entfernung zwischen uns!“

Das Kind soll nicht weiter von ihm manipuliert werden können.

„Hauptsache, ich habe mehr Kontrolle als er über das Kind.“

 

Merkst du den Unterschied?

Du solltest stets die Lebensrealität und -qualität des Kindes im Blickfeld behalten.

Selbstverständlich hast du auch das Recht auf eine bessere Lebensqualität, keine Frage! Aber solltest du vor Gericht das dann verargumentieren müssen, darf das Kind nicht zweitrangig rüberkommen und mit dem Verlust von wichtigen Beziehungen bezahlen müssen.

Dies ist wohl dann der Fall, wenn die Entfernung größer werden soll und du z.B. mit deinem neuen Partner zusammenziehen willst.

Mit meinem Court Royal Onlinekurs kannst du dich übrigens super gut auf deine optimale Argumentation vorbereiten, das nur mal so am Rande…

 

Lass dich trotzdem bitte nicht einschüchtern!

Es gibt immer mal wieder Aussagen von Müttern, dass sie das Dorf nicht verlassen dürfen, bis das Kind 18 Jahre alt sei, weil er das verbieten würde.

Mumpitz.

Niemand kann dir verbieten, wegzuziehen. Hast du gute, kindorientierte Argumente, kannst du sehr wohl dorthin ziehen, wo du dich wohler fühlst und mehr in die emotionale Stabilität kommst, ohne dass dir der Ex jeden Samstag im Discounter vor die Füße läuft.

Die emotionale Balance, die du brauchst, hängt nicht unbedingt davon ab, ob jetzt 5, 10 oder 100 km Abstand zwischen euch sind.

Die beginnt zuerst in deinem Kopf.

 

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