Über die Scham nach der Trennung

Jun 5, 2020 | 6 Kommentare

Die meisten der Mütter, die mir folgen und mit denen ich mich in meiner Community austausche, kennen das Gefühl der Scham. Scham, die sie in dem Moment überfallen hat, als sie ihren Freunden und der Familie das Scheitern ihrer Ehe mit dem toxischen Ex mitteilen mussten.

Kennst du das auch? Dieses Gefühl, dass sich jetzt bitteschön der Boden unter dir auftun möge, wenn dich die neugierige Nachbarin – die du zugegebenermaßen noch nie leiden konntest – mit einem deiner Meinung nach durchdringenden Blick grüßt?

Oder all die Bekannten und Freunde, die du damals zu Eurer Hochzeit eingeladen hattest. Der Jubel aus früheren Zeiten ist vorbei, und was du selbst vielleicht noch nicht umrissen hast („Wie konnte es nur so weit kommen?“) wird schwer erklärbar anderen gegenüber.

Lass uns doch mal diesem Gefühl auf den Grund gehen.

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Was ist Scham?

Laut Wikipedia ist Scham „eine aversive Emotion, die häufig mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit einhergeht. Sie wird empfunden, wenn das Selbstbild einer Person nicht mit dem Bild übereinstimmt, das andere Personen von ihr haben, oder das die Person selbst aufgrund bestimmter Umstände von sich gewinnt. Für Brené Brown ist Scham die Empfindung persönlicher Fehlerhaftigkeit und hat mit der Angst vor Zugehörigkeitsverlust zu tun. Im Extremfall ist Scham „das Gefühl, dass nichts mehr zu retten sei, wenn die anderen einem auf die Schliche kommen.“

Das Schamgefühl ist stark mit unserer Kultur verknüpft. Wir wurden mit bestimmten moralischen und ethischen Grundsätzen groß, und wir bekamen Werte vermittelt, die wir sehr wahrscheinlich zum größten Teil ungefragt übernommen haben (wie z.B. Familie oder Status oder Erfolg).

Das Gefühl selbst hat dann eine Schutzfunktion. Ohne die zu erwartende Scham, die einen überfällt, wenn man gegen die Werte einer Gemeinschaft verstößt, steht zu befürchten, dass man aus der Gruppe ausgeschlossen wird.

Lebe ich seit Jahrzehnten auf dem Land in einem kleinen Dorf, habe dort den aussichtsreichsten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl geheiratet und drei Kinder mit ihm bekommen, bin mit ihm auf jedem Dorffest gewesen, sowie die Kinder sind in sämtlichen Vereinen unterwegs, atmet und lebt das Dorf die Werte „Familie“ und „Zusammenhalt“ und liegt die Scheidungsrate dort unter 0,0001% – dann habe ich nach einer von mir durchgezogenen Trennung mit dem buchstäblichen „Spießrutenlauf“ zu rechnen.

Ich gehöre danach nicht mehr dazu. Gut möglich, dass entweder keiner mehr mit mir sprechen wird oder ich sogar den einen oder anderen demütigenden Satz von einer Altvorderen kassiere.

Das Schamgefühl hat daher eine Existenzberechtigung, weil man tatsächlich riskiert, aus der sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden – zu Urzeiten ein Todesurteil.

Es gibt aber auch ein unberechtigtes Schamgefühl. Das zeichnet sich dadurch aus, dass man meint, die Anderen würden einen als minderwertig und schwach bewerten, was aber nicht stimmt und daher auch keine negativen Folgen auslösen würde. Kinder schämen sich ihrer roten Haare z.B. – dabei sind das doch ganz besondere Alleinstellungsmerkmale! Oder vielleicht schämst du dich, weil du einen bestimmten Sprach-Tick hast – dabei fällt das einem Gegenüber gar nicht mehr auf beziehungsweise schließt dich das nicht aus der Gemeinschaft aus.

 

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Wie gehst du damit am besten um?

Bist du die erste, die sich innerhalb deiner Familie und deines Bekanntenkreises aus trennt, dann entfernst du dich erst einmal aus dieser Gemeinschaft allein dadurch, dass du den Status „verheiratet“ bzw. „in einer Partnerschaft“ auflöst und zusätzlich den Werten „Familie“ und „Ehe“ abtrünnig wirst. Je nachdem, wie wichtig diese Werte in deiner Umgebung sind, umso größer dürfte dein Schamgefühl sein.

Viele berichten davon, dass sie sich allein auf weiter Flur sahen, sobald sie den Entschluss verkündet hatten. Bekannte, Freunde und sogar die eigene Familie wendeten sich ab.

Das Schlechteste, was du dann tun könntest, wäre sicherlich, diese überzeugen zu wollen und viele Geschichten aus dem Beziehungsalltag zu erzählen!

Was dir eher helfen wird ist eine neue Gemeinschaft, welche du dir durchaus auch virtuell aufbauen kannst, und dort Hilfe und Unterstützung zu suchen und damit nicht mehr allein zu sein.

In meiner Starken Mütter Gruppe auf Facebook oder in meinem exklusiven Club der mutigen Mütter findest du mittlerweile Tausende von Frauen, die in einer ähnliche Situation waren oder noch immer sind und die sich gegenseitig liebevoll und warmherzig unterstützen.

Diese Möglichkeit hatten unsere Urahninnen noch nicht! Also brauchst du keine Angst mehr davor zu haben, von der einzigen Gemeinschaft verstoßen zu werden – du suchst dir eine neue und findest dort deine zweite emotionale Heimat.

Sind dann erst einmal ein paar Monate ins Land gegangen und du hast erfahren, wie du dich weiterentwickeln konntest, wirst du feststellen, wie die Scham deinem alten Stamm gegenüber immer schwächer wird.

Du brauchst dich dann auch fürwahr nicht mehr zu verstecken! Du hast dir ein eigenes Leben aufgebaut, hast Grenzen gelernt aufzustellen und weißt mehr und mehr Bescheid, so dass dich dein Ex oder Ewiggestrige mit stupiden Glaubenssätzen nicht mehr aus der Fassung bringen können.

Sehr wahrscheinlich hast du außerdem einen besseren Blick auf andere Familien gewonnen. Du siehst, wie viele andere ein verlogenes Familienidyll leben. Weil sie nicht den Mut aufbringen, hier eine klare Kante zu zeigen – so wie du damals.

Dein Weg bringt dir mehr und mehr (Selbst-)Sicherheit. Sicherheit, dass du den richtigen Weg gegangen bist. Dass es für dich die richtige Entscheidung war.

Mit der Sicherheit kommt der klare, ruhige Blick, den du anderen dann schenkst, wenn sie dir gegenüberstehen. Und nicht mehr schamerfüllt und unsicher auf den Boden schaust, weil du nicht weißt, was du sagen sollst, und du dir denkst, sie könnten recht haben mit ihrem „Du bist an allem schuld“!

Und dein ruhiger Blick wird ankommen, garantiert.

Es würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn du dann von den gleichen Menschen, die sich zuerst von dir distanziert haben, später voller Achtung und Bewunderung angesprochen wirst: „Toll, wie du das hinbekommen hast!“

Das Gegenteil von Scham ist übrigens Stolz und Ausdruck eines gesunden Selbstwertgefühls. Und genau daran arbeite ich mit dir, wenn du es mir erlaubst. ❤️

 

Wo stehst du heute, Sweetheart? Ist Scham noch ein Thema für dich? Ich freue mich auf deinen Kommentar weiter unten!

 

 

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