Braucht ein Kind wirklich beide Eltern? Was Familiengericht und Helfersystem verschweigen

0 Kommentare

Das Familienrecht beruht auf der Annahme, dass ein Kind beide Elternteile braucht – doch was, wenn ein Elternteil hochtoxisch, narzisstisch oder gewalttätig ist? Dieser Artikel zeigt, warum diese Prämisse für Mütter in Hochkonflikt-Trennungen gefährlich kurz greift und was Kinder wirklich brauchen, um trotz eines toxischen Vaters gesund aufzuwachsen.

 

Zum Hintergrund

 

Im aktuellen Familienrecht gibt es diese Prämisse:

  1. Beide Eltern wollen stets das Beste für ihr Kind;

  2. beide Eltern sind grundsätzlich kooperationsfähig;

  3. Konflikte sind durch Kommunikation und Mediation lösbar und

  4. beide Elternteile sind gleichermaßen erziehungsfähig.

Wir Mütter mit einem toxischen Ex haben allerdings schmerzlich erfahren, dass das in unserem Fall nicht zutrifft.

Der Kindsvater will nicht das Beste für das Kind, sondern das Beste für sich. Und nicht nur das: er will vor allem das Schlimmste für die Mutter seines Kindes erreichen, wenn er vor Gericht geht. Er will Rache.

Er ist auch alles andere als kooperationswillig: Er will den Konflikt am Leben erhalten, denn nur so erreicht er sein Ziel, die ehemalige Partnerin zu zermürben und finanziell zu ruinieren. Was nicht heißen muss, dass er im Gericht ausschließlich verstockt ist – er zeigt im Saal eher eine kooperierende Miene, allerdings hapert es dann an der Umsetzung der vermeintlichen „Einigung“ (sprich Vergleich).

Und jede Mutter weiß, dass eine Mediation mit diesem Mann nichts bringt – außer dass eine Mediation mit einem neutralen Dritten ihm eine Bühne gewährt, damit er seine egoistischen Forderungen verbalisieren kann.

Aber ist ein toxischer Mann per se demnach nicht auch absolut unfähig, ein Kind zu einem gesunden, resilienten Erwachsenen zu erziehen? Und wenn ja – was heißt das dann für dich als Mutter, wenn du gerade im Familiengericht dein Kind schützen und aber gegen diese oben genannte Grundhaltung des Gerichts ankämpfen musst?

Darüber möchte ich mich in diesem Artikel näher auslassen, da diese Diskussion jüngst im Club der mutigen Mütter entbrannt ist.

 

Die Killerphrase schlechthin

 

Manche Mutter, die mir folgt, hat eine schlimme (Gerichts-)Historie mit einem hochtoxischen, pathologischen Narzissten erlebt, der seine abgrundtief böse und hassende Haltung ihr gegenüber bei jeder sich bietenden Gelegenheit gezeigt hat und damit Unfassbares erreichen konnte – bis hin zur Umplatzierung des Kindes zu ihm und Entfremdung zur Mutter.

Für sie ist eine Grundhaltung, die ich im Folgenden diskutiere, kaum auszuhalten, denn sie wird 100%ig vom Helfersystem zu hören bekommen haben:

Das Kind braucht beide Eltern.“

Wieso um alles in der Welt sollte ein (kleines) Kind einen hasserfüllten, hochgradig narzisstischen, verletzenden, manipulierenden und maximal egoistischen Vater brauchen?

Ich glaube nicht! Wir können doch unmöglich danebenstehen und tatenlos zusehen, wie das Kind das Gleiche erlebt wie wir damals – das Gaslighting, die Vernachlässigung, die Abwertung, die Verantwortungslosigkeit, die Manipulation, die zwei Gesichter – und annehmen, dass danach trotzdem alles gut wird?

Schauen wir uns doch dagegen einmal das andere Extrem an – das, was meine Müttergeneration und die davor und die davor noch erlebten: den komplett abwesenden Vater. Der, der die Familie verlässt und ohne ein Wort das Kind nicht mehr wiedersehen will.

Das Kind bleibt zurück mit der Frage, was es wohl falsch gemacht hat, dass der Vater gegangen ist. Vielleicht war es am Vortag besonders frech und aufmüpfig gewesen, vielleicht hat es sogar mitbekommen, wie die Eltern sich angeschrien haben, dass das Kind ihm den letzten Nerv raubt oder die Frau das Kind mehr liebt als ihn.

Was diese Kinder in solchen Momenten an inneren Überzeugungen übernehmen, die sich für immer in ihre Seelen brennen, ahnen wir bereits: „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.“ Oder auch: „Mit mir stimmt etwas nicht.“ „Ich werde immer verlassen.“ „Ich muss artig sein, damit ich nicht verlassen werde.“

Wenn wir dann noch näher hinschauen, welche archetypischen Muster hier wirken – die Junge-Vater-Mann-Konstellation oder die Tochter-Vater-Weiblichkeit-Konstellation – dann dürfte uns auch klarwerden, worauf wir achten müssen.

Einladung zum Mutmach-Freitag

Abonniere jetzt meinen kostenlosen wöchentlichen Newsletter

Zum Newsletter >>>

Denn welche Aufgabe hat ein Vater?

 

Für den Sohn hat er eine Vorbildfunktion. Spätestens mit 7 begreift der Junge, dass der Vater ein Mann ist und alles kann und ist, was er später auch mal werden wird: „Ach, so sprechen und denken Männer!“

Für die Tochter ist ein Vater der erste Mann in ihrem Leben. Er spiegelt ihr ihre Rolle als spätere Frau und gibt ihr ein Bewusstsein für ihre Weiblichkeit im Zusammenspiel von Yin und Yang.

Ein Vater, der sich dessen bewusst ist, braucht ein großes Maß an Empathie und auch eigene Souveränität in seiner Männlichkeit. (Hier öffnet sich bei der Gelegenheit gleich noch ein ganz anderes Fass – denn das Thema Männlichkeit steckt in ihrer eigenen großen Krise. Dieses Fass darf dann gerne von einem anderen Coach in der Tiefe eruiert werden, das würde hier schlichtweg den Rahmen sprengen.)

Ein Vater, der sensibel und reflektiert genug ist, seinem Sohn zu zeigen, dass Männlichkeit eben nicht Unverletzlichkeit und Aggression bedeutet, und ihm verdeutlichen und vorleben kann, dass ein glückliches, zufriedenes Leben nur dann möglich ist, wenn die männlichen und weiblichen Anteile, die jeder Mensch hat, in fein ausgewogener Balance zueinander gelebt werden, erfüllt seine Vorbildfunktion für den Jungen.

Und ein Vater, der dem Mädchen bedeutet, dass sie in ihrer Weiblichkeit vollkommen okay ist und sie darin bestärkt, auch ihre männlichen Anteile zu leben, erfüllt meiner Meinung nach seine Vaterrolle für das Mädel. Also nicht nur „Du bist meine Prinzessin!“ Sondern auch: „Komm, das schaffst du – diese Grenze ist nur in deinem Kopf.“

Das wäre jetzt mal so mein Ideal.

 

Und wie sieht das mit hochtoxischen Vätern aus?

 

Der pathologische Narzisst zeigt nur eins: eine hochtoxische Männlichkeit, die sich wie auch immer entartet bei seinem Buben oder Mädel in unterschiedlicher Couleur zeigt.

Das Mädchen wird eher ständig abgewertet und verglichen, der Junge gegebenenfalls als Muttersöhnchen verhöhnt oder zu Höchstleistungen angestachelt und mit negativen Sätzen über andere vergiftet. Wenn dann noch die Überzeugung eingeimpft wird, dass die Mutter selbst schlecht ist und es nicht in Ordnung ist, sie zu lieben und zu respektieren, ist der größtmögliche Schaden angerichtet.

Wollen wir so unsere Kinder aufwachsen sehen?

Natürlich nicht!

Jetzt gibt es aber nicht nur die hochtoxischen Ex-Männer und Väter. Es gibt auch welche, die sich nuanciert toxisch verhalten – also z.B. „nur“ manipulativ und egoistisch verhalten, aber sich in der Diskreditierung der Mutter noch zurückhalten bzw. nicht ständig irgendwelche Gerichtsverfahren anzetteln.

Es gibt hier ein breites Mittelfeld zwischen dem Mitläufer-Typen, dem gemeinen Mistkerl und dem Teufel schlechthin. (Apropos: Kennst du bereits meinen Test?)

Und dann sind da ja noch die Kinder selbst!

Hier müssen wir sehr genau hinschauen, um ein nuanciertes Bild zu erhalten und eine gute Entscheidung für das Kind treffen zu können.

Bei einem kleinen Kind ist meiner Meinung nach alles klar: Hier spielt die Person die Hauptrolle, die das Kind hauptsächlich betreut und die stärkste Bindung zu ihm hat. Das Kind muss die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse erleben dürfen, um das Gefühl der Sicherheit zu verinnerlichen und eine psychische Basis für später zu haben.

Werden die Kinder älter, zeigen sich mehr und mehr ihre Persönlichkeiten und Bedürfniswelten. Was für das eine Kind eine Katastrophe ist – dass der Vater nicht mehr da ist und offensichtlich nie mehr wiederkommt – kann für das Geschwister eine äußerst erleichternde Situation sein.

Oder das: Das Kind fühlt die Anspannung und auch die Aggression des Vaters, traut sich aber nicht, dagegen zu sprechen, wenn es gefragt wird, und glaubt, dass es allen Beteiligten nur hilft, wenn es sich dem Willen des Vaters beugt. Es opfert sich lieber in der Hoffnung, dass dann unter den Erwachsenen endlich Frieden einkehrt.

Ein manipulierter Kindeswille ist immer noch der Kindeswille, heißt es im Helfersystem.

Soll man da den Kindeswillen brechen, „nur“ weil wir Erwachsenen entscheiden, was gut für das Kind ist?

Mit dieser Haltung der Anwesenden im Gerichtssaal können sich Kinder aktuell um Kopf und Kragen reden und werden danach unter Umständen zum hochtoxischen Vater umplatziert. Es gibt Fälle, da steht dann Schwarz auf Weiß im Gutachten, dass der Kindeswille manipuliert wurde, aber ein größerer Schaden entstehen würde, wenn man dem nicht nachgibt.

Was für eine Welt!

Ohne Zweifel, meine Liebe: Die aktuelle Kindheit unserer Kinder mit einem krankhaft narzisstischen Vater, der die Klaviatur eines dysfunktionalen Systems perfekt beherrscht, ist alles andere als schön und war so von uns nicht geplant!

Wir können unsere Kinder leider nicht zur Gänze beschützen – nicht vor Schmerzen, Verletzungen, Bullys in der Schule, Ungerechtigkeiten in der Benotung und auch nicht vor den Erfahrungen mit einem toxischen Vater.

Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?

Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft. 

Wobei wir ihnen aber helfen können:

 

Bei der Einordnung der Geschehnisse im Innern. Mit dem Vorleben dessen, wie wir selbst beherzt mit toxischen Mitmenschen umgehen. Und mit dem Gewinnen der Einsicht, dass sie gut so sind, wie sie sind – egal was der anwesende, giftige Vater oder der abwesende Vater ihnen vermittelt hat.

Deine Zuversicht, dass dein Kind über die Zeit lernt, damit umzugehen, ist hier ein unglaublich wichtiger Schlüssel. Und so lange du das eben nicht glaubst, ist noch viel innere Arbeit für dich zu tun.

Was nicht heißen soll, dass du nicht alles gibst, um zu verhindern, dass dein gegebenenfalls hochtoxischer, pathologischer Ex vollkommen freidrehen kann!

 

Aber ab einem gewissen Punkt ist das Haupt-Thema für uns Mütter wieder einmal das Loslassen:

 

Loslassen vom Glaubenssatz, dass wir Mütter unsere Kinder beschützen können müssen.

Loslassen vom Glaubenssatz, dass schlechte Erfahrungen im Leben unserer Kinder automatisch dazu führen, dass die Kinder innerlich zerstört werden.

Loslassen vom Glaubenssatz, dass der Mann auf die gleiche Art und Weise mit dem Kind agiert wie er mit dir damals agiert hat, als ihr noch zusammen wart.

 

Fazit

 

Nein, ein Kind braucht nicht BEIDE Eltern.

Ein Kind braucht LIEBEVOLLE Eltern.

Sofern ein Elternteil nur Hass und Ablehnung zeigt, dann hat dieser Elternteil seine Vorbildfunktion verwirkt und sollte diese auch nicht mehr als Freifahrtschein vom Gericht zugewiesen bekommen. Kindeswille hin oder her. Wir lassen unsere Kinder im Winter ja auch nicht barfuß in die Schule laufen, nur weil es das will.

Allerdings braucht ein Kind sicherlich Vorbilder für das Männliche und das Weibliche. Das muss nicht automatisch bedeuten, dass nur der leibliche Vater das Männliche vorleben kann: Das kann zur Not auch ein Onkel oder der Opa oder ein Trainer oder ein Lehrer sein, der besonders empathisch auf das Kind eingehen und es in seiner Persönlichkeit früh erkennen und anleiten kann.

Eins ist auch klar: Wir können unsere Kinder nicht vor Allem schützen – aber wir können es zumindest versuchen, das Schlimmste abzuwenden.

Wir müssen hier unbedingt vermeiden, dass wir eine einzige Lösung über alle Kinder kippen. Und wir dürfen von dem lernen, was TraumatherapeutInnen von jungen Erwachsenen berichten dürften, die Traumata durch toxische Eltern erlebt haben.

Wie siehst du das? Könnte dein Kind gut ohne den toxischen Vater zurechtkommen deiner Meinung nach? Und was sagt dein Kind dazu? Schreib es gerne in die Kommentare.

 

Mehr über mich

 

Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.

Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.

Einladung zum Mutmach-Freitag

Abonniere jetzt meinen kostenlosen wöchentlichen Newsletter

Zum Newsletter >>>