Familienrecht & Trennung: Die Tretminen, die nur Mütter kennenlernen, die sich von einem toxischen Mann trennen

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Wenn du dich von einem toxischen Mann trennst, betrittst du fast über Nacht eine völlig neue Welt: Sorgerecht, Umgangsrecht, Wechselmodell, Eilantrag. Im Familienrecht begegnen dir viele ExpertInnen, die routiniert mit Begriffen jonglieren – und manchmal mit Sätzen, die dich eher entmutigen als stärken. Gerade am Anfang, wenn du noch wenig Ahnung hast, bist du besonders empfänglich für fremde Überzeugungen. Dieser Artikel zeigt dir, wie du die größten Tretminen erkennst, fremde „Wahrheiten“ hinterfragst und lernst, deiner eigenen Intuition zu vertrauen – damit du in dieser sensiblen Phase souveräne Entscheidungen für dich und dein Kind treffen kannst.

Im Laufe des Trennungsprozesses – davor wie danach – kommst du mit vielen ExpertInnen zusammen, die im Helfersystem arbeiten: Sei es die Dame im Jugendamt, der Mediator in der Elternberatung oder der Rechtsbeistand, mit dem du schon vorher Kontakt aufnimmst, um die bestmögliche Strategie für den Auszug mit Kind zu besprechen. Alle arbeiten routiniert ihre internen Abläufe ab und werfen mit Begriffen um sich, von denen du noch nie etwas gehört hast.

Da wird vom gemeinsamen oder vom alleinigen Sorgerecht gesprochen, dann gibt es noch das Umgangsrecht, das Wechselmodell und das paritätische Umgangsmodell (Moment – das ist doch dasselbe!?). Und es fallen vielleicht Wörter wie Aufenthaltsbestimmungsrecht, Bindungsintoleranz und Eilantrag.

Dir schwirrt der Kopf. Eigentlich wolltest du dich nur von einem Mann trennen, mit dem die Partner- und Elternschaft die reinste Hölle geworden ist – und auf einmal siehst du dich mit der Tatsache konfrontiert, dass du dich schnellstmöglich ins Familienrecht einarbeiten musst. Denn solltest du mit Kind in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach ohne Zustimmung des Vaters ausziehen, entführst du laut dem gemeinsamen Sorgerecht erst einmal dein eigenes Kind!

 

Warum diese Phase so heikel ist

 

Auf einmal gibt es unglaublich viele Tretminen, die Mütter nur kennenlernen, wenn sie sich von einem toxischen Mann trennen.

Spätestens nach der ersten Beratung bist du überfordert. Du kannst gar nicht überblicken, welche Entscheidungen du jetzt treffen sollst. Du weißt nicht, womit du dich im Jugendamt in die Nesseln setzt – oder was es für das Kind in sechs Monaten bedeuten kann, wenn du jetzt dem Wunsch des Ex nachgibst und dich auf das Wechselmodell „auf Probe“ einlässt, weil er das unbedingt will.

Du verstehst nur eins: Du hast wenig bis gar keine Ahnung – und die anderen um dich herum wissen alle Bescheid. Sie haben schließlich schon viele Familientrennungen begleitet, also wissen sie auch, was funktioniert.

Und genau das macht diese Phase so sensibel. Denn immer dann, wenn du von einer Sache nichts weißt und einer Person begegnest, die du als ExpertIn wahrnimmst, bist du offen für sämtliche Überzeugungen, die diese Person von sich gibt.

Wenn du also beispielsweise hörst:

„Mit dem Richter ist nicht gut Kirschen essen!“
„Die Anwältin des Kindsvaters ist der Väterlobby zugetan.“
„Heutzutage haben Mütter überhaupt keine Chance im Gericht.“
„Das Wechselmodell (bzw. paritätische Umgangsmodell) ist das Beste fürs Kind.“
„Sie sollten der Vereinbarung – ähem, dem Vergleich (hüstel) – zustimmen, sonst wird das hier Jahre dauern.“

… dann haben solche Aussagen einen gegenteiligen Effekt: Sie entmutigen und machen Angst. Noch schlimmer – diese Sätze prägen sich so tief in uns ein, dass wir selbst beginnen, sie zu glauben, indem wir Beweise dafür suchen. Sind wir erst einmal angefixt mit den Überzeugungen anderer, handeln wir entsprechend – und die Aussage wird beweisbar.

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Frag dich: Stimmt das wirklich?

 

Wann immer ein Satz als absolute Wahrheit dargestellt wird, frage dich: „Stimmt das wirklich? Gibt es keine Gegenbeispiele?“ In der Regel gibt es nämlich immer welche. Mütter, die bei Gericht siegreich waren und ihre Kinder schützen konnten. Die das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekamen und weit, weit wegziehen durften.

Klar kommen solche Aussagen von oben nicht von ungefähr. Natürlich gibt es auch viele Fälle von Müttern, die – je nach Toxizität des Ex – im Gerichtssaal ein unbeschreibliches Desaster erlebt haben. Es sind genug, um sie nicht mehr ignorieren zu können, und alles schreit nach einer Reform des Familiengerichtssystems, damit solche Fälle deutlich eingedämmt werden.

Aber du hast immer die Wahl, welche Haltung du zu deiner Situation einnimmst. Dass du dein Bestes gibst und dich nicht schon im Vorfeld entmutigen lässt, wäre zum Beispiel optimal – gerade dann, wenn die vermeintlichen ExpertInnen im Helfersystem abwinken und dich mit platten, klischee- und vorurteilsbehafteten Aussagen in eine bestimmte Richtung manipulieren wollen.

Damit wenigstens ein Elternteil in dieser Elternschaft gefügig ist …

Du könntest dir stattdessen denken:

„Was wäre, wenn dieser Gedanke auf meine Situation gar nicht zutrifft?“
„Was könnte bestenfalls dabei herauskommen?“
„Was, wenn das eine Behauptung ist, die erst noch bewiesen werden muss?“

Jeder Mensch macht eigene Erfahrungen und interpretiert sie je nach Persönlichkeit individuell. Für die eine Person sind zwei ähnlich gelagerte Fälle „häufig“, für die andere erst 50. Weiß man’s? Die eine übertreibt gern, die andere kommt gerade aus einem Seminar, in dem der Grundtenor „Alle Eltern sind grundsätzlich kooperationsfähig!“ lautete.

 

Vertrauen und Loslassen – beides darf sein

 

Was aber nun tun, wenn du noch keine Ahnung hast und alle anderen mega überzeugend auftreten und überquellen vor Wissen und Anekdoten aus dem Gerichtssaal?

Ja, du sollst auch vertrauen dürfen. Du musst sogar! Du kannst dir nicht in einer Woche das Wissen von 30 Jahren fachlich angeeigneter Expertise aneignen.

Und ja, du musst hier auch loslassen lernen. Diese Elternschaft, die gerade vor und nach dem Familiengericht im Schweinsgalopp an Dynamik gewinnt, kannst du nicht mehr kontrollieren.

Und ja, du wirst große und kleine Fehler machen. Das ist fast unvermeidlich. Dir wird vielleicht erst viele Jahre später richtig bewusst, wie wenig du damals wusstest – und das ist vollkommen normal.

Und falls du diese Zeilen liest und in der Erkenntnis schon so weit angelangt bist: Lass mich dich über diese Zeilen herzlich umarmen und dir versichern, dass du damals bestimmt nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hast. Nur weil du heute mehr weißt, heißt das doch nicht, dass du dich rückblickend für dein damaliges Unwissen schämen musst!

Das ist so, als müsste sich eine Drittklässlerin dafür schämen, dass sie als Kiga-Kind noch nicht schreiben und rechnen konnte.

Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?

Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft. 

Was du heute konkret tun kannst

 

Was kannst du also tun, um die größten Tretminen zu vermeiden, wenn du noch relativ am Anfang stehst?

Trainiere, deiner inneren Intuition zu folgen. Das ist leichter gesagt als getan – gerade, wenn du über viele Jahre nur darauf trainiert wurdest, deinen Ex zu lesen. Aber dir zuzugestehen, deiner Intuition zu vertrauen (jener, die nicht durch Angst, sondern durch ein sicheres, inneres Gefühl gespeist wird), ist der wichtigste Schritt, damit du schon im Kennenlerngespräch mit dem Rechtsbeistand eine gute Entscheidung triffst. Deine Intuition meldet dir auch in Sekundenschnelle zurück, wenn dein Ex etwas von dir verlangt, was du noch nicht überblicken kannst. Überforderung entsteht hauptsächlich im Kopf – die Intuition kommt aus dem sprichwörtlichen Bauch. Eine der wesentlichen Transformationen, die jetzt anstehen: ihr dann auch zu folgen und dich nicht der Angst hinzugeben, was er anschließend damit anstellen wird.

Trau dich, „dumme“ Fragen zu stellen – so lange, bis du den Sachverhalt wirklich verstanden hast. Gerade bei deinem Rechtsbeistand, der dich ja strategisch beraten soll.

Gewinne Zeit. Bitte darum, „darüber eine Nacht schlafen zu können“. Lass dich im Gespräch im Jugendamt nicht überrumpeln.

Frag nach. Stelle den Personen, die dir einen Rat geben, Fragen wie:

„Ist das Ihrer Meinung nach wirklich das Beste für ein Kind? Worauf führen Sie das zurück?“ „Wie ist Ihre Erfahrung mit dieser Lösung bei hochkonflikthaften Trennungen nach fünf Jahren? Haben Sie weitere Daten für mich?“

Und zu guter Letzt ein ambivalenter Tipp: Achte darauf, in welche Mütterforen du gehst. Die schlimmen Überzeugungen einer Mutter, die über zehn Jahre und darüber hinaus die Hölle im Gericht mit ihrem hochtoxischen, pathologischen Ex erlebt hat – und die diese in sämtlichen Foren teilt, um andere zu „warnen“ –, sind eine unglaubliche Gefahr für dein eigenes Überzeugungssystem. Du musst wirklich aufpassen, welche Überzeugungen du von fremden Personen unbewusst übernimmst und wie du daraufhin dein eigenes Denken und Handeln ausrichtest.

Ambivalent ist der Tipp, weil ich selbst Gemeinschaften unterhalte – eine kostenlose auf Facebook und den Club der mutigen Mütter – und bestimmt nicht vermeiden kann, dass das auch in meinen Gruppen passiert. Trotzdem: Du hast es selbst in der Hand, wie du mit solchen Posts umgehst und welche Überzeugungen du ungeprüft übernimmst. Die Achtsamkeit ist der erste Schritt – und alles, was Mut macht, wird dir langfristig helfen, mit dieser Elternschaft souverän umzugehen.

Wie ist das denn bei dir gewesen, meine Liebe? Wie turbulent hast du die ersten Wochen nach der Trennung erlebt – und wie bist du mit der Fülle an neuen Infos umgegangen? Ich freu mich über deinen Kommentar weiter unten. Lass uns teilhaben und die anderen Mütter von deinen Erfahrungen profitieren. Danke schön!

 

Mehr über mich

Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.

Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.

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