Corona und ein toxischer Kindsvater – eine miese Kombi

Mrz 20, 2020 | 18 Kommentare

Corona allein stresst und verunsichert schon enorm. Aber was macht eine Mutter mit einem toxischen Ex-Partner, die gerade ein hochstrittiges Gerichtsverfahren laufen hat? Oder eine Mutter mit einem Kleinkind, welches noch nicht an lange Trennungen von der Mutter gewöhnt ist, und eine Quarantäne beim Kindsvater wahrscheinlich sein könnte?

Was macht eine Mutter, bei deren Kindern die Umgänge noch gar nicht geregelt sind?

Für mich als Coach für Mütter mit toxischen Ex-Partnern ist die Situation selbstverständlich gleichfalls neu. Die Dynamik des Virus bringt so viele neue Aspekte hoch, dass man das Ausmaß nur schwer greifen kann.

Die meisten „meiner“ Mütter in meiner Starken Mütter Gruppe auf Facebook oder meinem Club der mutigen Mütter sind so dermaßen eingeschüchtert von Behörden und Tausenden von Erwartungen, wie sie sich bitteschön im Umgang mit dem toxisch-narzisstischen Ex-Partner „richtig“ zu verhalten haben, dass es ganz schön ungewohnt sein kann, auf einmal gar keine konkreten Weisungen zu erhalten.

Wenn du dich angesprochen fühlst, möchte ich dir trotzdem unbedingt Mut machen. Gerade wenn um dich herum alles verunsichert ist, liegt darin auch immer eine Chance für dich.

Denn welcher Jugendamtsmitarbeiter und welcher Richter kann dir einen Vorwurf machen, wenn du jetzt besonders vorsichtig bist und die Umgänge des Kindes einschränkst?

Vor allem, wenn du belegen kannst, dass der Kindsvater in der Vergangenheit – oder auch jetzt schon mit Corona – besonders leichtfertig trotz offizieller Vorsichtsmaßnahmen vorgegangen ist?

Irgendein Hinweis auf eine „Corona-Party“ oder Verwandtenbesuche oder Urlaubsreisen zu Hot Spots? Aufheben.

An dem Tag, an dem du die Entscheidung triffst, den nächsten Umgang auszusetzen, schreibst Du dem Ex eine sachliche Email mit Begründung und hebst diese gut auf.

Wenn du weißt, dass dein Ex besonders heftig getriggert werden könnte, fass dich so knapp wie möglich und mache dir zusätzliche Notizen mit deinen genauen Überlegungen mit Datum und möglichst zeitaktuell.

Jeden Tag gibt es neue Erkenntnisse und neue Maßnahmen der Regierung. Eine Entscheidung, die du erst vor drei Tagen noch guten Gewissens machen konntest, kann heute nicht mehr angebracht sein.

Aber bevor du dir jetzt einen Kopp machst, dass du eventuell eine falsche Entscheidung treffen könntest – den Zahn muss ich dir sowieso ziehen.

DU KANNST NIEMALS DAVON AUSGEHEN, IMMER ZU JEDER ZEIT DIE ABSOLUT RICHTIGE ENTSCHEIDUNG ZU TREFFEN!

Im Nachhinein sind wir immer alle schlauer.

Lass uns mal die unterschiedlichen Situationen beleuchten, eine nach der anderen. Ich hoffe, deine ist dabei, ansonsten hinterlasse bitte unten einen Kommentar.

Außerdem gilt: Im Zweifel besprich dich bitte mit deinem Anwalt. Bitte verstehe die Tipps unten als Ideen und Entscheidungshilfen für dich – aber übernimm auf jeden Fall die volle Verantwortung für deine Entscheidungen, die kann ich dir nämlich nicht abnehmen.

Ich gehe im Übrigen bei den unten beschriebenen Szenarien davon aus, dass Ihr das gemeinsame Sorgerecht habt. Hast du das alleinige, brauchst du dir eh keinen Kopf zu machen und entscheidest einfach.

 

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1) Die Umgänge sind nicht geregelt und haben bislang kaum stattgefunden

Mach dir keinen Stress und verschiebe die nächsten Umgänge auf die Zeit danach, wenn die Regierung die soziale Isolation wieder aufgehoben hat.

Du hältst dich jetzt erst einmal an die Empfehlungen der Regierung. Brav!

Du kannst dem Kindsvater ja anbieten, ihm ein regelmäßiges Gesundheits-Update zu geben (per Email aus dem Umgangsdaten-Postfach, nicht per Whatsapp oder Telefon – nicht, dass er meint, er hätte wieder einen Draht zu dir, an dem er beliebig Energie zapfen könnte) und das Kind mit ihm telefonieren lassen, auch gerne täglich.

 

2) Die Umgänge finden regelmäßig statt, und Ihr habt keinen Gerichtsstress

Lass die Umgänge so weiterlaufen wie geplant und wie es anzuraten ist. Ist ein Nachbar vom Ex gerade infiziert, lässt du dein Kind natürlich bei dir. Ist ein Nachbar bei dir infiziert, gibst du dein Kind dem Ex.

Klar: Die Gesundheit des Kinds – physisch wie psychisch – steht an alleroberster Stelle!

Genieße die Zeit mit deinem Kind, wenn du von der Arbeit gerade freigestellt bist oder im Home Office verbringen musst. Es ist wie ein zweites Elternzeit-Geschenk!

Genieße aber auch die Zeit, wenn dein Kind noch zum Ex gehen kann, und du es nicht rund um die Uhr bespaßen musst. Dann kannst du auch mal wieder dein Ding machen und dich entspannen.

Dazu weiter unten mehr.

 

3) Dein Ex ist hochgradig aggressiv und sieht seine Chance gekommen, Nägel mit Köpfen zu machen und das Baby oder Kleinkind gleich einzubehalten, wenn eine Quarantäne kommt?

Gib ihm das Kind nicht in den Umgang, wenn du das befürchtest. Bewahre die Hinweise, die darauf hindeuten, gut auf.

 

4) Du hast das Wechselmodell?

So lange es keine Quarantäne gibt, finden die Wechsel am besten wie gewohnt statt. Finden die Wechsel nur per Bahn, Bus oder Flieger statt und steht ein Auto nicht zur Verfügung, dann können sie nicht stattfinden.

Kommt die Quarantäne, dann bleibt das Kind dort, wo es sich gerade aufhält.

 

5) Worst Case ist eingetroffen und das Kind steckt beim toxischen Kindsvater fest

Ruhig bleiben, Sweetheart. Diese Zeit geht auch vorbei. Fordere den Kindsvater auf, dir regelmäßig einen Status per Email mitzuteilen (bei Kleinkindern) und das Kind täglich mit dir telefonieren zu lassen. Macht er das nicht, dokumentiere dieses bindungsintolerante Verhalten für spätere Verhandlungen.

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6) Dein Ex bietet sich an, sich um das Kind zu kümmern, damit du arbeiten gehen kannst

Das ist fast schon die schwierigste Situation, gerade, wenn du dich in einer Zwickmühle befindest! Von außen betrachtet hast du keinen Grund, nicht auf dieses Angebot einzugehen, so lange es nicht eindeutige Hinweise darauf gibt, dass er Fakten schaffen und dir das Kind komplett wegnehmen will.

Triff deine Entscheidung. Wie immer die aussehen mag – sie wird die richtige sein, wenn du deinem Innern zuhörst und danach handelst und nicht danach, was andere (dein Chef zum Beispiel) von dir will. Geh ganz nach deinem Kind und was jetzt das Beste in dieser Situation wäre.

 

7) Deinem Ex ist alles egal und hat sämtliche Umgänge wegen Corona für die nächsten Wochen abgesagt

Gut, ein Problem weniger. Du wirst das leichter deinem Kind erklären können als einen vollkommen abwesenden Vater in gesunden Zeiten.

 

Entspann dich

Die Corona-Krise wirft uns auf das Wesentliche zurück. Alles, was wir bislang als wichtig in unserem Alltag betrachtet haben, steht unter einem ganz anderen Licht, wenn uns bewusst wird, wie fragil unsere Gesundheit ist und wie diese, wenn viele zur gleichen Zeit krank sind, unser gesamtes Leben auf den Kopf stellen kann.

Unsere Aufgabe als Mutter ist es, unsere Kinder bestmöglich zu schützen und zu glücklichen, resilienten Erwachsenen großzuziehen.

Nehmen wir uns diese Auszeit, die das Virus uns verschafft. Konzentrieren wir uns auf unsere Kinder und gönnen ihnen diese Extra-Elternzeit

Das funktioniert am besten, wenn du ruhig bleibst und dich nicht in Phantasien ergehst, dass Euch das Virus auch erwischen könnte. Halte den Konsum von Corona-„Fakten“ und -Nachrichten auf ein Minimum.

Ja, konsumiere eher lustige Filme, lies inspirierende Bücher, achte auf alles, was dir Freude bringt und nicht zusätzlich besorgt oder gar ängstigt.

Achte auf die guten Nachrichten, die in der Krise hochkommen. Wie sich die Menschen jetzt mehr und mehr gegenseitig unterstützen, trotz Kontaktverbot. Welche unkonventionellen Lösungen jetzt gefunden werden, um die Wirtschaft am Leben zu erhalten.

Eine Angstaura um dich herum überträgt sich ohne Frage auf dein Kind, und was ein Kind überhaupt nicht gebrauchen kann, sind Erwachsene, die unterbewusst als Orientierung nur Angst vor der Zukunft anbieten.

Dein Kind braucht dich jetzt ruhig und besonnen, beherzt und ohne Sorge.

Es wird alles gut gehen. Diese Krise geht vorbei, sie wird uns alle läutern und uns auf ein anderes Bewusstseins-Level heben.

Die Frage, die du dir selbst jeden Tag abends vor dem Zubettgehen stellen kannst:

„Wofür bin ich heute zutiefst dankbar?“

Lass die Magie sich entfalten, denn die Antwort auf diese Frage wird dir definitiv Ruhe und Erleichterung bringen!

 

Auf den Punkt gebracht – so findest du deinen eigenen Weg im Umgang mit Corona und dem toxischen Ex

Dadurch, dass es bislang bei keiner Institution irgendwelche Erfahrungswerte gibt, bewegen wir uns alle auf unbekanntem Terrain. Weshalb du mutig und beherzt deinen Weg finden darfst.

Solltest du dich dagegen bislang hauptsächlich in der Zeit nach der Trennung darauf verlassen haben, dass man dir sagen musste, was du zu tun hast, so bist du jetzt gefordert.

Du kannst, darfst und solltest jetzt ganz nach deinem Gutdünken entscheiden. Als Mama für dein Kind.

Ist das nicht toll? Jetzt ganz ohne Scheiß?

Und sollte doch irgendeines Tages mal irgendein Richter fragen, warum du in der Corona-Krise dein Kind nicht in den Umgang zum toxischen Ex gegeben hast – was ich persönlich für unwahrscheinlich halte, dass man dir das je vorwerfen wird, aber sei’s drum, lass uns das mal durchspielen – dann könntest du antworten:

„Was hätten Sie an meiner Stelle denn gemacht?“

 

In diesem Sinne, Sweetheart: Hab eine innige, gesunde Zeit mit deinem Kind.

 

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