Das System Familienrecht gehört reformiert – und zwar JETZT

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Das Familienrechtssystem ist für normale Trennungen gemacht – aber nicht für Trennungen mit hochtoxischen, pathologisch narzisstischen oder strategisch manipulativen Persönlichkeiten.

Seit 2016 arbeite ich nun mit Müttern, die einen toxischen Ex-Partner haben, zusammen, und was ich über diese Frauen über das Familiengericht und die Strukturen mitbekommen habe, ist erschütternd.

Das ist nicht nur ein „Oh ja, das ist schlecht.“ Das ist ein Hinleuchten auf ein gesellschaftliches Problem, was uns die nächste Generation an therapiebedürftigen, bindungsunwilligen und depressiven Erwachsenen verursacht!

Denn neben den erschöpften Müttern, die finanziell vom System ausgeblutet werden und ihren Glauben an das Rechtssystem aufgeben und jeden einzelnen Tag um ihre mentale Gesundheit kämpfen müssen, sind diejenigen, die die wahre Hauptlast tragen, zugleich die unschuldigsten Protagonisten:

Unsere Kinder.

 

Das große Missverständnis

 

Das aktuelle Familienrechtssystem geht von diesen Grundannahmen aus:

  • Beide Eltern lieben das Kind.

  • Beide wollen das Beste für das Kind.

  • Beide sind grundsätzlich kooperationsfähig.

  • Konflikte entstehen durch Missverständnisse.

  • Wenn man miteinander redet, wird es besser.

  • Mediation hilft.

  • Kommunikation hilft.

  • Beide Eltern sind ungefähr gleich erziehungsfähig.

  • Das Kind braucht beide Eltern gleich viel – egal in welchem Alter es sich gerade befindet.

  • Konflikte sind in erster Linie Beziehungskonflikte.

Aber bei hochtoxischen Ex-Partnern stimmt das alles nicht. Dies betrifft übrigens beide Geschlechter, wenn eine narzisstische Persönlichkeitsstörung in einem der Elternteile vorliegt.

 

Was unterscheidet eigentlich eine normale von einer hochtoxischen Trennung?

 

Klar gibt es auch bei einer normalen Trennung Streit und Konflikte! Ein „Ich verlasse dich!“ ist für alle Beteiligten ein immenser Einschnitt, der einen erst einmal zurückwirft und durchaus auch Sachen sagen lassen kann, die man hinterher bereut und die auf den ersten Blick „toxisch“ anmuten.

Aber bei all dem emotionalen Stress bleibt ein beiderseitiges Grundverständnis der Werte und der Fokus auf das Kind: Jetzt lass uns das gemeinsam so hinbekommen, damit das Kind am wenigsten leidet. Und beide sagen das nicht nur so, sondern sie leben es auch vor und demonstrieren diese Haltung im Alltag!

(Oh, wie viele toxische Emailtexte ich schon gelesen habe, in denen drinstand „Jetzt lass uns doch an das Kind denken!“ während eigentlich nur der eigene Wille durchgesetzt werden soll und beim nächsten Umgang dem Kind eingetrichtert wird, dass die Mutter böse ist, weil sie wieder so viel Geld verlangt! Ganze 500 € für das Kind!)

Nein, bei einer normalen, wenn auch stressigen Trennung übertreten gutmütige, gesunde Eltern diese Linie nicht. Da kann die Kommunikation zeitweise schwierig sein und auch Verletzungen sichtbar werden, aber beim Kind fährt man eine Linie. Der Umgang lässt sich zum Besten des Kindes (nicht unbedingt der beider Eltern!) regeln, und auch eine Mediation kann hier viel bewirken. Letztendlich wird es mit der Zeit immer besser.

Kleiner Einschub an der Stelle: Falls jetzt der eine oder andere Narzisst mitliest: Nein, das Nestmodell ist nicht das beste Umgangsmodell für das Kind, auch wenn es für die Eltern das aufwändigste Modell ist. Eine Trennung ist eine Trennung ist eine Trennung. Und immer zugleich auch ein Neuanfang. Aber ich schweife ab…

Okay, nachdem wir jetzt wissen, wie normale Trennungen vonstatten gehen, schauen wir uns doch einmal im Gegenzug die toxischen an.

 

Merkmale einer hochtoxischen Trennung

 

Hier geht es nur vordergründig um das Kind, um genaue Umgangszeiten, Geld oder die Erziehungsangelegenheiten des Alltags wie Schulwahl oder medizinische Versorgung.

Es geht in erster Linie um Macht und Kontrolle. Es geht um Rache, um Vernichten-Wollen, um Gewinnen-Müssen.

Gehen toxische Elternteile mit dieser Motivation vor Gericht, dann sprechen wir im internationalen Sprech von Coercive Control und von Post-Separation Abuse.

Bekommen toxische Elternteile vor Gericht Zuspruch, wird das aktuelle Familienrechtssystem zum Erfüllungsgehilfen. Dann kann man durchaus von Legal und / oder Litigation Abuse sprechen.

Das Problem: Unser Familienrechtssystem hat aktuell gar nicht die Strukturen, um solche Fälle schnell zu erkennen!

Die Verfahrensbeteiligten – von den RichterInnen, den VerfahrensbeiständInnen, den JugendamtsmitarbeiterInnen bis hin zu den RechtsanwältInnen – sind in der Regel nicht darin ausgebildet. Da das System – siehe oben – ja von ganz anderen Grundannahmen ausgeht.

Dadurch ergeben sich vier große Bereiche des Falschhandelns der Familiengerichte, über die wir sprechen müssen.

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Problem 1: Wenn Kooperation schlichtweg erwartet wird

 

Empathische Elternteile hören im Gericht:

Sie müssen besser kommunizieren.“

Sie müssen kooperieren.“

Sie müssen Kompromisse eingehen.“

Das Kind braucht beide Eltern.“

Sie müssen loslassen.“

Sie müssen Bindungstoleranz zeigen.“

Aber mit einem toxischen Elternteil auf der anderen Seite funktioniert Kooperation nicht, weil Kooperation von beiden Seiten Ehrlichkeit, Empathie und Kompromissfähigkeit voraussetzt. Hier funktioniert nur Unterwerfung. Und selbst das bewahrt nicht vor dem nächsten Antrag!

Diese „Jetzt respektiert euch beide endlich“-Erwartungshaltung äußert sich sehr, sehr oft in Druck auf den empathischeren Elternteil, der nichts anderes als Frieden wünscht. Dieser Druck wird z.B. mit dem Vorschlag auf einen Vergleich deutlich, der alles andere als eine friedliche Vereinbarung für die Zukunft ist. Hier wird eher diese unwissende Haltung in Zement gegossen, da man gegen einen Vergleich später kaum ankommt.

 

Problem 2: Der / die Ruhige wirkt glaubwürdiger

 

Vor dem Familiengericht gewinnt oft nicht der ehrliche oder der empathischere Elternteil, sondern derjenige, der strukturierter, strategischer, ruhiger, rhetorisch gewandter reden und vor allem besser lügen kann. Und da laufen hoch narzisstische Persönlichkeiten zur Hochform auf.

 

Problem 3: Die Gutachten bekommen zu viel Gewicht

 

Wenn ich erst auf die Gutachtenproblematik zu sprechen komme, werde ich heute nicht mehr fertig… Hier tun sich immense Abgründe auf.

Psychologische Gutachten haben Beweiskraft in einem Familiengerichtsverfahren. Das Gefährliche dabei: Gutachten werden nicht von einer übergeordneten Instanz kontrolliert, und es gibt auch keine unabhängigen Peer-Reviews, bevor sie bei Gericht eingereicht werden.

Die überwältigende Mehrheit von Gutachten ist fehlerhaft – vor Jahren geisterte schon die Zahl von 75% durch die Medien – und immer ist es eine enorme finanzielle Belastung für die Elternteile, die sich bislang mehr um das Kind als um ihre berufliche Karriere gekümmert haben und daher nicht so viel verdienen.

Besonders unfair meiner Meinung nach: Wenn das Gericht entscheidet, dass ein Gutachten gemacht werden muss, müssen beide Eltern die Kosten dafür privat tragen. Da können schon mal locker 10 bis 20.000 € zusammenkommen.

Als Coach sehe ich zusätzlich das traurige Ergebnis dieser Gutachten, was sie psychisch und mental mit den Müttern machen: Sie lesen eine ca. 80seitige, in Fachsprache verfasste psychologische Abhandlung über sich von einer ihnen fremde Person, die einen Expertenstatus aufweist, die sie in einer oder zwei Stunden ihres Lebens beobachtet, geprüft und anschließend bewertet hat. In ihrer Elternrolle!

Die Gutachtenpamphlete lesen sich objektiv gut und wirken wissenschaftlich korrekt – ob allerdings der Gutachter die richtige Methodik angewandt und den eigentlichen Auftrag des Richters korrekt beantwortet hat können im Endeffekt nur Insider beurteilen – z.B. PrivatgutachterInnen oder bereits überlastete offizielle Stellen, an die man die Gutachten zur Kontrolle weiterreichen kann. Auf eigene Kosten, wohlgemerkt.

RichterInnen und RechtsanwältInnen sind dagegen keine Psychologen und können das entsprechend gar nicht wirklich beurteilen.

Aber eine Mutter liest dieses Ergebnis und ist erschüttert. Sie realisiert nicht, dass es sich in dem Fall nur um eine Momentaufnahme handelt, und wäre der Gutachter nur einen halben Tag später oder früher gekommen, um sie zu begutachten, hätte das Ergebnis ganz anders aussehen können. Nein, da steht es schwarz auf weiß, welchen psychischen Makel sie in eben jener einen Stunde gezeigt oder was die uralte Methodik angeblich eruiert hat, obwohl die Methodik schon seit Jahren in Fachkreisen als obsolet erkannt wurde.

Auch kann der Gutachter oder die Gutachterin sehr wohl voreingenommen sein – von der Aktenlage oder dem eigenen Bias.

Gutachten haben in einem Verfahren eine große Macht Macht, denn sie beeinflussen den daraufhin zu fassenden Beschluss der RichterInnen maßgeblich. Und nicht nur von diesem Verfahren – ein schlechtes Gutachten verfolgt den empathischen Elternteil durch sämtliche Folgeverfahren, sofern dieser nicht noch zusätzlich tiefer in die Tasche greifen kann um ein Gegengutachten zu bezahlen.

Der Schaden ist massiv: Gutachten können zur Umplatzierung sogar eines Kleinkindes zum hochtoxischen Elternteil führen. Hoch traumatisierend für das Kind und die Mutter.

Somit kommen wir zum nächsten Problembereich:

 

Problem Nr. 4: Gerichtsverfahren werden als Waffe genutzt

 

In diesem System kann ein hochtoxischer Ex-Partner ständig neue Anträge stellen. Am Anfang ist es noch ein Umgangsrechtverfahren, später ein Sorgerechtsverfahren, Ordnungsgeldverfahren, das besagte Gutachten, Ergänzungsgutachten, Umgangspflegschaft, Beschwerdeverfahren – der Konflikt hört nie auf.

Der unersättlichen Gier nach Aufmerksamkeit, nach Sieg und Vernichtung des empathischen Elternteils sind dem hochtoxischen Narzissten zumindest im Familienrecht keine Grenzen gesetzt.

International nennt man das Litigation Abuse: Der Missbrauch von Gerichtsverfahren zur Kontrolle oder Bestrafung des Ex-Partners.

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Lass mich das jetzt einmal auf einen Nenner bringen

 

Der empathische Elternteil will in einem Gerichtsverfahren an sich nur Frieden, will das Kind schützen, macht Kompromisse wo es geht, versucht das Unfassbare zu erklären und gibt irgendwann einmal aus Erschöpfung – und weil die finanziellen Mittel ausgehen – nach.

Der toxische Elternteil dagegen findet genügend Energie im Konflikt, hat kein Problem mit Lügen, setzt Anwälte strategisch ein, spielt nicht selten das Opfer, wirkt nach außen kooperativ und blockiert im Hintergrund die Mutter-Kind-Beziehung wo es nur geht und kämpft sich jahrelang verbissen und kompromisslos durch sämtliche Instanzen.

Unterm Strich gewinnt im aktuellen Familienrechtssystem sehr oft nicht der für das Kind bessere Elternteil, sondern der konfliktstärkere.

 

Wie könnte eine Reform des Familienrechtssystems denn konkret aussehen?

 

Zuerst einmal: Alle Beteiligten in einem Familienrechtsverfahren müssen in Coercive Control Mechanismen fortgebildet werden – sprich alle RichterInnen, JugendamtsmitarbeiterInnen und VerfahrensbeiständInnen.

Von einem psychologischen Gutachter sollte man dieses Wissen erwarten dürfen – daher muss es hier strukturelle Kontrollinstanzen geben. Wildwest- und Gefälligkeitsgutachten und einer Goldgräber-Mentalität würden dann sehr schnell Einhalt geboten werden.

Dazu müsste der Staat selbst das Gutachten bezahlen und nicht die Eltern. In dem Moment, wenn der Staat selbst seine Aufträge an Gutachter vergibt und die Rechnung begleicht, würden zwangsläufig Gremien auf eine gute Auswahl und die passende Expertise der Gutachter achten.

Auf jeden Fall müsste jedes Gutachten vor Abgabe von einer übergeordneten, unabhängigen staatlichen Instanz (nicht von der freien Wirtschaft) mit angestellten PsychologInnen geprüft werden, bevor sie an das Gericht weitergegeben werden. Wer methodisch ständig fehlerhaft arbeitet, wird aus dem Pool der GutachterInnen zur Vergabe von staatlichen Gutachtenaufträgen ausgeschlossen.

Jeder sollte das Recht auf ein Zweitgutachten haben. Privatgutachten müssen zwar schon heute berücksichtigt werden, aber sie haben nicht die gleiche Beweiskraft wie ein Gutachten.

Es wäre an sich schon ein Fortschritt, wenn „Post-Separation Abuse“ im Gericht erkannt und benannt werden würde. In vielen anderen Ländern ist das schon der Fall, darunter beispielsweise England oder Australien.

Sanktionen bei Verfahrensmissbrauch wären sicherlich auch noch eine gute Maßnahme, um die Gerichte langfristig zu entlasten.

 

Zum Schluss

 

Ich bin der Überzeugung, dass die Mehrzahl der RichterInnen, der GutachterInnen, der VerfahrensbeiständInnen und der JugendamtsmitarbeiterInnen gerade ihr Bestes geben, und sie wären erschüttert, wenn sie hautnah mitbekommen würden, wie es nach den unsäglichen Gerichtsbeschlüssen zugunsten des narzisstisch-gestörten Elternteils in den Familiensystemen mit den Kindern psychisch weitergeht.

Dieses System, welches auf der Annahme basiert, dass beide Eltern grundsätzlich und immer kooperationsfähig sind, ist in hochtoxischen Settings einfach gescheitert.

Daher muss es reformiert werden, um weiteren Schaden von unseren Kindern abzuwenden, und damit Heilung vom narzisstischen Missbrauch endlich beginnen kann.

Ich habe dazu eine Petition an das Bundesjustizministerium formuliert, welche du hier unterzeichnen und gleich in deinem Bekanntenkreis herumreichen kannst.

 

Nun zu dir, meine Liebe:

 

Wenn du als Mutter gerade mit Verfahren am Familiengericht zu kämpfen hast und dringend deine argumentative Klarheit finden willst, dann schau dir unbedingt Court Royal® an und komme in den Club der mutigen Mütter, damit ich dir konkret helfen kann, wieder in deine Stärke zu kommen.

Wie siehst du das denn? Hättest du weitere Vorschläge, wie sich das System verbessern müsste? Kommentiere gerne unten in den Kommentaren, welche Ideen du hättest. Danke dir!

 

Mehr über mich

Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.

Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.

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