Verzeihen lernen trotz toxischem Ex – Warum Vergebung dich frei macht

Verzeihen lernen fällt besonders schwer, wenn du einen toxischen Ex-Partner hast und nach der Trennung noch immer mit ihm über Kinder, Gericht oder Alltag verbunden bist. Viele Mütter glauben, Verzeihen würde bedeuten, das Verhalten des Ex gutzuheißen oder alles zu vergessen. Doch darum geht es nicht. Verzeihen ist kein Geschenk an ihn – sondern an dich selbst. In diesem Artikel geht es darum, warum Vergebung ein wichtiger Schritt im Loslassen ist, wie dein eigenes Narrativ deine Gefühle beeinflusst, und wie du innerlich frei werden kannst, auch wenn dein Ex sich niemals entschuldigen wird.
Verzeihen lernen – die nächste Stufe nach dem Loslassen
Nachdem wir uns in anderen Artikeln bereits damit beschäftigt haben, wie du loslassen kannst, müssen wir jetzt über die nächste Stufe des Loslass-Prozesses reden: dem Verzeihen können.
Gut möglich, dass sich dir jetzt die Nackenhaare aufstellen und dir als allererstes einfällt, dass ich von dir verlangen könnte, dass du instantamente deinem toxischen Ex alle seine Schandtaten milde lächelnd à la Mutter Theresa verzeihen sollst. Und du bist jetzt so verärgert, dass du das Fenster gleich schließt und dich um dein Kind kümmerst.
Aber das Thema ist wichtig, daher gönne dir und mir die folgenden 5 Minuten deiner Zeit.
Warum Nicht-Verzeihen deinem Körper schadet
Verzeihen ist schwer, aber jahrelang in Verbitterung und Verletzung zu bleiben belastet dagegen deinen Körper und dein Nervensystem enorm. Chronischer emotionaler Stress wirkt sich nachweislich auf Immunsystem, Hormone und Entzündungsprozesse aus, und Traumaforscher wie Bessel van der Kolk und Ärzte wie Gabor Maté haben gezeigt, dass unverarbeitete emotionale Belastungen sich nicht nur psychisch, sondern auch körperlich auswirken können. Dazu kann ich dir die Bücher „The body keeps the score“ von Bessel van der Kolk und „When the body says No“ von Gabor Maté sehr empfehlen, wenn du hier tiefer in das Thema einsteigen möchtest.
Für jetzt möchte ich dich einfach einladen, dir einmal ganz offen zu überlegen, wie das für dich ganz speziell aussehen könnte. Und nein, du musst nicht bereits morgen schon alles „verarbeitet“ und im Inneren „aufgelöst“ haben, um weiterzukommen.
Deine Verletzungen sind real – und dürfen ernst genommen werden
Lass mich zuerst einmal festhalten, dass wir hier schon über veritable Traumata sprechen dürfen, die du sowohl in der Beziehung als auch nach der Trennung und wahrscheinlich auch in den Familiengerichts-Verfahren durch ihn erlebt hast. Wir sprechen über emotionale Schocks, über große Enttäuschungen, über Verletzungen und zerstörte Träume. Über das, was bösartige Lügen über dich in dir ausgelöst haben und wie diese die anderen Menschen beeinflusst haben mögen. Wir sprechen über aggressive verbale und schriftliche Attacken, die dich getroffen haben.
Nein, ein toxischer Mann muss nicht seine womöglich körperliche Überlegenheit in Form von physischer Gewalt demonstrieren, um Verletzungen bei seinem Gegenüber zu verursachen. Worte reichen da vollkommen aus, und in der Tat ist das auch das häufigste Mittel, zu dem hochtoxische, pathologische Narzissten greifen.
Daher sind solche Forschungen und Erkenntnisse dazu, was Traumata in unserem Körper anrichten können, für dich als Mutter mit einem toxischen Ex-Partner, der über das Kind weiterhin Gewalt über dich ausüben kann, sehr wichtig und extrem hilfreich, um in die eigene Klarheit zu kommen.
Dein Ex wird sich wahrscheinlich nie entschuldigen
Jetzt kommt aber in der Regel dein Ex nicht wie ein reuiger Sünder zu dir, klingelt und bittet dich darum, ihm zu verzeihen. Vielleicht hoffst du ja darauf? Auf seine Einsicht, seine Reue? Und könntest dir in dem Fall auch vorstellen, dass du dann in der Lage wärst, ihm zu verzeihen?
Ich würde allerdings eher darauf wetten, dass das nicht passieren wird – nicht mit einem krankhaften Narzissten, der davon überzeugt ist, dass er unfehlbar ist und dessen Identität davon abhängt, dass er stets „oben“ schwimmen muss.
Also, wenn du nun ahnst, dass das nicht passieren wird – du diesen Faktor also nicht kontrollieren und steuern kannst – dann musst du selbst ran und ihm seine Handlungen verzeihen, damit sich dein Knoten in dir (und das darfst du gerne wörtlich nehmen!) lösen kann, bevor er größer wird.
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Dein Körper braucht Heilung – nicht seine Entschuldigung
Dein Ex wird dich also sehr wahrscheinlich niemals um Verzeihung bitten (so wenig wie auch der Richter und der Gutachter oder die unmögliche Verfahrensbeiständin jemals an deine Tür klopfen und eingestehen werden, dass sie einen schlimmen Fehler gemacht haben).
Dein Körper ist aber verletzt und braucht jetzt Hilfe. Ein Pflaster allein (ein tröstendes Wort von deiner besten Freundin zum Beispiel) reicht da allerdings nicht aus.
Fällt dir an dieser Stelle auch Psychotherapie zuallererst ein? Ja, das kann durchaus helfen – aber folge deinem Bauchgefühl. Wenn du bei diesem Gedanken sofort ein sicheres Gefühl hast, was dich eher elektrisiert, dann mach das. Wenn du dich dagegen eher schwer und träge fühlst und große Unlust spürst, dich auf die Suche nach einem / einer TherapeutIn zu machen, dann schau zuerst auf deine eigenen Ressourcen.
Ja, du kannst einen großen Teil schon selbst in dir lösen. Und ich zeige dir jetzt, wie du das machen kannst.
Die Macht deines Narrativs – deine Geschichte bestimmt deine Gefühle
Zuallererst werde dir bewusst, welche Geschichte du immer wieder erzählst.
Deine Story über deine Beziehung, deine Trennung und Elternschaft mit dem toxischen Ex hat die Kraft, dich zu stärken oder dich maximal immer wieder zu retraumatisieren. Deine Geschichte und die Art und Weise, wie du sie erzählst – mit welchen Worten, mit welcher Haltung – brennt sich ins Gehirn ein. Je öfter du sie erzählst, umso breiter wird die „Autobahn“ im Gehirn – bestimmte Nervenbahnen werden immer und immer wieder befahren und lösen immer wieder die gleichen Gefühle aus.
Warum du dich durch deine eigene Geschichte retraumatisieren kannst
Das Gehirn kann leider nicht darin unterscheiden, ob etwas in der Vergangenheit oder in der Zukunft geschieht – es geht immer davon aus, dass es jetzt gerade passiert. Dein Gehirn kennt wirklich nur die aktuelle Zeitform, das Präsens. Erzählst du also etwas Schlimmes oder erinnerst dich in allen Einzelheiten an eine schlimme Begebenheit, unterscheidet dein Gehirn auch nicht darin, ob du das möchtest oder nicht. Stell es dir vielleicht so vor, als ob du in China in einem Restaurant sitzt, in dem kein Englisch gesprochen wird (geschweige denn Deutsch) und du zeigst immer wieder auf ein Bild in der Speisekarte, was du NICHT essen möchtest. Der Kellner wird dir mit großer Beflissenheit genau das Zeug bringen, wovor es dich graust.
Daher frage dich selbst und bleibe achtsam bei dir, wenn du dir bestimmte Erlebnisse mit ihm immer wieder ins Gedächtnis rufst und sie immer und immer wieder erzählst und schriftlich niederschreibst und mach dir klar, dass du dich damit selbst programmierst.
Vom Opfer zur Heldin – ändere deine innere Haltung
Du ahnst es schon: Deine Story und so, wie du sie erzählst, kann ein wichtiger Schlüssel in deiner weiteren Entwicklung sein.
Dabei ist deine Haltung gemeint, meine Liebe. So lange du dich in dieser Geschichte nämlich als Opfer siehst, Wut und Verbitterung und Frust mitschwingen, dann ist es genau das, was dich im negativen Gefühlskarussell hält.
Was du dagegen einmal ausprobieren kannst: Wie kannst du deine Geschichte als Überlebende, oder besser noch als Heldin erzählen?
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Verzeihen bedeutet nicht, sein Verhalten gutzuheißen
Du wirst mit dem achtsamen Bewusstwerden deines Narrativs schon einen ersten, wichtigen Schritt Richtung „Verzeihen“ gehen, denn je mehr du den Schwenk vom Opfer zur Heldin machst gibt es keinen Grund mehr, ihn als übermächtigen Zerstörer zu sehen. Denn das ist er nicht.
Er kann dich niemals zerstören, egal, wie machiavellistisch er in seiner Strategie ist.
Der Trick beim Verzeihen ist es, nicht seine Handlungen gutheißen zu müssen oder gar zu verleugnen, was er dir angetan hat. Sondern ihn einfach als Menschen wahrzunehmen, der dir gegenüber Fehler gemacht hat. Zwar verdammt große, aber das sollte eher sein Problem sein, und nicht deins.
Eine praktische Übung zum Verzeihen
Wenn du im Moment noch in einer frühen Phase bist und dir diese Aufgabe jetzt zu groß erscheint – was vollkommen normal und richtig ist – dann fang mit einem anderen Menschen an, der nicht ganz so große Macht über deinen Emotionshaushalt hat wie dein Ex aktuell. Da fällt dir doch bestimmt auch schon jemand ein, oder?
Wir Menschen entzweien uns hauptsächlich dadurch, dass wir den Anderen objektifizieren und herabwürdigen müssen. Wenn du effektiv verzeihen und den Groll in dir loslassen lernen möchtest, dann mach dir klar:
„Du bist ein Mensch. Und Menschen machen Fehler. Ich verzeihe dir.“
Wohlgemerkt: Du musst das nicht persönlich sagen – und de facto rate ich dir davon auch dringend ab, zumindest wenn diese toxische Elternschaft noch im vollen Gange bei Gericht ist. Bei ihm würden diese Worte eh nicht ankommen, und du machst dich höchst angreifbar, und das brauchst du in dieser Phase nicht.
Aber wenn du es dir selbst sagst, vor dem Spiegel, oder in dein Journal schreibst – dann lässt du den Knoten des Grolls in dir nach und nach los.
Und nicht selten führt das über den Äther zu einem ganz und gar wunderbaren Effekt, ohne dass Worte ausgesprochen werden müssen.
Wie ist das bei dir, Sweetheart? Hast du schon von der Ohnmacht, der Wut oder gar dem Hass losgelassen? Oder hoffst du noch auf seine Entschuldigung? Ich freue mich auf deinen Kommentar unter dem Artikel, damit wir alle voneinander lernen können. Danke schön!
Mehr über mich
Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.
Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.
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