Wenn der Ex eine Neue hat: So schützt du dich und dein Kind

Es gibt einige Mütter in meiner Community im Club, die nach der Trennung fast jeden Tag von ihrem toxischen Ex angesprochen werden. Selbst wenn sie alle Kanäle bereits eingedämmt haben – also keine Instant Messaging-Dienste wie Whatsapp® oder den Facebook Messenger und erst recht nicht mehr ihre private Telefonnummer und Emailadresse dafür hergeben – es findet ja notgedrungen immer eine Kommunikation mit dem Vater des Kindes statt. Und je kleiner das Kind, umso häufiger ist das der Fall. Für die Frau ist das dann trotzdem ein Mysterium: Der Mann, der in der Beziehung kaum Zeit für die Familie hatte, hat auf einmal jede Menge Zeit, die Umgangsemail-Inbox mit ellenlangen Nachrichten und den unsinnigsten Anliegen vollzumüllen. Woher nimmt er sich nur die Zeit, sofern er nicht schon Rentner ist?
Da ist es nur verständlich, wenn die Frau angesichts dieser Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen aufstöhnt und sich innigst wünscht, dass er endlich eine neue Freundin hat. In der Hoffnung, dass er dann wieder anderes im Sinn hat und sie und das Kind in Ruhe lässt.
Weit gefehlt. Es ist erstaunlich, wie so mancher toxische Narzisst einerseits eine neue Frau lovebomben und trotzdem seiner Ex und Mutter seines Kindes den Alltag zu Hölle machen kann. Zugegeben, wir können die Lovebombing-Aktionen nicht sehen und bestätigen, müssen aber davon ausgehen, dass es genauso mit einer neuen Frau abläuft wie damals bei uns. Und wir wollen es uns gar nicht vorstellen, dass es Frauen gibt, die gerade am Anfang bei einem Mann bleiben, der ständig übelst gelaunt ist und mit seinem Kontrollwahn alle in seinem Umfeld scheckig macht. Da würden sich sonst Abgründe für unser Gemeinschafts- und Solidaritätsgefühl mit unseren Schwestern auftun!
Du denkst, du bekommst das nicht mit, wenn er eine Neue hat? Oh doch, das wirst du. Dein Kind wird darüber berichten, 100pro.
Du stehst dann auf der anderen Seite in der Klarheit, wie dieser Mann eigentlich tickt, und erinnerst dich an deine eigene Lovebombing-Phase, und es läuft dir eiskalt den Rücken runter, was an Erfahrungen die andere „Schwester“ noch erwartet. Und solltest du in diesem Moment ein tiefes Mitgefühl und Empathie mit dieser anderen Frau empfinden, ist das vollkommen in Ordnung und spricht sogar für dich.
Wir sitzen nämlich alle in einem Boot, meine Liebe! ALLE in EINEM!
Gib deinem Drang, die andere Frau zu warnen, trotzdem nicht nach.
Lass es.
Nicht gut.
Einladung zum Mutmach-Freitag
Abonniere jetzt meinen kostenlosen wöchentlichen Newsletter
Zum Newsletter >>>
Warum nicht? Weil die andere Frau dir gar nicht zuhören würde! Sofern sie selbst nicht stutzig wird und herumfragt, sich mit anderen Frauen bespricht und Antworten sucht, kannst du von deiner Warte aus viel reden. Es wird verhallen – denn aus ihrer Sicht bist du ja keine neutrale Person, sondern die Gegnerin des neuen aufregenden Geliebten. Und sei versichert, dass er die Fäden schon so spinnen wird, dass ein ganz und gar „interessantes“ Netz an Lügen über eure Beziehung vor und nach der Trennung entsteht. Heißt: Die Beziehung, die du mit ihm gelebt hast und die du gerade aktuell erlebst, hat so gut wie keine Ähnlichkeit mit der Geschichte, die er seiner neuen Freundin erzählt, um sie an seiner Seite zu wissen.
Es gibt allerdings eine Ausnahme von der „Erzähl-ihr-nix“-Regel: Wenn sie aktiv auf dich zukommt und dir Fragen stellt zu seinem Verhalten, was ihr selbst spanisch vorkommt, also wenn sie bereits mißtrauisch geworden ist.
Aber Achtung, meine Liebe: Erwarte das nicht zu früh! Ist sie nämlich bereits intensiv von ihm indoktriniert worden, dann ist es gut möglich, dass sie mit dir sprechen will, damit du nachgibst und euer Streit, unter dem er so sehr leidet (der Arme!), endlich aufhört und alle zusammen glücklich und zufrieden Patchwork spielen können.
Auch wenn du dir jetzt an den Kopf fasst: Hab Nachsicht mit dieser Frau und mach dir klar, dass wir alle hier auf einer sehr individuellen Reise sind, und du schon ein Stückchen weiter bist auf deinem Weg als die Frau, die mit einem großen Friedensansinnen beseelt vor deiner Tür steht und mit ganz viel Herz agiert und auch großen Mut beweist.
Solltest du in solch eine Situation kommen, dann ist es wichtig, dass du ganz bei dir bleibst und in dich hineinspürst. Stell dir diese Frage:
„Was fühlt sich jetzt richtig an?“
Du musst dich niemals rechtfertigen. Du kannst die Meinung der anderen Frau zur Kenntnis nehmen, und du darfst Grenzen setzen. Grenzen vor allem dann, wenn sie dir in die Kindererziehung reinreden möchte. Solche Exemplare gibt es nämlich auch!
Mach dir klar: Du teilst dir das Sorge- und Umgangsrecht mit deinem Ex, nicht mit seiner neuen Partnerin. Will sie irgendwelche Termine mit dir abstimmen, weil die Kommunikation zwischen dir und deinem Ex hochkonflikthaft geworden ist, solltest du diese Emails gepflegt ignorieren und immer nur direkt an deinen Ex schreiben.
Nimm einfach solcherlei Energieseile, die dir zugeworfen werden, gar nicht erst auf! Konzentriere dich auf das, was du tun musst (nämlich mit ihm zu kommunizieren), und behaupte deine Grenzen, wenn sie übergriffig agiert.
Ja, auch gutgemeinte Übergriffigkeiten sind grenzüberschreitend – und eine ganz und gar wunderbare Übung für dich, das Grenzensetzen zu üben. Wunderbar deshalb, weil sie dir nichts kann – da haben Andere deutlich mehr dynamische Macht (z.B. die Dame im Jugendamt, die von dir verlangt, zu 95% seinen Wünschen nachzukommen. Da wird das Grenzensetzen schon eine Ecke herausfordernder!).
Unterm Strich ist es immer besser, die Neue ist von gutmütiger, liebevoller Natur, auch wenn sie noch nicht den Durchblick hat wie du. Aber da wird sie auch noch hinfinden – dafür wird die Zeit schon sorgen.
Der größte Vorteil einer solchen Konstellation: Es ist immer beruhigender für dich als Mutter, wenn du weißt, es ist eine andere liebevolle Seele im Ex-Haushalt, in dem das Kind regelmäßig Umgangszeit verbringt. Und nein, hab keine Angst, du könntest die Liebe deines Kindes verlieren – das Kind kann sehr wohl unterscheiden zwischen eurem Mutter-Kind-Band und netten anderen Personen! Es wird im Laufe seines Lebens noch viele Beziehungen eingehen und Liebe und Freude bei anderen Personen empfinden.
Dein Band zu ihm wird jedenfalls immer etwas Besonderes sein, keine Bange!
Lass uns dagegen mal das andere Extrem anschauen: Wenn die Nachfolgerin – die Next – alles andere als lieb und gutmütig ist.
Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?
Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft.
Oh je – die Next ist noch toxischer als der Ex!
Wenn auch eher selten, so mag es doch auch vorkommen, dass sich ein Narzisst eine Narzisstin zur neuen Partnerin aussucht. Das ist insofern selten der Fall, denn ein Narzisst per se mag niemanden neben sich dulden, der sich noch großartiger fühlt und geriert als er selbst. Er braucht also eher wieder eine unwissende Empathin, die ihre eigenen Selbstwertwunden noch zu heilen hat, als eine Partnerin, die von ihm verlangt, dass er sich gefälligst um ihre Wünsche zu kümmern hat.
Aber auch solche Geschichten habe ich schon bei meinen Kundinnen erlebt, und die Not ist dann groß, wenn von beiden Seiten geschossen wird und sie sich immer wieder gehässig einmischt. Das Schlimmste: Das Kind hat dann auch keine ruhige Minute mehr, wenn es in den Umgang gehen muss, und beide Narzissten ständig auf es einreden.
Hier gilt die gleiche Empfehlung wie auch bei der sympathischen Next: Wahre deine Grenzen und halte daran fest, auch wenn du dich hundert Mal wiederholen musst. Du kommunizierst ausschließlich mit dem Ex, nicht mit ihr.
Ist sie übergriffig dem Kind gegenüber, lass ihn das wissen – aber ohne Rechtfertigung und ohne Bewertung, einzig und allein mit dem Fokus auf das Kind wie z.B. hier mit diesem Zweizeiler:
„Ich habe mitbekommen, dass [Name der Next] jedes Mal, wenn das Kind abends zu euch wechselt, es zuerst in die Badewanne steckt und andere Klamotten anzieht, die dann erst wieder bei der Rückkehr angezogen werden. Bitte sorge dafür, dass das aufhört, denn du hast die Verantwortung dafür, dass das Kind sich bei euch wohlfühlt und nicht das Gefühl vermittelt bekommt, es sei dreckig.“
Sprich sie besser nicht direkt darauf an – du lädst dann dazu ein, einen zweiten Kommunikationskanal mit ihr aufzumachen. Wenn sie selbst hochtoxisch ist, ist das nämlich sehr wahrscheinlich. Und dann hast du auf einmal zwei Ärgerkanäle parallel offen. Und das, meine Liebe, brauchst du definitiv nicht.
Sollte sich eine solche Situation – dein Ex hat eine neue Partnerin, die noch toxischer ist als er – bei dir zeigen, dann atme tief durch und bleibe stoisch bei der „Kommunikation nur mit ihm“-Regel. Besprich dich mit deinem Rechtsbeistand, aber nimm dir vor allem diese Regel zu Herzen:
„Wähle deine Kämpfe weise.“
Narzissten brauchen Energie, die du ihnen über deine Emotionen lieferst. Fokussiere dich voll auf dein Kind – und auf dich! Je mehr du lernst, dich schnellstmöglich wieder zu stabilisieren und zu erden, umso weniger kann dir dieses Duo infernale etwas.
Und ja: Für dein Kind wird es besonders schwierig. Wen immer du ihm zusätzlich zur Seite stellen kannst, damit es mit den eigenen Emotionen umgehen lernt, dann mach das. Ansonsten arbeite an deiner eigenen Stabilisierung, damit du dein Kind entsprechend auch selbst anleiten kannst.
Du – und damit dein Kind – werdet mit der Zeit lernen, mit diesen Menschen umzugehen.
So. Wenn du nun immer noch hoffst, dass dein Ex bald eine neue Partnerin hat, halte nochmal kurz inne und atme tief durch. Und sollte da ein liebes Wesen um die Ecke schauen, sei von Herzen dankbar für dein Kind.
Wie ist das denn bei dir, meine Liebe? Hat dein Ex schon eine Neue an seiner Seite? Hat sich dadurch viel verändert? Teile deine Erfahrungen gerne unten in den Kommentaren mit den anderen Müttern – nur so können wir voneinander lernen. Danke schön!
Einladung zum Mutmach-Freitag
Abonniere jetzt meinen kostenlosen wöchentlichen Newsletter
Zum Newsletter >>>





