Wenn der toxische Kindsvater stirbt

Wenn der toxische Kindsvater stirbt, geraten viele Mütter in einen emotionalen Ausnahmezustand – und zwar nicht nur wegen Trauer. Vielleicht spürst du Erleichterung. Vielleicht Scham. Vielleicht einfach gar nichts. Und genau das macht dir Angst. Denn niemand spricht darüber, was es wirklich bedeutet, wenn ein toxischer Ex-Partner plötzlich nicht mehr da ist. Keine Gerichtsverfahren mehr. Kein Umgangsstress. Keine Drohkulisse. Aber eben auch: ein endgültiges „Nie mehr“ – für dein Kind. In diesem Artikel möchte ich dir anbieten, ehrlich und ohne Tabu auf diese Situation zu schauen. Und ja, meine Liebe, wir reden auch über das, was du dich kaum zu denken traust.
Bevor ich nun mit dem Thema loslege: Was fühlst du bei dem Titel dieses Artikels? Erleichterung? Oder gleich danach Scham, weil du die Erleichterung so deutlich spürst?
Wer könnte es dir auch verdenken? Keine Gerichtsverfahren mehr, keine gemeinsamen strittigen Geldthemen mehr, keine stressigen Umgangsvereinbarungen und Wechsel fürs Kind.
Eine Elternschaft mit einem toxischen Ex ist kein Spaziergang im Rosengarten, so viel steht schon mal fest. Als ob wir uns darum gerissen hätten, alle naselang vor dem Familienrichter zu stehen und uns auf der Mutterklischee-Anklagebank rechtfertigen zu müssen! Und mal ehrlich: Wie oft hast du in der Vergangenheit deinen toxischen Ex auf den Mond gewünscht? Oder gehofft, er spürt den unbändigen Drang, allein ins Ausland zu ziehen oder sonst auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden? Damit endlich Ruhe einkehrt daheim?
Ach, wenn dieser Mann nur nicht wäre – dann wäre alles fein im Leben!
Denkst du noch so? Dann halte dich fest, denn ich werde dir in den nächsten Zeilen auseinanderdröseln, warum du mit solchen Wünschen sehr, sehr vorsichtig und vor allem reflektiert umgehen solltest. Daher ist dieses Kapitel nicht nur für die Mütter wichtig, deren Ex und Vater ihrer Kinder tatsächlich verstorben ist, sondern auch für diejenigen, die das schon laut gedacht haben. Mein ambitioniertes Ziel ist es, dass du am Ende deinen mentalen Frieden mit der Situation schließen kannst. Ja, auch wenn du jetzt ungläubig guckst!
Was es für dich bedeutet, wenn dein toxischer Ex gestorben ist
Auf einmal dreht sich das Blatt für dich, das Klein-Klein des Elternalltags verblasst ob dieser Entwicklung. Dir wird wahrscheinlich sehr schnell bewusst, wie wenig wichtig das alltägliche Hickhack mit diesem Mann gewesen ist. Es wird alles elementarer, wesentlicher, auch menschlicher. Selbst mit einem hochtoxischen Ex auf der anderen Seite, der eiskalt seinen Plan, dir das Kind wegzunehmen und dich in den Ruin zu treiben und damit eventuell sogar Erfolg hatte, wird dir auf einmal klar: Das war ein Mensch, der ein endliches Leben hatte.
Vielleicht denkst du auch: Das ist jetzt die Quittung.
Oder auch: Gar nichts fühlen zu können, weder Trauer noch Genugtuung noch Bestürzung.
Vielleicht warst du zuvor aber auch schon ziemlich klar in deiner eigenen Transformation nach der Trennung und hast gute Grenzen gezogen, und es gab kaum noch größere Berührungspunkte mit ihm.
In jedem Fall wird dich diese Entwicklung wieder an dein eigenes Kernthema erinnern:
Was war das für eine Beziehung? Was hat mich der Umgang mit diesem Mann gelehrt? Was habe ich noch nicht verarbeitet? Welche Bedeutung hat diese Situation für mich – in meinem Denken, in meinem Loslassen-Können, in meinem Wachstum?
Und dann kommt noch der kulturelle Aspekt dazu: Wir leben in einer Wertegesellschaft, in der man nach dem Ableben eines bekannten Menschen zu trauern hat. Aber was macht man, wenn sich partout kein Gefühl der echten Trauer einstellen will? Ein schlechtes Gewissen bekommen? Sich dafür gar schämen?
Gerade wenn in dir sich nur Genugtuung oder auch innere Gefühlstaubheit breitmacht: Du hast dann immer noch bestimmte Themen mit ihm „offen“, die du nun angehen darfst: Sei es, dass du für deine Seite der Entwicklung die Verantwortung übernimmst (ohne dabei seine Handlungen gutheißen zu müssen!) – das wäre z.B. bei einem grundlegenden Gefühl der Genugtuung angebracht – oder dem Schmerz, den dieser Mann in dir verursacht hat, einen Namen zu geben und ihn mit einem Fachmann / einer Fachfrau zusammen auflöst – letzteres im Falle einer Gefühlstaubheit bei der Nachricht.
Wenn diese Situation auftritt und der toxische Ex verstirbt, möchte ich dir wärmstens ans Herz legen, dass du dir professionelle Hilfe an die Seite holst, damit du dich möglichst schnell erden kannst und wieder in die Klarheit kommst.
Denn deine Haltung zum Tod deines Ex ist nur eine Seite der Gleichung – auf der anderen Seite steht das gemeinsame Kind.
Und hier, meine Liebe, musst du klar werden und nun zu deiner wahren Größe finden. Ja, ich meine das vollkommen ernst und ganz ohne Pathos.
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Dein Kind hat hier nämlich die größte Last von allen Beteiligten zu tragen
Lass mich nochmal kurz zuerst die Basics wiederholen: Ich habe bereits über das „Beziehungs-Dreieck“ (bzw. -Vieleck bei mehreren Kindern) gesprochen. Du hast eine Beziehung zum Ex (wie auch immer die gestaltet war und ablief), und du hast auch eine Beziehung zu deinem Kind / deinen Kindern, so wie diese auch eine Beziehung zu ihrem Vater hatten – wie auch immer diese gestaltet war: dick oder dünn, manipuliert oder vollkommen durchblickend, indifferent oder im Loyalitätskonflikt dir gegenüber gefangen.
Und nun sieht sich euer Kind auf einmal in einer Situation, in der ein „Nie mehr“ zur Realität wird. Und das kommt dann wie ein Schock. Auch wenn du es selbst nicht so massiv erlebst – geh davon aus, dass diese Erfahrung für das Kind traumatisch ist.
Wurde es zuvor massiv manipuliert, dann ist auf einmal der wichtigste Orientierungspunkt weg. War es zuvor vollkommen „auf deiner Seite“ und hatte es sich geweigert, den Kindsvater zu treffen, dann wird es jetzt sehr wahrscheinlich mit großen Schuldgefühlen konfrontiert. Dazu musst du selbst gar nichts beigetragen haben – das Umfeld in der Schule wird schon dafür sorgen.
Und selbst wenn es regelmäßig hin- und hergewechselt ist und der parallele Elternalltag einigermaßen geklappt hat und es sich nicht zwischen euch „entscheiden“ musste – auf einmal bricht dieser Part weg.
Eine wichtige Bezugsperson, mit der dein Kind eine Beziehung hatte, gibt es nicht mehr.
Für dein Kind, was noch nicht über die Lebenserfahrung von Erwachsenen verfügt, ist diese Situation gleichbedeutend mit maximaler Überforderung. Das ist sicherlich für jedes Kind auch in einer intakten Familie der Fall, aber bei getrennten, hochtoxischen Elternteilen einfach noch einmal eine ganz andere Nummer. Schließlich hat es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch einen ziemlichen Faden seit eurer Trennung mitgemacht und einiges mit ansehen und erleben müssen, wobei sich einem Erwachsenen schon der Magen umdreht.
Vielleicht spürt es auch deine grundlegende Erleichterung darüber, dass die ganzen Schwierigkeiten, die dein Ex in deinen Alltag gebracht hatte, nun zuende sind. Und reagiert mit Empörung und Ablehnung dir gegenüber darauf, was wiederum die Beziehung zwischen euch auf eine Belastungsprobe stellt.
Wir alle sind einander ein Spiegel – und dein Kind spiegelt dir jetzt mehr als dir lieb ist
Nun gilt es, Ruhe und Souveränität auszustrahlen (leichter gesagt als getan!) und dein Kind empathisch aufzufangen und in den ersten Monaten liebevoll und nachsichtig zu begleiten. Stell auch deinem Kind einen Profi zur Seite, damit es die kindlichen Eindrücke mit einem unbeteiligten Dritten besser verarbeiten kann und nicht in sich hineinfrisst oder ins Unterbewusste verschiebt. Das entlastet dich und deine Rolle als parteiische Mutter. Du dagegen kannst dich darauf konzentrieren, mit deinem Coach oder Therapeuten deine eigenen Themen zu bearbeiten.
Allein diese klare Aufgabenteilung wird dir dabei helfen, dein Bestmögliches zu tun, um das Kind durch diese Kindheit zu begleiten und anzuleiten – ohne von dir zu erwarten, dass du das ALLES alleine schon aus dem Effeff beherrschen musst. Du darfst dir Hilfe nehmen – sag dir das gern immer wieder.
Bist du schon Mitglied in meinem Club der mutigen Mütter?
Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft.
Meine Übung für dich, um in die Gefühlsklarheit zu kommen, wenn dein toxischer Ex verstorben ist
Ich möchte dir an dieser Stelle gern eine Übung an die Hand geben, die du für dich machen kannst, um dir über deine Gefühle in dieser Ausnahmesituation klar zu werden. Schnapp dir dein Journal und beantworte dir selbst diese Fragen:
1) Was ist das Gute daran, dass ich diesen Mann kennengelernt habe?
2) Was habe ich seitdem über mich gelernt?
3) Wofür bin ich zutiefst dankbar?
Bonusfragen:
4) Was kann ich ihm heute verzeihen? Und:
5) Was kann ich mir heute verzeihen?
Ich kann dir versichern: Wann immer du dir diese Fragen stellst und nicht nur im Kopf, sondern auf Papier beantwortest: Du wirst erstaunt sein, welche zutiefst beruhigenden Erkenntnisse dabei zutage treten werden!
Zum Abschluss möchte ich dir noch eines ans Herz legen
Ich hoffe sehr, dass dir dieses Kapitel klargemacht hat, dass du dir besser nicht wünschst, dass dein Ex vorzeitig verstirbt. Denn für das Kind bedeutet das sehr wahrscheinlich ein massives Trauma, das du niemals miterleben möchtest.
Dein toxischer Ex kam nicht ohne Grund in dein Leben, meine Liebe: Er war und ist eine Quelle für dein inneres Wachstum – und wenn er es nicht gewesen wäre, wäre ein anderer gekommen. Hundert pro.
Möge er in Frieden ruhen.
P.S.: Gerne möchte ich viele Kommentare zu diesem Artikel lesen – aber bitte nur friedliche, verständnisvolle und empathische. Mütter und die Kinder, die gerade durch diese Phase hindurchgehen, verdienen unser aller Mitgefühl. Danke dir!
Mehr über mich
Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.
Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.
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