Warum du dich niemals auf ein Nestmodell einlassen solltest

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Eins der wesentlichsten Kritikpunkte am immer häufiger verordneten Wechselmodell ist das ständige „Aus-dem-Koffer-leben“ für die betroffenen Kinder. Ständig wird etwas vergessen, und wir verlangen von unseren Kindern schon viel zu früh, an alles zu denken, was sie für Schule, Umgang, Sport und für ihren emotionalen Support (Kuscheltier!) brauchen.

Dieser Kritikpunkt ist sehr berechtigt, und je jünger das Kind, umso ungeeigneter ist das Wechselmodell. Ja, auch für Eltern, die sich im Guten getrennt haben! Allen Kindern unter 10/11 Jahren sollte meiner Meinung nach das Wechselmodell erspart werden.

Auf diesem Blog geht es allerdings nicht um diese glückliche Elternschar, die sich nach der Trennung noch gegenseitig respektiert und die eigenen Lifestyle-Wünsche hinter ihren Kindern hintenanstellen. Hier besprechen wir die Elternschaft mit einem toxischen Ex, und ich spreche hier auch explizit nur die empathischen Mütter an, die nach der ausgesprochenen Trennung vor der großen Frage stehen:

Wie wollen wir den Umgang regeln?“

Diese Frage einem hochtoxischen, pathologischen Narzissten zu stellen wird nur eine Antwort hervorrufen: „Nur so, wie es mir gefällt – du kannst zusehen, wo du bleibst! Ich werde dir schon zeigen, was es heißt, mich zu verlassen!“

Je nach Abhängigkeitsverhältnis der Mutter – Teilzeitjob, komplette Carearbeit für nicht nur ein Kind – ist auch die finanzielle Macht des ehemaligen Partners. Geld wirkt hier als Macht- und Kontrollinstrument und dient dem Energieaustausch des Narzissten. Es wird auch später immer wieder das Haupt-Energieseil sein, welches er dir von Zeit zu Zeit zuwerfen wird, weil er dich nur auf diese Weise noch emotional „kriegen“ kann.

Und aufgeregte, negative Emotionen – Wut, Angst und Sorge – sind die Währung, die du bezahlen sollst, damit er sich weiterhin überlegen fühlen kann.

Ich kann dir zeigen, wie du nach und nach diese Emotionen schnell erkennst und dich wieder erden kannst. Dies trainierst du zum Beispiel intensiv in meinem Club der mutigen Mütter. Aber das ist keine Sache von jetzt auf nachher, denn diese Muster, die dein Ex noch bedienen kann, müssen erst von dir entdeckt werden können, damit du sie auflösen kannst.

Zu diesem Zeitpunkt ist mir jetzt erst einmal wichtig, dass du verstehst, welche Haltung dein toxischer Noch-Partner sehr wahrscheinlich einnehmen wird, wenn es um die Frage des zukünftigen Kindesumgang geht.

In erster Linie wird es darum gehen, dass er so wenig Geld wie möglich nach der Trennung bezahlen muss PLUS darum, dich in der finanziellen Abhängigkeit zu behalten bzw. vielleicht sogar komplett finanziell zu ruinieren. Denn du sollst es ja bereuen, dass du dich getrennt hast!

Und für genau diese Haltung eignen sich zwei von drei Umgangsmodellen perfekt.

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Die drei Umgangsmodelle

 

Lass mich zuerst nur kurz auflisten, welche Umgangsmodelle es generell gibt:

Wir sprechen vom Residenzmodell, welches das klassische Umgangsmodell nach einer Trennung ist und auch in der Regel von immer noch gut der Hälfte der getrennten Elternpaare gelebt wird. Hier wechselt das Kind jedes zweite Wochenende zum anderen Elternteil (=Umgangselternteil) und hat gegebenenfalls noch einen zusätzlichen Nachmittag unter der Woche (häufig bei kleinen Kindern).

Das bereits oben erwähnte Wechselmodell sieht dagegen eine Aufteilung von 50/50 vor: Das Kind wechselt wochenweise zwischen den Wohnungen der Eltern – mit all den damit verbundenen Nachteilen.

Es muss unglaublich viel miteinander abgestimmt werden. Hat die Mutter früher 100% der Carearbeit in der Beziehung erledigt und sich um alles gekümmert wie z.B. Hausaufgaben, Hobbys, Sport, Mahlzeiten, Stullen für die Schule, Arztbesuche, Geburtstagsfeiern, Klamotten kaufen und wieder ausmisten, Freunde-Besuche sowie den Musikunterricht, muss nun alles kleinteilig mit dem oft aggressiven, egoistischen und desinteressierten Kindsvater „besprochen“ werden.

Er – der eigentliche Hauptverdiener – muss dagegen so gut wie keinen Unterhalt mehr bezahlen, während du dir überlegen darfst, ob du die Skiausrüstung für den Schulausflug nicht doch gleich selbst kaufst, weil dir die Diskussionen im Vorfeld allein bei der Vorstellung schon einen Würgereiz auslösen. Ganz zu schweigen davon, dass du nun zusehen musst, mindestens eine 3-Zimmer-Wohnung zu bezahlen und schnellstmöglich auf Vollzeit aufstocken kannst.

Das Wechselmodell – du ahnst es – ist definitiv keine gute Umgangslösung mit einem toxischen Ex.

Ich habe dazu schon einige Blogartikel (vor allem diesen hier) geschrieben, denn ich will mich in diesem Artikel ja eigentlich über das Nestmodell und nicht mehr über das Wechselmodell auslassen.

Hab Geduld mit mir – es ist einfach wichtig, dass du diese Hintergründe verstehst, bevor du dich voreilig in den ersten Gesprächen nach der Trennung auf das Nestmodell einlässt – dem dritten Umgangsmodell, welches es gibt.

Denn das Nestmodell ist für Mütter mit einem toxischen Ex das Wechselmodell auf Steroiden!

Im Nestmodell wechselt nicht mehr das Kind die Wohnung, sondern die Eltern. Sprich, das Kind bleibt in der ehemaligen Familienwohnung, und die Eltern haben jeweils eigene Wohnungen und wechseln für ihre Umgangszeit zu den Kindern.

Ja, es ist schöner für die Kinder, wenn nicht sie ständig ihre Tasche packen müssen, sondern ihre Eltern.

Und ja, es ist auch schöner für die Kinder, wenn sie ihre Umgebung nicht verlassen müssen – all ihre Freunde, das Kinderzimmer – welches Kind möchte das auch aufgeben?

Und ja, das kann durchaus ein gutes Umgangsmodell sein – sofern sich die Eltern nach der Trennung noch gut verstehen und sich gegenseitig respektieren. Auch solche emotional reife Trennungen gibt es!

Aber jetzt stell dir mal vor, was das für dich heißen würde:

Du hast dich sehr wahrscheinlich nicht erst vorgestern dazu durchgerungen, dich von deinem anstrengenden, ständig abwesenden, rücksichtslosen Partner zu trennen, sondern gerade wegen der Kinder viel zu lange ausgehalten, vielleicht sogar schon mehrere Jahre.

Diese Wohnung hat den ganzen emotionalen Missbrauch – und vielleicht sogar den physischen – miterlebt. Jede Wand, jede Ecke ist mit Erinnerung verbunden. Es gibt nicht einen Platz in der Wohnung, den du anschauen kannst, ohne dass dir nicht ein böser Spruch, eine abfällige Bemerkung einfällt.

Allein seine Anwesenheit hat dich im Innern erstarren lassen. Du bist auf Eierschalen gelaufen, um nicht seinen Missmut zu wecken. Dein ganzer Körper ist angespannt gewesen, dein Nervensystem im Hochstress, sprich im Flucht- bzw. Einfrier-Modus.

Die einzige Möglichkeit, diese hochstressige Wechselwirkung zwischen ihm und deiner körperlichen, konditionierten Reaktion zu beenden ist die Trennung.

Und der erste Schritt ist immer die räumliche Trennung, nicht nur von Tisch und Bett.

Jetzt magst du dir ja sagen, dass er im Nestmodell ja nicht zeitgleich da sein wird.

Also du dürftest ihn viel weniger sehen als vor dem Nestmodell.

Vergiss dabei bitte niemals deine anderen Sinne! Deinen Geruchssinn z.B., wenn du in die Wohnung wechselst und sein After Shave hängt noch in der Luft.

Oder er ist gerade erst weg, und die Kinder hatten sich noch 10 Minuten davor seine Frust-Litanei über dich anhören müssen. Dementsprechend hängt seine negative Energie noch in der Luft, die du mit deinem sechsten Sinn deutlich wahrnehmen kannst.

Oder er hat seine dreckige Wäsche im Wäschekorb „vergessen“, so dass du sie zumindest anfassen musst, um sie auszusortieren.

Nee, das willst du nicht wirklich, oder?

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Wie sieht denn die finanzielle Seite beim Nestmodell aus?

 

Ich persönlich dachte ja früher, dass das Nestmodell in den allerwenigsten Fällen tatsächlich vorkommen dürfte, da es das teuerste aller Umgangsmodelle ist. Schließlich sind insgesamt 3 Wohnungen zu finanzieren, sprich das kann nur eine Lösung für sehr wohlhabende Doppelverdiener sein. Und wenn eine Mutter schon gut verdient UND einen toxischen Ex hat, dann besorgt sie sich ruckzuck eine schöne Wohnung und klärt den Auszug mit Kindern mit einem guten Anwalt.

Bis ich mehr und mehr Mütter kennenlernte, die in den Club der mutigen Mütter kamen und das Nestmodell lebten. Und mir ging ein Licht auf, wie die Jungs das hingekriegt haben:

Das Mega-Pack Nestmodell

Er besitzt ein Mehrgenerationenhaus mit Einliegerwohnung im Keller und Wohnung im Dachgeschoss. Die vermeintliche Lösung: Die ehemalige Familienwohnung im Erdgeschoss wird zur Kinderwohnung, er zieht unters Dach und du in die Einliegerwohnung im Keller.

Wie praktisch! *würg*

Besonders toll mit Holzdielen, damit du auch ja alles hören kannst, wo er geht und steht und wann er nach Hause kommt.

Damit du immer im Gedanken bei ihm bist.

Sweetheart: Wenn du dich von einer traumatischen Beziehung mit einem Narzissten erholen musst und deine Heilung einleiten möchtest, dann geht das nur, indem du aufhörst, ständig an ihn zu denken.

Unterschätze niemals die Konditionierung, die jahrelang stattgefunden hat.

Es sind nicht nur die Erlebnisse, die du reflektieren, verstehen und verdauen musst nach der Trennung. Sondern es sind vor allem die Gedanken-Autobahnen, die dein Ex in dir ausgebaut hat, die du nicht mehr im Kopf befahren solltest.

Das ist die enorm anmaßende Kritikerstimme, die er in deinen Kopf gepflanzt hat.

All das bleibt im Nestmodell bestehen.

Das Stresslevel ist genauso hoch wie in der Beziehung – wenn nicht sogar höher, da er nun unverbrämt aggressiv und rücksichtslos handeln wird. Er wird nun Miete von dir verlangen – warum sollte er dich auch weiterhin aushalten? Gnädigerweise bleibt er aber unterhalb des Mietspiegels in deiner Stadt.

 

Steckst du in einem solchen Nestmodell-Konstrukt im Haus deines Ex, ist folgendes zu tun:

 

  1. Such dir einen Anwalt und besprich deinen Auszug mit den Kindern. Ggfs. musst du auch das Jugendamt aufsuchen. Bist du vollkommen mittellos, frage beim örtlichen Frauenhaus an.

  2. Such dir eine erste Wohnung.

  3. Rücke deinen Glaubenssätzen zu Leibe, die dich klein und von ihm abhängig halten wollen!

Glaubenssätze wie z.B.

„Diese Stadt ist zu teuer“

„Es gibt keine Wohnungen für mich und die drei Kinder – welcher Vermieter wird mich schon nehmen?“

„Ich kann mir keine eigene Wohnung leisten.“

„Ich finde keinen Job – wer nimmt mich schon nach X Jahren Hausfrau-Dasein?“

Mach dir bitte klar: Hunderttausende von Müttern vor dir haben sich von toxischen Ex-Partnern befreien können und sind schließlich ausgezogen. Die Umstände mögen in deinem Fall vielleicht besondere sein – aber das ist noch kein Grund, es nicht zu tun.

Die Mütter haben alle Kinder – und sind ausgezogen.

Es gab immer Wohnungen. Es zieht ständig irgendwo jemand aus.

Nein, es wird kein Spaziergang im Rosengarten. Aber der einzige Weg in die emotionale Sicherheit ist „draußen“, außerhalb seines Einflussbereichs.

Du schaffst das, Sweetheart. Nur Mut.

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