Warum Harmoniesucht vor Gericht mit einem toxischen Ex gefährlich ist

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Nach der Trennung von einem narzisstischen oder toxischen Ex stehen viele Mütter plötzlich unter enormem Druck. Sie wollen nur eines: Frieden. Doch genau dieser Wunsch nach Harmonie kann dazu führen, dass sie immer wieder nachgeben, Grenzen überschreiten lassen und sich selbst verlieren. Besonders kritisch wird es, wenn ein Gerichtsverfahren droht. Denn Harmoniesucht und Gefallsucht machen dich für Manipulation extrem anfällig. In diesem Artikel zeige ich dir, warum diese beiden Muster dich in der Elternschaft mit einem toxischen Ex ausbremsen – und warum dein Weg aus der Krise genau hier beginnt.

Viele Mütter finden sich nach der Trennung in einer Situation wieder, die sie niemals für möglich gehalten hätten: Sie müssen vor Gericht und sich mit Behörden und „ExpertInnen“ befassen, die argwöhnisch jeden Satz, jede Entscheidung, jeden Gedanken einer Mutter durchleuchten, analysieren und bewerten. Und wehe, dein Verhalten gleicht auch nur annähernd dem verinnerlichten Klischee einer Glucken- und beziehungsintoleranten Mutter, die ihr Kind nur für sich allein haben will!

Dabei will die überwältigende Mehrzahl der Frauen, mit denen ich bislang gearbeitet habe, nur ihr Kind liebhaben dürfen, ohne dafür bekrittelt zu werden. Und sie wollen einen friedlichen Umgang mit dem toxischen Ex – und natürlich soll er das Kind sehen und Umgang haben! Noch viel schöner wäre es zwar, wenn man auch nach der Trennung einen Ansprechpartner in ihm hätte, mit dem man alle Kindthemen vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt besprechen könnte – aber hey! Es gab schließlich Gründe für die Trennung, daher wäre eine friedliche Co-Existenz beider Eltern, innerhalb derer jeder seinen eigenen Stiefel macht und für das Kind da sein kann, aber man selbst so wenig Berührungspunkte wie möglich mit dem anderen Elternteil hat schon optimal.

Mit einem toxischen Ex-Partner – du hast es wahrscheinlich schon erschüttert festgestellt – klappt das nicht. Vielleicht später, wenn das Kind schon größer ist und nicht mehr allzuviel geregelt werden muss. Aber aktuell droht vielleicht sogar ein Gerichtsverfahren – etwas, was du niemals für möglich gehalten hättest. Du hast dir nie etwas zuschulden kommen lassen, warst ehrlich bei der Steuererklärung, hast nie die Arbeit geschwänzt und tust gerade alles, um deinen täglichen Pflichten als Mutter nachzukommen und deine Rechnungen pünktlich zu bezahlen. Und nicht nur das: Disharmonie ist dir generell ein Gräuel, und du bist sehr bemüht, mit all deinen Mitmenschen gut auszukommen.

Vielleicht ist es sogar so, dass du seit Jahren alles mit dir machen lässt, nur aus Angst, dass dein Ex dich sonst vor Gericht zieht (angedroht hat er das schließlich nicht nur einmal…). So gibst du immer wieder nach, machst unsägliche Konzessionen, lässt deine Grenzen übertreten und hast nicht nur ein paar Mal das Gefühl, du wärst ein Fußabtreter für alle, die dich ausnutzen.

Das geht so lange gut, bis es nicht mehr gut ist, und du ausgebrannt und verzweifelt die Hand vor Augen nicht mehr sehen kannst, geschweige denn einen klaren Weg aus dieser Situation. Chronisches Kranksein, ultradünne Nerven mit dem Kind (was es nicht besser macht!) und stetige Angst vor der nächsten Forderung des Ex machen dann dein Leben zur veritablen Hölle.

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Wie kommst du da nur wieder raus?

 

Ein toxischer, pathologischer Narzisst auf der anderen Seite der Elternschaft zwingt dich geradezu, in den Spiegel zu gucken und dich zu fragen:

  1. Welche meiner Verhaltensweisen nähren und unterstützten sein Verhalten?

  2. Welche Gedanken halten mich in meiner Angst, die meine Veränderung blockiert?

  3. Stimmt das wirklich?

  4. Wie würde eine Frau mit einem gesunden Selbstwert denken?

Mach ruhig jetzt eine kurze Pause und lies noch nicht weiter. Versuche, dir diese Fragen zuerst zu beantworten und die ersten Ideen dazu aufzuschreiben, bevor du weiterliest.

 

Wenn zu deinen Antworten auf die erste Frage von oben z.B. „Grenzenlosigkeit“ gehört, dann kannst du darauf aufsetzen und dir überlegen: Welche Grenzen brauche ich für mich, damit der Elternalltag mit diesem Mann für mich machbar wird? Schau dir dazu auch gerne das Grenzen-Kapitel noch einmal an, um detailliert in deine Antwort einzutauchen. Diese sind für jede Frau individuell, aber lass mich dir hier ein Beispiel geben:

Angenommen, du hast schon mehrfach gesagt, dass er das Kleinkind vor der Tür abgeben soll und die Wohnung nicht betreten darf, und er tritt dann doch immer wieder über die Schwelle, dann wäre genau das deine Grenze: Die Kindübergabe findet ausschließlich vor der Haustür statt.

Warum kann er das noch immer? Welche Gedanken kommen hoch?

Das hier könnten mögliche Antworten sein:

  • Ich habe Angst, dass er mir dann vor dem Kind und den Nachbarn eine laute Szene macht. Wie stehe ich dann da? Ein gutes Verhältnis zu meinen Nachbarn ist mir wichtig. Was werden sie denken, wenn mein Ex im Flur oder vor dem Haus tobt?

  • Was wird das vor allem mit dem Kind machen? 

  • Es ist unhöflich, jemanden vor der Tür stehenzulassen.

Als nächstes frage dich, was davon wirklich stimmt.

Stimmt es wirklich, dass er sich tatsächlich die Blöße geben würde, wegen fehlendem Zugang zur Wohnung Terz zu machen? Stimmt es wirklich, dass sich die Nachbarn über dich Gedanken machen werden? 

Sicherlich wirst du aber auch feststellen, dass manche Befürchtungen berechtigt sind, so z.B., dass es das Kind tatsächlich heftig treffen kann, wenn der Vater im Flur heftig mit der Mutter schimpft.

Dann fragst du dich als nächstes: Wie würde eine Frau mit einem starken Selbstwertgefühl (sprich mit einer verinnerlichten Haltung, dass sie vollkommen ok ist, so wie sie ist und fühlt) mit diesen Gedanken umgehen?

Vielleicht ja so:

„Was immer er tut oder entscheidet, kann ich eh nicht beeinflussen. Er ist unberechenbar.“
„Ich kann nicht verhindern, dass das Kind mit ihm als Vater schlechte Erfahrungen machen wird. Gerade in solchen Momenten braucht es aber einen festen Orientierungspunkt – und dann bin ich da, ein fester Leuchtturm, und verkörpere Ruhe im Sturm.“
„Ich darf Grenzen setzen, die zu mir passen – wie jeder andere Mensch auch.“
„Jeder Mensch ist für seine Gefühle zuständig und hat die volle Verantwortung darüber. So wie nur ich dafür sorgen kann, dass es mir gutgeht, so können nur die Anderen dafür sorgen, dass es ihnen gutgeht.“

Was macht gerade dieser letzte Satz mit dir, Sweetheart? Kommt da ein weiterer Glaubenssatz hoch – z.B., dass du sehr wohl die Aufgabe hast, dass es allen Menschen um dich herum immer gutgeht?

Herzlichen Glückwunsch: Du hast jetzt einen großen Brocken quer über deinen Weg gefunden, der dich bislang daran gehindert hat, weiterzukommen!

Und genau DIESEN Glaubenssatz darfst du – und musst du! – jetzt loslassen, wenn du Fortschritte machen willst.

Übrigens hättest du diesen kapitalen, hinderlichen Glaubenssatz niemals entdeckt, wenn dein toxischer Ex nicht ständig über deine Grenzen drübertrampeln würde und dich mit seinen Entscheidungen in Situationen zwingt, die du niemals erleben wolltest! Lass uns da mal einen mentalen Haken setzen.

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Gepaart mit Gefallsucht wird die Harmoniesucht zum diabolischen Duo für unser Handeln

 

Wo liegt der Unterschied?

Die Harmoniesucht sorgt dafür, das Konflikte entweder gleich unterm Teppich gekehrt oder die Wogen so früh wie möglich geglättet werden. Die innere Haltung läuft auf den Gedanken „Hauptsache, es gibt keinen Streit bzw. kein Gerichtsverfahren!“ heraus. Die eigene Meinung bleibt oft unausgeprochen und Ärger wird hinuntergeschluckt (der danach übrigens im Bauch weitergärt und im Körper sein Unwesen treibt – aber das ist ein anderes Thema, was an dieser Stelle zu weit führen würde…). Harmoniesüchtige Frauen lassen in den ersten Jahren alles mit sich machen aus Angst vor einer Gerichtsverhandlung, welche dann im 5. Jahr durchaus ein Befreiungsschlag sein kann.

Die Gefallsucht sagt: „Alle sollen mich mögen.“ Gefallsüchtige Mütter im Gericht orientieren sich an der Erwartung der anderen, des Gutachters oder der Jugendamtmitarbeiterin. Sie sagen zu allem „Ja“, auch wenn sie eher „Nein“ meinen. Und sie verwenden eine Menge Energie darauf, sympathisch zu wirken.

Logisch, dass eine solche Kombo im Gericht zum persönlichen Waterloo wird: Konflikt vermeiden und den Anspruch zu haben, dass man von allen gemocht wird, kann einfach nicht funktionieren! Klare Grenzen zu setzen wird ein Ding der Unmöglichkeit, denn in dem Moment, in dem man eine klare Grenze selbst-bewusst definiert und die Einhaltung einfordert, wird man in den Augen der Anderen unbequem, und nicht wenige fühlen sich bei demonstrierter Stärke vor den Kopf gestoßen. Also gefallen wirst du dann nicht!

Das Gefährliche dabei ist, wenn du diese beiden Süchte nicht ablegst, dass du sehr leicht steuerbar bist – vor allem von den Menschen, die bewusst oder unbewusst manipulieren. Ich meine damit nicht nur deinen Ex, sondern auch die anderen Beteiligten im Gericht oder im Jugendamt oder in der Mediation, die den Fall gerne schnell abschließen und einen Haken dransetzen wollen.

Daher darfst du es durchaus begrüßen, wenn du an dieser Stelle nicht weiterkommst und dich endlich diesen Süchten stellen musst – einfach, weil es nicht anders geht! Es gibt einfach keine Alternative dazu, wenn du zum Leuchtturm für dein Kind werden willst.

Wie sieht es denn bei dir aus, meine Liebe? Kennst du das Thema Harmonie- und Gefallsucht bei dir selbst? Wie gehst du heute damit um? Hinterlasse mir und den anderen Mamas dazu gerne deinen Kommentar hier unter dem Artikel. Danke!

 

Mehr über mich

 

Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.

Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.

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