Mediation mit einem narzisstischen Ex – warum sie scheitert und wie du dich schützt

Eine Mediation gilt im Familienrecht als sinnvolle Alternative zum Gerichtsverfahren – doch was passiert, wenn dein Gegenüber ein narzisstischer oder hochtoxischer Ex-Partner ist? Funktioniert eine Mediation mit einem narzisstischen Ex überhaupt – oder wird sie zur Bühne für Manipulation und emotionalen Missbrauch? In diesem Artikel erfährst du, warum Mediation bei Hochkonflikt-Trennungen mit einem pathologischen Narzissten in der Regel scheitert, welche Risiken für dich und dein Kind bestehen und wie du dich mental und strategisch auf eine angeordnete Mediation vorbereiten kannst.
Warum eine Mediation mit einem pathologischen Narzissten nicht funktionieren kann
Eine Mediation ist eine feine Sache – ich persönlich halte das grundlegend für eine sehr gute Idee, um ein Gerichtsverfahren womöglich abwenden zu können. Nur – und jetzt kommt die schlechte Nachricht – mit einem pathologischen Narzissten funktioniert das leider nicht.
Eine Mediation baut auf dem Grundsatz auf, dass prinzipiell beide Parteien ein Interesse an einer Lösung, an einem guten Kompromiss haben, damit der Konflikt beigelegt werden kann. Ein Narzisst hat aber gar kein Interesse daran, dass ein Konflikt zum Besten des Kindes beigelegt wird. Er will seine Ziele durchsetzen – koste es, was es wolle. Hat er bei der Trennung gedroht, die Mutter seines Kindes finanziell zu ruinieren und ihr das Kind wegzunehmen, um das er sich mehrere Jahre nicht gekümmert hat, dann wird er nicht in der Mediation sitzen und einem Kompromiss zustimmen, welches die Frau „unbehelligt“ lässt und auch nur den Anschein erweckt, sie würde nicht bluten müssen.
Mediation als Bühne für emotionalen Missbrauch
Mal ganz davon abgesehen, dass eine Mediation mit einem toxischen Ex nicht funktionieren kann, so bietet sie ihm außerdem eine gefährliche Bühne, in dem Raum mit der körperlichen Nähe zueinander den emotionalen Missbrauch aus der Beziehung wieder aufleben zu lassen. Ein Narzisst braucht Energie in Form von Emotionen, also vor allem Fassungslosigkeit, Empörung, Angst, Hilflosigkeit, Demütigun, Ohnmacht oder Wut. Und ein gemeinsames Setting in Form einer Mediation, in der eine dritte Person den Vorsitz hat, die von den Mechanismen des Paars null Ahnung hat und ja neutral bleiben muss, ist für eine Frau, die mehrere traumatische Erlebnisse mit dem Ex-Partner hatte – und an die er subtil erinnern wird – äußerst herausfordernd und wird zu 99% genau diese Emotionen entsprechend triggern.
Es sei denn, sie bereitet sich mental auf diese Situation vor, und ich beschreibe dir weiter unten auch, wie du das hinbekommen kannst.
Wenn die Mediation vom Gericht angeordnet wird
Denn es ist gut möglich, dass du von dir aus schon überlegt hast, mit ihm in eine Mediation zu gehen. Sehr, sehr viele meiner Klientinnen haben noch innerhalb der Beziehung mit dem Vater ihrer Kinder eine Mediation angeregt – ich selbst übrigens auch – bevor sie letztendlich die Trennung erklärten, weil sie erkennen mussten, dass es nichts bringt außer mehr Klarheit in ihrer Entscheidung.
Aber selbst wenn es noch keine Mediation gegeben hat: Spätestens im ersten Gerichtsverfahren dürfte ein Richter diese anordnen. Und dann hilft es auch nix, wenn ich dir zurufe: „Tu’s nicht!“
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Mögliche Optionen für dich in der Mediation
Zuallererst könntest du versuchen, beim Institut, welches die Mediation anbietet, eine Shuttle-Mediation zu bekommen. Eine Shuttle-Mediation wird auch „Pendelmediation“ genannt – in dem Fall sitzen die Parteien nicht in einem Raum, sondern dein Ex und du sitzt in getrennten Zimmern, und nur der Mediator pendelt zwischen euch hin und her. Das ist vor allem dann eine valide Anfrage, wenn es Stalking und häusliche Gewaltvorwürfe gegen den Ex gibt, damit du dich schützen kannst. Aber ich würde es auch ohne diese auf jeden Fall probieren – Fragen kostet nix!
Zudem könntest du vorher vereinbaren, dass du zuerst gehen darfst, damit dein Ex dich nicht noch auf dem Flur oder auf dem Weg zum Parkplatz mit seinen Forderungen und möglichen Beschimpfungen behelligen kann. Er braucht ja deine Emotionen! Sonst ist das alles wenig befriedigend für ihn.
Wie du Mediationssitzungen emotional überstehst
Aber vielleicht geht das alles nicht, die Organisation hat nicht die Möglichkeiten oder will nicht. Wie kannst du dann am besten die Mediationssitzungen überstehen?
Zuerst einmal mach dir bewusst, dass es ihm um deine Emotionen geht. Und deine Emotionen kommen durch, wenn du sie fühlst, egal, ob du sie zeigst oder nicht!
Im Umgang mit Narzissten gibt es eine goldene Regel: Mach dich langweilig.
Ja, ich weiß, es geht in diesen Sitzungen in der Regel um euer Kind und vielleicht auch um euren Besitz, zu dem du maßgeblich beigetragen hast. Also alles, was er in einer Mediationssitzung fordern wird, hat das Potenzial, in dir eine große Empörung auszulösen. Und hier gilt, vollkommen ruhig zu bleiben.
Da du weißt, wie er tickt, kannst du dich schon im Vorfeld darauf einstellen, dass er etwas Unangemessenes und Unfaires von dir und dem Kind fordern wird. Du könntest dir dann einfach eine kurze Notiz machen mit der genauen Uhrzeit, damit du eine emotionale Distanz zum Geschehen aufbauen kannst. „Ah, da ist die unbotmäßige Forderung.“ könntest du dir denken. Gelangweilt. Nicht mit Ausrufezeichen gedacht, sondern mit Punkt. Eine simple Feststellung.
Spricht der oder die Mediatorin mit dir, konzentrierst du dich voll und ganz auf das Kind. Du weißt als empathische Mutter ja genau, wie dein Kind denkt und wo es gerade in seiner Entwicklung steht. Vertrau dir, dass du die richtigen Worte findest.
Auch wenn es am Anfang in der ersten Mediationssitzung für dich noch holprig ablaufen könnte, verzage nicht! Du wirst noch viele Übungsmöglichkeiten haben, deine Haltung in diesen Settings zu stärken und immer ruhiger zu werden. Es ist eine Haltung zu denken: „Ich werde gezwungen, diesen Witz hier mitzumachen!“ oder „Ich habe immer noch die Wahl, das Beste aus der Situation zu machen.“
Vorsicht vor faulen Kompromissen in der Mediation
Ein Mediationsgespräch hat keine Entscheidungsgewalt, mach dir das bitte klar. Gut möglich, dass du dich im Verlauf der Gespräche in eine Ecke gedrängt fühlst und der Mediator leider die gebotene Neutralität vermissen lässt. Daher unterschreibe nix, mit dem du nicht zu 100% zufrieden bist und ein gutes Gefühl hast! Klar hat eine vorgeschaltete Mediation den Zweck, eine Gerichtsverhandlung zu ersetzen. Aber wenn am Ende kein beiderseitiger Kompromiss dabei herauskommt, sondern Fakten geschaffen werden, die dem Kind – und damit dir! – zuviel abverlangen, dann erweist du dir mit einer Unterschrift oder sonstigen schriftlichen Bestätigung einen Bärendienst.
Die Schwierigkeit dabei ist, dass du einen Kompromiss nicht für dich persönlich bestätigst, sondern für einen anderen Menschen – eurem Kind. Und wenn dein Kind unter dem Kompromiss leidet und überfordert wird, leidest du mit und haderst noch jahrelang mit dem Ergebnis, dass du in der Mediation dich hast überreden lassen, weil du im Grunde der kompromissbereitere Part in dieser Elternschaft bist!
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Ist eine gescheiterte Mediation wirklich ein Misserfolg?
An dieser Stelle: Ist das nicht ein Wahnsinns-Widerspruch? Ich rate dir, dich nicht auf einen faulen Kompromiss einzulassen, und werfe dem narzisstischen Ex gleichzeitig vor, dass er niemals von seinen Zielen abkommen wird und somit eine Mediation von vornherein zum Scheitern verurteilt ist?
Ja, das kann man durchaus so sehen.
Aber ist eine abgeschlossene Mediation automatisch ein Erfolg, wenn eine Mutter, die ein Gerichtsverfahren unbedingt verhindern möchte, von ihrem dominanteren Ex niederargumentiert wird, und beide – Mediator und Ex – darauf drängen, dass nur die Lösung, die zu 98% den Wünschen des Ex entspricht, der valide „Kompromiss“ ist?
Mach dir bewusst, dass du 50% der Elternschaft innehast und nicht die Lautstärke oder die Redegewandtheit deines Ex ein höheres Gewicht hat. Empathische Mütter gehen in ein Mediationssetting mit „Ich möchte das so gerne klären und will endlich Frieden zwischen uns“-Vibes. Auch der Mediator will Frieden stiften und den Fall professionell abwickeln. Nur ein toxischer Ex-Partner dürfte mit einer anderen Haltung reingehen: „Ich will gewinnen!“
Mediation, Wechselmodell und langfristige Folgen für dein Kind
Fakt ist nur, was ich schon viel zu häufig mitbekommen habe: Eine Mutter lässt sich in einer Mediation vorab auf eine Umgangsregelung ein, die z.B. in ein Wechselmodell-ähnliches Konstrukt für das Kleinkind mündet, und erlebt in den folgenden Monaten, was das mit dem Kind macht. Geht es dann irgendwann einmal doch zum Gericht, hat das Kind bereits eine andere Alltags-Kontinuität. Vielleicht hat es schon resigniert, vielleicht ist es noch ganz drin in der Wut auf die Außenwelt – ein Richter wird dann trotzdem nicht schnell und leichtfertig entscheiden, den alten Umgangszustand wieder herzustellen. „Das Kind braucht offensichtlich mehr Zeit, um sich daran zu gewöhnen…“ oder auch „Jetzt wollen wir die aktuelle Kontinuität für das Kind nicht nochmal umwerfen“.
Eine Mediation kann nicht nur Bühne für deinen narzisstischen Ex sein, sondern im positiven Sinne auch deine Übungsbühne sein: Für deine Grenzen, für deine Klarheit und nicht zuletzt auch für deine Haltung, bevor es zum Gericht geht.
Wie siehst du das? Hast du eine solche Mediation bereits erlebt und was sind deine Erfahrungen damit? Ich freue mich über deinen Kommentar weiter unten – Merci!
Mehr über mich
Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.
Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.
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