Wenn der toxische Ex plötzlich nett ist

Dein toxischer Ex ist plötzlich nett zu dir – und du bist verwirrt? In diesem Artikel erfährst du, warum gerade das ein Warnsignal sein kann und wie du dich und dein Kind davor schützt, die mühsam aufgerichteten Grenzen wieder aufzugeben.
Wenn nach einer Welle von Verletzungen, Häme, Abwertung und Drohgebärden der toxische Ex plötzlich nett und umgänglich ist, kann dich das als eine Mutter, die sich zutiefst nach Frieden sehnt, sehr verunsichern.
Es ist aber auch zu schön, um wahr zu sein: Er kommt dir immer mehr entgegen, ist lieb und umgänglich zum Kind, ist pünktlich und zuverlässig und macht auch keinen Stress mehr, wenn es um wichtige Fragen geht, die du mit ihm im Rahmen des Sorgerechts klären musst.
Die Mütter, die nach der Trennung viele Jahre unter dem narzisstischen Gehabe gelitten haben, werden verständlicherweise sofort misstrauisch und „riechen den Braten“. Was hat er vor? Da kommt doch noch was?
Kann man einem solchen plötzlichen Wechsel von böse auf gut überhaupt trauen?
Lass uns noch einmal kurz rekapitulieren, was eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ausmacht:
„Narcissistic personality disorder (NPD) is a pervasive pattern of grandiosity, a need for admiration, a lack of empathy, and a heightened sense of self-importance.“
(Quelle: Mitra, P., Torrico, T. J., & Fluyau, D. (2024). Narcissistic Personality Disorder)
Übersetzt heißt das: Die narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) bezeichnet ein überdauerndes Muster von Grandiosität, einem Bedürfnis nach Bewunderung, einem Mangel an Empathie und einem gesteigerten Gefühl der eigenen Wichtigkeit.
Wohlgemerkt: Narzisstische Anteile haben wir alle – ohne diese würde auch nichts vorangehen. Wir brauchen eine innere Überzeugung, dass wir etwas gut können, um diese Fähigkeit zu verfolgen und zu fördern. Da darf man auch mal sehr stolz auf seine Erfolge sein und andere daran teilhaben lassen!
Ich selbst kann nicht beurteilen, ob dein Ex wirklich eine NPS hat – das können nur psychologisch ausgebildete Fachkräfte, und ich wäre an deiner Stelle auch vorsichtig, mit diesem Label hausieren zu gehen. Was du nur sehen kannst, ist sein Verhalten dir und dem Kind gegenüber. Daher rede ich auch immer vom „toxischen“ Verhalten, um den Fachterminus zu vermeiden und den Fokus auf das Verhalten zu legen und eben nicht auf eine vermutete Diagnose.
Denn dass es eher weniger Diagnosen gibt, liegt wohl auf der Hand: Denn wer, der einen übersteigerten Sinn von Grandiosität und dem Drang nach Bewunderung auslebt, würde von sich aus zum Psychologen gehen und sich auf diese Schwäche in der Persönlichkeit testen lassen?
Heilungschancen gibt es zwar, aber das hängt stark vom individuellen Profil des krankhaften Narzissten ab, und es ist definitiv kein Schalter, den dein Ex einfach umlegen kann – es braucht Jahre an Therapie und den Willen, das durchzuziehen. Und selbst dann können bestimmte Merkmale fortbestehen, die einfach nicht therapierbar sind.
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Was wahrscheinlicher der Fall ist, wenn der toxische Ex plötzlich nett ist
Wenn also dein Ex und Vater deines Kindes „plötzlich“ nett zu dir ist, dann ist es wahrscheinlicher, dass er hier eine bewusste Entscheidung getroffen hat, die zu einer neuen Strategie passt. Vielleicht hat er sich beraten lassen, und der Berater hat ihm aufgezeigt, was es ihn kosten könnte, wenn er die alte Strategie – Aggression, Blockade, Gericht – weiterhin verfolgt. Vielleicht hat ihm auch der Anwalt erklärt, dass er in eurem ganz speziellen Fall mit dieser Strategie nicht weiterkommt.
Viele hochtoxische, pathologisch gestörte Narzissten ignorieren aber eh alles, was man ihnen rät, wenn sie der inneren Überzeugung sind, dass sie ihre ehemalige Partnerin vernichten müssen, weil sie es zum Beispiel gewagt hat, sie zu verlassen.
Es gibt also durchaus Abstufungen im narzisstisch-toxischen Verhalten, und in meinem Onlinetest „Wie toxisch ist dein Ex wirklich?“ kannst du selbst einmal nachschauen, welchem Typ dein Ex eher entspricht: Dem Mitläufer, dem gemeinen Mistkerl oder dem Teufel höchstpersönlich.
Meiner Erfahrung nach dürfte eine Verhaltensänderung von „böse“ auf „nett“ daher eher beim „Mitläufer“ und vielleicht noch zum „gemeinen Mistkerl“ passen, und im günstigsten Fall beim Mitläufer von längerer Dauer sein.
Was heißt das jetzt für dich?
Gerade wenn du eine Historie hast, in der du früher in der Beziehung harmonie- und gefallsüchtig gehandelt hast, um es jedem recht zu machen, ist eine Trennung von einem toxischen Ex eine ganz und gar wunderbare Chance, dich selbst davon zu kurieren. Denn Mütter begreifen vor allem im Gerichtssaal und mit dem Helfersystem sehr schnell, dass sie sich keine Freunde machen können, egal was sie sagen.
Stück für Stück befreien sie sich davon – auch und vor allem durch Grenzen, die sie kommunizieren.
Und du hast ja hoffentlich schon weitere Grenzen aufgestellt, nicht nur räumliche. So hast du hoffentlich ein separates Postfach und konntest bereits den einen oder anderen Feiertag genießen und neue Rituale leben.
Die Gefahr für alle friedliebenden Mütter
Du musst nämlich damit rechnen, dass dein Ex nach und nach wieder Boden in deinem Leben gewinnt – nicht nur im Alltag, sondern auch wieder in deinem Denken über dich selbst. Und dich so leise zu lenken und zu manipulieren beginnt.
Daher: Deine Grenzen, die du nach der Trennung aufgestellt hast, stehen auch bei nettem Verhalten felsenfest! Die Grenzen hast du nämlich nicht aus Rache aufgestellt, sondern aus Selbstschutz und aus Selbstliebe.
Und genau das sollte dein Gedankenanker sein: Du stellst Grenzen für dich auf, nicht gegen andere Menschen.
Es ist eben keine „böse, egoistische“ Handlung von dir, Grenzen zu haben, die du lieben Menschen gegenüber nicht haben solltest.
Denn ein separates Email-Postfach, wenn es um Kindes-Angelegenheiten geht, ist immer gut und bringt Ordnung und Struktur.
Getrennte Weihnachtsfeste und Geburtstage sind auch ein wichtiges Signal für das Kind, dass du es mit der Trennung ernst meinst und deine Entscheidung steht. Deine Haltung gibt dem Kind Sicherheit und Stabilität.
Das gilt auch für Ausflüge und Ferien. Diese Grenze ist vor allem wichtig für dein Kind, damit es weiß, dass das jetzt die neue Struktur ist, damit es sich daran gewöhnen kann. Die meisten Kinder dürften sich noch jahrelang nach der Trennung wünschen, dass die Eltern wieder zusammenkommen. Den Kindern mit gemeinsamen Unternehmungen oder Familienfeiern immer wieder neue Hoffnungen zu geben ist meiner Meinung nach nicht wirklich hilfreich.
Nichts spricht aber dagegen, an der Tür bei der Übergabe sich ruhig und nett zu unterhalten, wenn es Stoff zum Plaudern gibt, du gerade Zeit und Muße hast, und du dich auch wirklich wohl damit fühlst.
Oder auch die Einschulung, Kommunion/Konfirmation, Schulabschluss-Feiern – da ist es doch schön, wenn Frieden herrscht und ihr sogar friedlich nebeneinandersitzen könnt.
Die Maßgabe: Du musst dich damit wohlfühlen und im Reinen sein. Bedient er immer noch Trigger oder ein unbefriedigtes Bedürfnis (siehe oben: Harmonie- und Gefallsucht), dann gilt es, mehr Abstand zu wahren.
Du darfst das.
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Sei Teil einer exklusiven Gemeinschaft und lerne, die Wellen souverän zu nehmen, die der Ex immer wieder aufwirft.
Musst du zusätzlich vorsorgen – für den Fall der Fälle, falls er morgen wieder seine hässliche Seite zeigt?
Im Umkehrschluss heißt es aber auch, dass du dich bitte nicht in unfruchtbaren Taktiküberlegungen verlierst – wie z.B.
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„Was hat er nur wieder vor?“
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„Was kommt als nächstes?“
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„Worauf muss ich mich jetzt vorbereiten?“
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„Was heckt er aus?“
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„Welche Strategie verfolgt er denn jetzt?“
Damit bleibst du bei ihm und allem, was du sowieso nicht kontrollieren kannst. Was weißt du schon, was in seinem Kopf vorgeht?
Hier darfst du loslassen lernen
Je mehr du krampfhaft versuchst, seine Handlungen vorherzusehen, umso weniger bist du bei dir und deiner eigenen Entwicklung, deren Weg dir sein toxisches Verhalten bereits geebnet hat.
Meine Empfehlung für dich:
Weißt du, ich erlebe so viel Leid, Ärger und Verzweiflung gepaart mit Hilflosigkeit, wenn ich mit Müttern arbeite, die jeden Tag mit hasserfüllten Emails und eiskalten Vätern zu kämpfen haben, dass ich dir sage: Genieße die Zeit, wenn er nett ist.
Freu dich darüber, wenn das Email-Postfach leer bleibt.
Freu dich auch fürs Kind, wenn es gerne zu seinem Papa geht, weil er liebevoller und mehr auf das Kind eingeht als sonst.
Seine Haltung mag vielleicht nicht authentisch sein – aber falls er „nur“ ein Mitläufer ist, dann ist er den Aggro-Druck im Innern vielleicht auch schon leid und will da Ruhe haben.
In jedem Fall – ob echt oder nicht – es ist seine Entscheidung, wie er handelt.
Du konzentrierst dich auf dich, was du wirklich willst und wie gut sich deine Grenzen bereits angefühlt haben. Und du bewahrst deine gesteckten Grenzen – das ist deine beste Versicherung, damit es später keine bösen Überraschungen gibt.
Gut möglich, dass sich die hässliche Seite sehr viel schneller wieder zeigt, wenn du ruhig und freundlich auf deinen Grenzen bestehst. Denn bei harmonisch getrennten Paaren werden die Grenzen schließlich auch respektiert und nicht in Frage gestellt.
Ein toxischer Ex bleibt unterm Strich immer ein Überraschungspaket und einfach unkontrollierbar. Du kannst dich nun mal nicht auf jede unschöne Situation vorbereiten – aber du kannst lernen, deine Reaktion darauf souveräner zu steuern und ruhiger zu werden.
Damit du die Angst vor der Panik loswirst.
Wie ist das bei dir, meine Liebe? Kennst du nette Phasen deines Ex, und wurdest du später wieder eines Besseren belehrt? Lass uns gerne deinen Kommentar unten da, damit hilfst du auch anderen Müttern sehr. Vielen lieben Dank!
Mehr über mich
Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.
Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.
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