Scham nach der Trennung: Wie du erkennst, ob sie aus dir kommt – oder dir von außen gemacht wird

Scham ist ein Gefühl, das viele Mütter mit einem toxischen Ex-Partner nur zu gut kennen. Sie taucht auf im Alltag mit Kindern, nach Trennung und emotionalem Missbrauch, vor Gericht, beim Jugendamt oder im Kontakt mit Menschen, die sich anmaßen, über dich zu urteilen. Dieser Artikel beleuchtet, warum Scham nicht grundsätzlich „falsch“ ist, wie sie mit deinen persönlichen Werten zusammenhängt – und woran du erkennst, ob sie aus deinem Inneren kommt oder dir von außen übergestülpt wird. Wenn du dich immer wieder fragst, warum du dich schuldig, klein oder „nicht gut genug“ fühlst, obwohl dein Bauchgefühl etwas anderes sagt, findest du hier eine neue, klärende Perspektive.
Warum Scham Mütter mit einem toxischen Ex besonders häufig begleitet
Jede von uns kennt das: dieses tiefe Gefühl von Scham, welche uns überkommt, wenn wir (mal wieder) nicht genügen: Entweder dem Ideal der immer verständnisvollen Mutter, die liebevoll-nachsichtig auf die Tobsuchtsanfälle ihres Dreijährigen reagiert und an der Kasse die Ruhe in Person ist, während sich das Kleinkind auf dem Boden wälzt; oder dem Ideal des kooperativen Elternteils nach der Trennung, wenn fremde Experten helikoptermäßig über den Köpfen schweben, in unser heiligstes Refugium nach der emotionalen Missbrauchsbeziehung eindringen und sich nach einer 30-Minuten-Beobachtung ein Urteil über uns erlauben.
Über allem schwebt die Frage: „Wie konnte ich nur auf so einen Pathologen hereinfallen?“ Ob direkt ausgesprochen oder nicht: Diese Frage steht auch dem Helfersystem auf der Stirn geschrieben: „Da kann doch was nicht stimmen, wenn sie jetzt solche Geschichten erzählt?!“
Die bewusste Scham ist dabei ein wichtiges Gefühl für uns: Sie gibt uns Hinweise, ob wir selbst in unseren Handlungen und im Denken kongruent mit unseren eigenen Werten sind.
Die stille Kraft der Scham: Was sie mit deinen persönlichen Werten zu tun hat
Vielleicht hattest du noch keine Gelegenheit gehabt, dich mit deinen Kernwerten ausgiebig zu beschäftigen – ich empfehle es dir von ganzem Herzen, denn du wirst an vielen Stellen in deiner Elternschaft merken, wie sehr dir das Bewusstmachen deiner Werte helfen kann, mit schwierigen Situationen gelassener umzugehen! Nicht ohne Grund habe ich genau dieser Aufgabe in meinem Onlineprogramm DEXKADIMA® ein ganzes Modul gewidmet. In diesem Artikel komplett auf die Wertearbeit einzugehen würde allerdings den Rahmen sprengen, daher beschränke ich mich hier nur auf das Wesentliche.
Neben den kulturellen und gesellschaftlichen Werten, mit denen wir aufgewachsen sind, gibt es vor allem die Werte, die uns ganz individuell anleiten und die zu unserer Persönlichkeit gehören. Können wir diese Werte nicht leben, fühlen wir uns äußerst unwohl.
Verstoßen wir dagegen selbst gegen unsere Kernwerte, kommt die Scham hoch und meldet sich vehement.
Lass uns mal ein Beispiel durchgehen, wie sich das äußern kann:
Angenommen, einer deiner Top-Werte ist „Freundschaft“. Du bist für alle deine Freunde da und bist gesellig und nutzt jede Gelegenheit für Freundschaftspflege. Solltest du dagegen einmal (passiert dir sonst nie!) einen Geburtstag vergessen, dann kommt das Gefühl der Scham mit aller Macht hoch.
Ein Gegenbeispiel: du hast vielleicht nicht unbedingt den Wert „Status“, der sich in erster Linie über Besitz zeigt. Daher wirst du dich eher nicht schämen, wenn du dein neues Auto irgendwo beim Parken am Betonpfosten anschrammst. Ärgern schon, aber nicht schämen. Für jemand anderen kann das schon schlimmer sein, vor allem dann, wenn für diese Person das Auto sehr wichtig und einen Teil des Selbstwerts und der Identität verkörpert.
Ich sehe die Scham wie einen Richtungsweiser: Lebe ich in dieser oder jener Situation tatsächlich nach meinen Werten? Manchmal gewinne ich sogar den Eindruck, als ob bestimmte Situationen Tests sind, inwiefern die eigene Persönlichkeit wirklich gefestigt ist oder noch Wachstumspotenzial vorhanden ist.
Die eigenen Werte wandeln sich übrigens auch im Laufe der Jahre. Es gibt ja so viele! In den einzelnen Lebensphasen treten bestimmte Werte in den Vordergrund, während andere auf der Wichtigkeitsskala weiter nach unten rutschen. Wenn du dich zum Beispiel an die Zeit als Teenager erinnerst, waren Freundschaftscliquen überlebensnotwendig und wichtiger als heute. Du schaffst es nämlich mittlerweile einen Nachmittag ohne das Gespräch mit der besten Freundin… Oder auch der Wert „Familie“ könnte erst später dazugekommen sein, als du dich dazu bereit gefühlt hast, eine Familie zu gründen.
Manche Werte bleiben allerdings unveränderlich und zeigen sich schon früh: Bei mir ist es z.B. „Pünktlichkeit“ – wenn ich nicht pünktlich bin, darf sich vor Scham gerne der Boden unter mir auftun.
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Wann Scham ein innerer Richtungsweiser ist – und wann ein Warnsignal
Jetzt kann es aber durchaus sein, dass sich dieses Gefühl nicht aus unserem Inneren heraus automatisch meldet, sondern wir von außen beschämt werden. Sprich wir werden bewertet auf Basis der Werte der anderen Menschen – allen voran natürlich dein Ex, der sich über dich stellen muss, aber auch von deiner eigenen Mutter, der Verfahrensbeiständin, dem Sachbearbeiter im Jugendamt, deinem Chef oder auch von deinem Nachbarn oder dem Typ, der neben dir geparkt hat.
Alle haben eine Meinung, wie sich andere verhalten sollen! (Du übrigens auch, meine Liebe. Du auch!)
Warum dein toxischer Ex deine wunden Punkte so treffsicher trifft
Der toxische Ex-Partner hat da noch eine besondere Rolle: Er ist ja derjenige, der dich in- und auswendig kennt; dem du alle deine Gefühle, deine Sorgen, und somit auch deine Werte im Laufe eurer Beziehung anvertraut hast. Er kennt deine Achillesfersen aus dem Effeff.
Und nichts ist schöner für einen Narzissten, als die Knöpfe zu drücken – denn darüber bekommt er die notwendige emotionale negative Energie von dir! Sei es Ärger, Wut, Schmerz oder halt auch Scham. Das kannst du dann deutlich unterscheiden von der Situation, wenn du von deiner Ursprungsfamilie beschämt wirst: denn die Wahrscheinlichkeit, dass deine Ursprungsfamilie deine Veränderung in deinen Werten und in deiner Persönlichkeit intimst mitbekommen haben könnte, ist eher gering. Und wenn doch, weil ihr einen guten und liebevollen Draht miteinander habt, dann würde sie dich auch nicht beschämen!
Wie sich echte Scham von übernommener Scham unterscheidet
Das Gefühl der Scham, wenn du gegen deine eigenen Werte verstößt und inkongruent handelst, ist direkt und klar. Es kommt aus dir heraus und ist sofort und unmittelbar nach deiner Handlung da, ohne dass dir jemand etwas sagen muss.
Die Scham, die dir von anderen angetragen wird, löst eher ein Gefühl der Verwirrtheit aus: Du kannst die Worte nachvollziehen (und der zugrundeliegende Wert, der unterschwellig kritisiert wird, ist dir ja per se nicht fremd), aber dein inneres Gefühl sagt dir deutlich: „Das stimmt nicht.“
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Grenzen im Inneren setzen: Bei sich bleiben trotz fremder Werte
Ich kann es nicht oft genug betonen, aber es ist wirklich wichtig, dass wir uns alle über unsere Werte klar und bewusst werden, um souverän zu merken, welche Scham gerade hochkommt. Und du darfst durchaus in Fällen des Beschämens von außen für dich ganz ruhig konstatieren: „Das ist der Wert dieser Person, den ich offensichtlich gerade verletzt habe. Es tut mir leid, aber das hat mehr mit der anderen Person zu tun als mit mir.“
Wenn du dich dann entschuldigst – falls du spürst, dass du dich wirklich entschuldigen willst – dann kannst du auch weitergehen, ohne dich noch tagelang in grüblerischen Gedanken zu wälzen. Alles ist okay.
Bist du dagegen sehr unklar und übernimmst automatisch die Werte der Menschen um dich herum, dann kommst du nicht zur Ruhe. Der Drang nach „Gefallen wollen“ oder eine grenzenlose Harmoniesucht können dafür sorgen, dass du unbesehen die Werte der anderen übernimmst, und du dir nicht erlaubst, im wahrsten Sinne des Wortes wert-voll zu sein.
Warum Klarheit über deine Werte dich ruhiger und souveräner macht
Es wird immer Menschen in deinem Leben geben, die ihre Werte über deine eigenen stellen. Deine Aufgabe ist es, das achtsam zu erkennen und für dich liebevoll festzustellen. Es hilft dann allein schon, wenn du es denkst und nicht aussprichst.
Jede Person ist individuell verschieden – die Kombination aus Körper, Geist, innerer Reife und Kernwerte macht sie zu einem einzigartigen Menschen, welcher seinen Teil zur Gesellschaft beiträgt.
Deine Aufgabe ist es in dieser Elternschaft, immer mehr in die Klarheit zu kommen – wer du im Kern wirklich bist, was du liebst und was dich antreibt. All das formt deine Persönlichkeit.
Welche einzigartige Persönlichkeit darf sich wohl dein Kind von dir in einem Jahr abgucken?
Hast du deine Werte schon klar vor Augen, meine Liebe? Kommentiere gerne unten deine Meinung zum Artikel – damit hilfst du auch anderen Frauen.
Mehr über mich
Ich bin Heidi Duda, Online-Coach und Autorin, und seit 2017 begleite ich Mütter, die mit einem toxischen Ex-Partner die Elternschaft stemmen müssen. Meine Mission ist es, Mütter zurück in ihre Stärke finden zu lassen – damit sie starke Kinder großziehen können.
Wenn du mehr Impulse und Unterstützung möchtest, folge mir gerne auf YouTube und Instagram.
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